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Metropolenbahn möglich machen
Ostbayerns Wirtschaft drängt gemeinsam mit den tschechischen Partnern die deutsche Politik zu mehr Tempo für eine zeitgemäße Bahnverbindung zwischen Isar und Moldau. „Die Metropolenbahn München– Prag über Regensburg, Schwandorf, Furth im Wald, Domažlice und Pilsen ist ein zentrales Infrastrukturprojekt für Bayern und Tschechien mit hoher strategischer Bedeutung. Sie verbindet wirtschaftsstarke Regionen und ist entscheidend für leistungsfähige Lieferketten, Fachkräftemobilität und Investitionen im Grenzraum“, betonte IHK-Präsident Christian Volkmer beim Treffen mit Tschechiens Botschafter Jiří Čistecký in der Botschaft der Tschechischen Republik in Berlin.
Aktuelle Studien bescheinigen der Achse das größte Potenzial aller geplanten Verbindungen für Wachstum und Mobilität. Gleichzeitig gewinne sie sicherheitspolitisch an Bedeutung, etwa für militärische Mobilität und resilientere Verkehrsnetze, wie bei dem Treffen deutlich wurde. Trotz dieser Relevanz ist die Verbindung noch immer unzureichend: Lange Fahrzeiten und hohe Verspätungen schwächen ihre Wirkung. „Die Umsetzungschancen gelten grundsätzlich als gut, da die Finanzierung der Vorplanung steht und das Projekt in europäische TEN-Korridore eingebettet ist“, so Volkmer. Tschechien treibe den Ausbau aktiv voran, mit konkreten Bau- und Elektrifizierungsplänen bis 2030, wusste Botschafter Čistecký zu berichten.
Entscheidend bleibt jedoch mehr Tempo und politische Priorität auf deutscher Seite, um das Gesamtprojekt voranzubringen. Dafür setzt die IHK in Regensburg sich nun massiv ein und holt die regionale Spitzenpolitik ins Boot. Auch eine gemeinsame Schienenkonferenz mit den tschechischen Partnern ist in der Pipeline. „Wir werden klar machen, dass es auf der deutschen Seite dann nicht wie in den vergangenen Jahren bei bloßen Absichtserklärungen bleiben kann“, nimmt Volkmer die Bundespolitik in die Pflicht.
Meldungen aus der Region
Kammern grenzenlos vernetzt
Die deutsch-tschechische Zusammenarbeit ist für die Unternehmen, Regionen und die Menschen vor Ort längst gelebter Alltag. Wie eine erfolgreiche, grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Herzen Europas aussieht, haben die IHK in Regensburg gemeinsam mit der IHK für Oberfranken Bayreuth, der Wirtschaftskammer Karlsbad und der IHK Chemnitz auf dem diesjährigen IHK-Tag in Berlin greifbar gemacht. Auf einem Gemeinschaftsstand veranschaulichten sie die enge wirtschaftliche Verflechtung, Projekte und Potenziale sowie Herausforderungen zwischen Sachsen, Bayern und Tschechien.
Beim IHK-Tag in Berlin (v.l.): IHK-Geschäftsstellenleiter Nordoberpfalz Florian Rieder, IHKPräsident Christian Volkmer, Dr. Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth, Max Jankowsky, Präsident der IHK Chemnitz, IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes, Richard Śtěpanovský von der Wirtschaftskammer Karlsbad und Karla Stánková vom IHK-Regionalbüro Pilsen.
Tschechien will in die TOP Ten
Tschechien justiert unter der noch jungen Regierung Babiš seine Wirtschaftspolitik neu. Das ambitionierte Ziel des wirtschaftsliberalen Kurses lautet: Aufstieg in die Top Ten der EU beim BIP pro Kopf bis Anfang der 2030er Jahre. Derzeit rangiert das Land auf Platz 21 – solide, aber mit klarem Abstand zu den führenden Volkswirtschaften. Der Reformdruck ist hoch. Die Jahre 2021 bis 2025 waren geprägt von schwachem Wachstum und außergewöhnlich hoher Inflation. Mit insgesamt plus 33 Prozent gehört der Preisanstieg zu den stärksten in der EU.
Gleichzeitig sind die Reallöhne seit der Pandemie stärker gesunken als in jedem anderen Mitgliedstaat. Das BIP wuchs bei alledem nur um fünf Prozent. Tschechiens klassische Stärken – industrieller Kern, Exportorientierung und günstigere Produktion – tragen weniger. Wo man früher von der „verlängerten Werkbank“ gut leben konnte, braucht es künftig mehr Wertschöpfung, Innovation und Produktivität. Die Privatwirtschaft soll Wachstumstreiber sein, der Staat lediglich verlässliche Rahmenbedingungen setzen und auf direkte Eingriffe verzichten, so der Leitgedanke der Regierung Babiš. Der Reformkurs soll ordnungspolitische Klarheit schaffen, muss sich jedoch in der Praxis erst beweisen.
Inhaltlich setzten die Reformen auf fünf zentrale Felder. Erstens: Der eklatante Fachkräftemangel soll durch gezielte Zuwanderung, flexiblere Arbeitsmärkte und eine Stärkung der dualen Ausbildung gemildert werden. Zweitens: Innovationen sollen gepusht werden, mit steuerlichen Anreizen, Start-up-Förderung und einer engeren Verzahnung von Forschung und Industrie. Die F&E-Quote soll von derzeit 2,0 auf 2,7 Prozent des BIP steigen. Besonders ambitioniert ist der Anspruch, sich als KI-Standort in Mitteleuropa zu positionieren. Drittens: Weniger direkte Subventionen, dafür stärkere steuerliche Instrumente und ein ausgebauter Kapitalmarkt sollen Investitionen anziehen. Viertens: Energiepreise, Versorgungssicherheit und Verkehrsverbindungen – insbesondere Richtung Deutschland – sollen verbessert werden. Fünftens: Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungen und ein Ende regulatorischer Übererfüllung sollen Planungssicherheit schaffen.
Für bayerische Unternehmen bietet Tschechien also Zukunftschancen. Die industrielle Basis, die geografische Nähe sowie die komplementären Wirtschaftsstrukturen sprechen klar für eine vertiefte Zusammenarbeit und den weiteren Ausbau von Nearshoring-Strategien. Besonders großes Potenzial liegt künftig in innovationsgetriebenen Partnerschaften, etwa in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Halbleitertechnologien, Digitalisierung und industrielle Forschung. Aktuelle Investitionen – etwa von BMW in Sokolov, Wacker Chemie in Karlsbad oder Daimler Truck in Eger – unterstreichen das Potenzial. Demgegenüber stehen Risiken wie der Fachkräftemangel, hohe Energiepreise und Zweifel an politischer Kontinuität. Tschechien möchte ein kostenoptimierter Standort bleiben und hegt Ambitionen für hohe Wertschöpfung. Es wird sich zeigen, ob Anspruch und Realität miteinander Schritt halten können.
IHK vor Ort in Pilsen
Bei allen Fragen zu wirtschaftlichen Themen im Nachbarland hilft das gemeinsame Regionalbüro Pilsen der IHK Regenburg für Oberpfalz / Kelheim und der Deutsch-Tschechischen IHK gerne weiter.
Bei allen Fragen zu wirtschaftlichen Themen im Nachbarland hilft das gemeinsame Regionalbüro Pilsen der IHK Regenburg für Oberpfalz / Kelheim und der Deutsch-Tschechischen IHK gerne weiter.