Geschäftsbericht 2025
Nr. 5812842
Container wird auf Lkw gehoben

Weltweit wirtschaften

Hohe Hürden für Dienstleister

Der EU-Binnenmarkt bleibt trotz weltweiter Vernetzung zentral für die exportstarke Wirtschaft der Region. Während der Warenhandel stagniert, entwickeln sich Dienstleistungen zum wichtigsten Wachstumstreiber, betonte IHK-Ausschussvorsitzender Thomas Hanauer beim Treffen des Ausschusses International. Allerdings erschwerten unterschiedliche nationale Systeme und hohe Bürokratiegrenzen den grenzüberschreitenden Austausch. Deshalb wanden sich die IHK Regensburg und die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz mit konkreten Vorschlägen an regionale Europaabgeordnete.
Zunehmend rückt auch Indien in den Fokus der Unternehmen. Die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens gilt als strategisch wichtiger Zukunftsmarkt. Zwar liegt der bayerische Handel mit Indien noch deutlich hinter China, doch immer mehr Firmen bauen dort Partnerschaften oder Standorte auf. Experten betonen, dass dabei geopolitische Entwicklungen und historische Besonderheiten Asiens berücksichtigt werden müssen.

USA: Vom Hoffnungsträger zur Herausforderung

Der Welthandel verändert sich spürbar, mit wachsenden Belastungen für deutsche Unternehmen. Laut der DIHK-Umfrage „Going International 2025“ sahen 58 Prozent der Firmen steigende Handelsbarrieren. Auch die IHK bestätigte diese Entwicklung für die Region. Besonders die USA, einst Hoffnungsträger, bereiteten Sorgen. 70 Prozent der Unternehmen erwarten negative Folgen der US-Handelspolitik. Protektionismus und Handelskonflikte erschweren das Geschäft, kosten Geld, gefährden Arbeitsplätze und nehmen Betrieben jede Planungssicherheit. Auch in China, der Eurozone und Russland steigen die Handelshemmnisse weiter. Zusätzlich belasten nationale Vorgaben wie das Lieferkettengesetz oder der CO2‑Grenzausgleich den Außenhandel. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes forderte deshalb mehr Tempo bei Handelsabkommen und weniger Bürokratie, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Freier Handel statt Regulierungswut

Seit der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump ist der globale Handel im Umbruch. Eine Umfrage von Bayerns IHKs unter 900 im Auslandsgeschäft tätigen Unternehmen vom April zeigte, dass die Wirtschaft im Freistaat deshalb vermehrt auf Diversifizierung setzt.
„Die unberechenbare Wirtschaftspolitik der US-Administration sorgt weltweit für erhebliche Verunsicherung und löst auch bei unseren regionalen Unternehmen Besorgnis aus. Neue Regulierungen und höhere US-Zölle belasten das Exportgeschäft der ostbayerischen Wirtschaft und dämpfen die Wachstumsaussichten. Statt Handelskonflikten und Protektionismus brauchen wir offene Märkte, Planungssicherheit und neue Freihandelsabkommen mit verlässlichen Partnern", äußerte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes.

Weniger Zettelwirtschaft beim Export

Unternehmen, die Waren in Länder außerhalb der EU senden möchten, benötigen dafür in der Regel Ursprungszeugnisse. Diese werden von ausländischen Zollbehörden, Kunden und Exportfinanzierern verlangt. Die IHKs stellen diese Dokumente jetzt vollständig digital bereit. Unternehmen können ihre Ursprungszeugnisse bei der IHK online beantragen, digital entgegennehmen und per Mausklick weltweit versenden. Sie sind fälschungssicher und jederzeit von Dritten verifizierbar. 320 Unternehmen aus der Region beantragen regelmäßig Ursprungszeugnisse bei der IHK. 25.000 Ursprungszeugnisse stellt die IHK jährlich aus. Die häufigsten Nicht-EU-Zielländer sind die Türkei, Vietnam, Indien, die Ukraine sowie China.

Grenzregion zeigt Mut zur Transformation

Der 6. Bayerisch‑Tschechische Innovationstag zeigte die Grenzregion Bayern‑Böhmen als Modellraum für Europas Zukunft. Rund 150 Gäste diskutierten in Furth im Wald über Transformation, KI und grenzübergreifende Kooperation. In den Keynotes machten Uta Anders von der Krones AG und Senta Čermáková von Czechitas deutlich, wie stark Unternehmen vom Wandel betroffen sind und welche Rolle KI in Geschäftsprozessen bereits spielt.
In der Podiumsdiskussion betonten Bezirkstagspräsident der Oberpfalz Franz Löffler und stellvertretender Hauptmann der Region Pilsen Martin Rybár die Bedeutung der Region für Europas Zusammenhalt und Wettbewerbsfähigkeit. IHK‑Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes hob hervor, dass gerade die Verbindung bayerischer und tschechischer Stärken eine Modellregion entstehen lassen könne.
Acht Start‑ups präsentierten ihre Innovationen. Das Publikum zeichnete Wflow für eine KI‑gestützte Buchhaltungsplattform und RocketMIND für ein digitales Konzept zur Förderung mentaler Stärke bei Kindern aus.
Impulsvorträge mahnten mehr Mut zu DeepTech‑Investitionen an und zeigten Potenziale der Prozessautomatisierung im Backoffice. In der Abschlussrunde wurde deutlich: Europas Herausforderung liegt weniger in fehlender Technik, sondern in Strukturen und Mentalität. Der Innovationstag demonstrierte, dass die Grenzregion bereit ist, diesen Wandel aktiv zu gestalten.

Geopolitische Zeitenwende im Fokus

Prof. Günther Schmid beleuchtete in seinem Vortrag „Geopolitische Zeitenwende“ bei der Sitzung des IHK-Ausschusses International die globalen Machtverschiebungen und deren direkte Auswirkungen auf international tätige Unternehmen. Er machte deutlich, dass wirtschaftliche Entscheidungen längst politisch geprägt seien und warnte davor, geopolitische Risiken zu unterschätzen. Für Firmen werde Risikomanagement damit zu einer zentralen Führungsaufgabe. Ausschussvorsitzender Thomas Hanauer ergänzte, dass europäische Unternehmen aktuell besonders unter Druck stünden. US‑Zölle erschweren den Marktzugang, während gleichzeitig der Wettbewerbsdruck aus Asien wächst.
Einen praktischen Bezug bot das Gastgeberunternehmen DEHN SE. CEO Dr. Philipp Dehn stellte den neuen Produktionsstandort im rumänischen Pitești vor, der das globale „local for local“-Netzwerk des Unternehmens stärkt. Das 115 Jahre alte mittelständische Unternehmen versteht sich als globaler Spezialist für Schutzlösungen und zeigte, wie langfristige Vision in unsicheren Zeiten Stabilität schaffen kann.
Zudem wurde das neue IHK‑Mentorenprogramm für Gründerinnen und Gründer vorgestellt. Erfahrene Unternehmer begleiten junge Betriebe vier Monate lang als Sparringspartner, öffnen Netzwerke und unterstützen bei strategischen Entscheidungen. Damit ergänzt das Programm gezielt das regionale Gründungsökosystem.