Wirtschaft konkret
Nr. 7036944
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Der General Manager Roundtable Westböhmen bei Panasonic in Pilsen.
Bayern-Čechy - Ausgabe Mai 2026

Wirtschaftsstandort Westböhmen

Fertigung, Forschung und Entwicklung

Der General Manager Roundtable Westböhmen besuchte das neue Werk von Panasonic Heating & Ventilation Air Conditioning Czech in Pilsen. Das Unternehmen war in den späten 1990er-Jahren der erste Investor in der Industriezone Borská pole und stärkt den Standort nun mit einem umfangreichen neuen Investitionsprojekt. Mit der jüngsten Neuinvestition von rund 320 Millionen Euro hat Panasonic ein modernes Produktionsareal für die Herstellung von Wärmepumpen geschaffen, das auf Innovation, Automatisierung und Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Die Anlage vereint Fertigung, Forschung und Entwicklung unter einem Dach – ein Beispiel dafür, wie sich internationale Investoren in Tschechien zunehmend neu aufstellen und höhere Wertschöpfung an den Standort bringen.
Im Anschluss an die Werksbesichtigung fand die erste Sitzung des Roundtables in diesem Jahr statt. Zu Gast war die staatliche Wirtschaftsförderungsagentur CzechInvest. Deren Generaldirektor Jan Michal betonte, dass ausländische Firmen inzwischen mehr in Forschung und Entwicklung als die tschechische Regierung investierten. Im Unternehmenssektor lägen dabei deutsche Investoren klar vorne. Er skizzierte zudem wichtige Ansatzpunkte für Investitionen. Passend zum Trend setzt die neue Wirtschaftsstrategie der tschechischen Regierung vor allem auf Innovation und angewandte Forschung für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Die Teilnehmenden waren sich darin einig, dass qualifizierte Fachkräfte der entscheidende Faktor für langfristige Standortsicherung sind. Daher wird sich der Roundtable gezielt dem Thema Bildung und der Qualität des tschechischen Bildungssystems widmen.

Neue Chancen für die Industrie

Die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Westböhmen entscheidet sich an den Themen Fachkräfte, Bildung und Energie sowie wirtschaftsfreundlicher Politik. Dass vor allem grenzüberschreitende Kooperationen mit den bayerischen Nachbarn für die tschechischen Unternehmen Chancen eröffnen, wurde beim Besuch des Deutschen Botschafters Dr. Peter Reuss in Pilsen deutlich. Das Team des IHK-Regionalbüros Pilsen diskutierte mit dem Botschafter und den Board-Mitgliedern des General Manager Roundtables offen und konstruktiv über Herausforderungen und Zukunftsaussichten des Standorts. Die Industrie Westböhmens leidet derzeit vor allem unter dem globalen Wettbewerbsdruck sowie am Fachkräftemangel. Energiepreise, Versorgungssicherheit und Rahmenbedingungen für CO2-neutrale Produktion treiben die Betriebe besonders um. Perspektiven für die deutsch-tschechische Zusammenarbeit täten sich bei Infrastruktur, Mobilität, Industriekooperation und Sicherheit auf, wurde im Gespräch mit Botschafter Reuss hervorgehoben.

Gehälter deutlich gestiegen

Der tschechische Arbeitsmarkt zählt weiterhin zu den angespanntesten in Europa. Das bestätigt die aktuelle Gehaltsbenchmark-Studie der AHK Tschechien in Zusammenarbeit mit dem IHK-Regionalbüro Pilsen. Mit einer Arbeitslosenquote von rund 2,6 Prozent liegt Tschechien weiterhin deutlich unter dem EU-Durchschnitt und zählt zu den Ländern mit der niedrigsten Erwerbslosigkeit. Parallel dazu steigen die Bruttomonatslöhne seit Jahren kräftig an – von rund 34.500 CZK (etwa 1.400 Euro) im Jahr 2019 auf über 52.000 CZK (etwa 2.100 Euro) im Jahr 2026. Auch die Reallöhne entwickeln sich nach zwischenzeitlichen Einbrüchen wieder positiv.
Der Gehaltsbenchmark, der seit 2017 auf Initiative des General Manager Roundtable Westböhmen durchgeführt wird, zeigt langfristig einen bemerkenswerten Trend: Bei rund 80 Prozent der Positionen sind die Gehälter um mehr als 50 Prozent gestiegen. Grundlage der aktuellen Studie sind 103 beteiligte Unternehmen und 82 Schlüsselpositionen in Industrie und industrienahen Dienstleistungen. Für 2026 planen die Betriebe Gehaltserhöhungen von rund vier Prozent. Gleichzeitig stellt eine hohe Fluktuation von 14 bis 16 Prozent bei gewerblichen Mitarbeitenden viele Firmen vor Herausforderungen. Gefragt sind vor allem Fachkräfte in den Bereichen Automatisierung, PLC und Mechatronik. Neben der Vergütung gewinnen Benefits weiter an Bedeutung: Mehr als 80 Prozent der Unternehmen bieten Homeoffice für nicht-gewerbliche Mitarbeitende an, zudem stehen Gesundheit und Weiterbildung im Fokus. Trotz des starken Lohnwachstums bleibt die Produktivität hinter der Entwicklung zurück. Betriebe reagieren mit Investitionen in Automatisierung und Qualifizierung – ein entscheidender Faktor, um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
IHK vor Ort in Pilsen
Bei allen Fragen zu wirtschaftlichen Themen im Nachbarland hilft das gemeinsame Regionalbüro Pilsen der IHK Regenburg für Oberpfalz / Kelheim und der Deutsch-Tschechischen IHK gerne weiter.