Fachkräftesicherung
IHK Arbeitsmarktradar
Wie entwickelt sich der Fach- und Arbeitskräftemarkt in der Region zukünftig? Welche Engpässe entstehen in welchen Branchen? Welche Berufe sind am stärksten betroffen? Welche Bruttowertschöpfungsverluste drohen der Wirtschaft? In welchen Branchen lohnt sich eine Aus- und Weiterbildung? Der IHK Arbeitsmarktradar gibt Antworten.
Demografie und Beschäftigungsentwicklung
Kurzfristprognose: Beschäftigungsentwicklung bis 2029
Die Anzahl der SV-Beschäftigten im Bezirk der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim ist von 2019 bis 2024 von 494.000 auf 521.000 gestiegen (+5,5%). Der IHK Arbeitsmarktradar prognostiziert bis 2029 einen weiteren Anstieg auf 550.000 (+5,6%).
Das erwartete Beschäftigungswachstum in der Region Oberpfalz-Kelheim wird dabei insbesondere von (steigender) Zuwanderung und einer wachsenden Arbeitsmarktintegration ausländischer Personen getragen. Einen weiteren wichtigen Beitrag zur Beschäftigungsentwicklung wird die weiter steigende Erwerbsbeteiligung von Älteren, insbesondere ein späterer Renteneintritt, leisten. Zudem profitiert die Region von einer fortgesetzten Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt, wobei Potentiale hier eher in der Ausweitung der Arbeitszeit liegen, als in der Erhöhung der bereits recht hohen Erwerbsquote.
Gleichzeitig steigt die Zahl der Renteneintritte in den nächsten Jahren weiter an, so dass die demografische Entwicklung diesen Beschäftigungsaufbau spürbar abbremst. Bayernweit wird für die Region das zweitstärkste Beschäftigungswachstum erwartet.
Diese Entwicklung setzt voraus, dass die oben beschriebenen Trends tatsächlich weiter anhalten und sich die aktuelle konjunkturelle Krise nicht zu einer längerfristigen strukturellen Krise entwickelt und sich spürbar auf die Beschäftigung auswirkt.
Arbeitsnachfrage, Arbeitsangebot und Beschäftigte im IHK-Bezirk Oberpfalz-Kelheim
Das Beschäftigungswachstum in der Region Oberpfalz-Kelheim entwickelt sich über die einzelnen Berufe hinweg sehr unterschiedlich. Den größten Zuwachs an Beschäftigung dürften bis 2029 die Fachkräfte und Spezialisten in der Kinderbetreuung (+3.458) sowie Fachkräfte in der Öffentlichen Verwaltung (+1.500) zu verzeichnen haben. Deutlich mehr Beschäftigte wird es auch bei Fachkräften in der Sonstigen Fahrzeugführung im Straßenverkehr (+1.100), der Lagerwirtschaft (+1.100) und Helfern im Objekt-, Werte- und Personenschutz (+1.000) geben.
Der größte Rückgang an Beschäftigung wird bei Fachkräften im Maschinenbau erwartet (-850).
Langfristprognose: Beschäftigungsentwicklung bis 2039
Es werden drei unterschiedliche Szenarien für die Beschäftigungsentwicklung bis 2039 im IHK-Bezirk Oberpfalz-Kelheim dargestellt.
Im ersten Szenario (hellblaue Linie) wird nur die demografische Entwicklung, also die Austritte aus dem Arbeitsmarkt, insbesondere aufgrund von Renteneintritt, und die Neueintritte betrachtet. Andere Einflussfaktoren, wie die Partizipationsquote von Frauen, Älteren und ausländischen Beschäftigten bleiben im ersten Szenario konstant und es wird keine Zuwanderung aus dem Ausland unterstellt. Auf Grund des Ausscheidens der besonders geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben würde im Zeitraum von 2024 bis 2039 die Zahl der SV-Beschäftigten im IHK-Bezirk Oberpfalz-Kelheim um 12,8% bzw. rund 67.000 Personen abnehmen.
Im zweiten Szenario (dunkelgraue Linie) wird zusätzlich zur Demografie die Zuwanderung berücksichtigt. Dabei wird bis 2039 eine ähnlich starke Zuwanderung wie im Durchschnitt der letzten Jahre unterstellt. Damit würde der Rückgang deutlich geringer ausfallen und die Beschäftigung „nur“ um 6,3% bzw. rund 33.000 Personen zurückgehen.
Das dritte Szenario (orange Linie) entspricht bis 2029 der Trendfortschreibung, auf welcher der Arbeitsmarktradar aufbaut (Basisszenario): Zusätzlich zu Demografie und Zuwanderung wird hier bis 2029 auch eine weitere Steigerung der Partizipationsquoten von Ausländern, Älteren und Frauen im Durchschnitt der letzten sieben Jahre unterstellt. Ab 2029 werden die Partizipationsquoten dann konstant gehalten und nur noch die demografische Entwicklung und eine Zuwanderung berücksichtigt. In diesem Szenario würde die Beschäftigung bis 2039 im Vergleich zum Niveau von 2024 sogar weiterwachsen (+1,9% bzw. +10.000).
Langfristige Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im IHK-Bezirk Oberpfalz-Kelheim
Alle Szenarien sind Kopf-Betrachtungen ohne Aussagen zur geleisteten Arbeitszeit.
Wie sich die Beschäftigung in der Region Oberpfalz-Kelheim also künftig entwickelt, hängt im Wesentlichen davon ab, ob die Partizipationsquoten gesteigert werden können und Arbeitskräfte weiterhin zuwandern. Das Modell zeigt, dass es eine große Spannbreite bei der Entwicklung gibt und die Politik durchaus wirksame Stellschrauben besitzt, um dem demografisch bedingten Schrumpfen der Beschäftigung entgegenzuwirken.
Offene Stellen und Arbeitskräfteengpass
Engpass nach Qualifikationen
2024 fehlten in der Region Oberpfalz-Kelheim rund 20.000 Arbeitskräfte. Alle Arbeitslosen, die für offene Stellen passend qualifiziert sind, werden dabei im Modell mit diesen offenen Stellen verrechnet und reduzieren die Lücke. Somit repräsentiert die Arbeitskräftelücke im Arbeitsmarktradar nur jene offenen Stellen, für die keinerlei passend qualifizierte Arbeitslose auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.
In der Realität sind jedoch nicht alle Arbeitslosen auf Stellen zu vermitteln, für die sie eine passende Qualifikation haben. Der von den Unternehmen wahrgenommene Arbeitskräftemangel ist somit deutlich höher als die hier ausgewiesene Arbeitskräftelücke. Einen Hinweis darauf gibt auch die Zahl der offenen Stellen in der Region Oberpfalz-Kelheim, die 2024 mit 33.000 deutlich höher als der berechnete Arbeitskräftemangel war.
Bis 2029 wird der Arbeitskräftemangel auf rund 32.000 Personen weiter ansteigen. Die Zahl der offenen Stellen wird dann bei rund 47.000 liegen.
Betrachtet man den Arbeitskräftemangel nach Qualifikationsniveau, so fehlten 2024 rund 13.000 Fachkräfte (v.a. mit einer beruflichen Ausbildung) bei 19.000 offenen Stellen für diese Beschäftigtengruppe. 2029 werden 20.000 dieser Arbeitskräfte fehlen (offene Stellen: 26.000).
Die Zahl fehlender Spezialisten (z.B. Meister, Fachkräfte mit Weiterbildung, Bachelor) betrug 2024 rund 3.500 (offene Stellen: 4.700) und wird bis 2029 auf 5.500 ansteigen (offene Stellen: 7.200).
Zudem fehlten 2024 bereits 2.600 Experten (v.a. Akademiker mit Master-Abschluss) bei 3.700 offenen Stellen. 2029 wird diese Zahl auf 4.000 ansteigen (offene Stellen: 5.600).
Bei den Helfern betrug 2024 die Arbeitskräftelücke lediglich 975 Personen, bei 5.670 offenen Stellen. Diese Diskrepanz zwischen der Arbeitskräftelücke und den offenen Stellen deutet auf erhebliche Probleme hin, die vorhandenen Arbeitslosen auch tatsächlich für eine Beschäftigungsaufnahme zu gewinnen. 2029 wird das Fehlen von 2.460 Helfern erwartet (offene Stellen: 7.880).
Ohne die Arbeitskräftelücke könnte die Wertschöpfung im IHK-Bezirk Oberpfalz-Kelheim 2029 3,7 Mrd. Euro beziehungsweise 6% höher liegen.
Arbeitskräftelücke im IHK-Bezirk Oberpfalz-Kelheim 2018 bis 2029
Engpass nach Berufen
Das IHK Arbeitsmarktradar Online-Tool arbeitsmarktradar.bihk.de ermöglicht eine detaillierte Darstellung aller Berufe und Qualifikationsniveaus von 2018 bis 2029.
Die Berufe mit den höchsten für 2029 erwarteten Engpässen sind in der folgenden Übersicht dargestellt. Zur besseren Einordnung sind die offenen Stellen in dem jeweiligen Beruf ebenfalls angegeben.
Die größte Arbeitskräftelücke wird 2029 für Fachkräfte im Verkauf erwartet. Hier werden 1.330 Arbeitskräfte fehlen. Bei den Fachkräften in der Bauelektrik und der Lagerwirtschaft sind es 900 bzw. knapp 780, unter den Büro- und Sekretariatskräften fehlen 680, bei den Fachkräften im Maschinenbau und in der Kraftfahrzeugtechnik 670 bzw. 640.
Top 10 Berufe mit den höchsten Arbeitskräftelücken im IHK-Bezirk Oberpfalz-Kelheim 2029
Branchenentwicklung
Betrachtet man anstatt von Berufen die einzelnen Branchen in der Region Oberpfalz-Kelheim, wird das größte Beschäftigungswachstum bis 2029 im Gesundheitswesen (+4.700), bei der Herstellung elektronischer und optischer Erzeugnisse (+3.000) sowie in der Unternehmensverwaltung, -führung und -beratung (+2.600) erwartet.
Der größte Beschäftigungsrückgang wird voraussichtlich im Bereich Kraftwagen- und sonstiger Fahrzeugbau stattfinden.
Die größten Arbeitskräftelücken in absoluten Zahlen werden für 2029 u.a. in den Branchen Unternehmensverwaltung, -führung und -beratung (+3.500), dem Bau (ohne Hoch- und Tiefbau) (+3.100) und dem Einzelhandel (+2.500) prognostiziert.
Top 10 Branchen mit den höchsten Arbeitskräftelücken im IHK-Bezirk Oberpfalz-Kelheim 2029
Weitere Informationen sowie ein Online-Tool, das Prognosen aller Berufe und Qualifikationsniveaus ermöglicht, finden Sie unter arbeitsmarktradar.bihk.de.