INQA Praxishilfen Gesunde Arbeit

Psychische Gesundheit im Betrieb stärken

Psychische Gesundheit ist eine wichtige Grundlage für Wohlbefinden, Motivation und Leistungsfähigkeit von Beschäftigten. Gleichzeitig wirkt sie sich auch auf den Unternehmenserfolg aus. Betriebe können durch gute Arbeitsbedingungen, gesunde Führung und eine passende Arbeitsorganisation viel dazu beitragen, psychische Belastungen zu reduzieren und Ressourcen zu stärken.
Die Initiative Neue Qualität der Arbeit, kurz INQA, bündelt hierzu umfangreiche Informationen und Praxishilfen. Im Mittelpunkt stehen Angebote aus dem Projekt „psyGA – psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“. Sie unterstützen Unternehmen dabei, psychische Gesundheit im Betrieb systematisch anzugehen und das Thema in der Arbeitsorganisation zu verankern.

Psychische Belastungen sind kein Randthema

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Ursachen können unter anderem Personalmangel, Arbeitsverdichtung, hoher Zeitdruck, Unsicherheit durch Veränderungen, Vereinbarkeitsfragen oder häufige Unterbrechungen sein. Langfristig können solche Belastungen zu Arbeitsausfällen führen und damit auch Betriebe vor organisatorische und wirtschaftliche Herausforderungen stellen.
Nach Angaben von INQA entfielen im Jahr 2022 fast 130 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage auf psychische Störungen und Verhaltensstörungen. Damit ist das Thema nicht nur aus Sicht des Arbeitsschutzes relevant, sondern auch für Fachkräftesicherung, Bindung und Leistungsfähigkeit im Unternehmen.

Gefährdungsbeurteilung als Ausgangspunkt

Ein zentraler erster Schritt ist die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Arbeitgeber sind nach dem Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, Arbeitsplätze auf mögliche Gefährdungen zu beurteilen. Dazu zählen ausdrücklich auch psychische Belastungen. Diese Pflicht gilt unabhängig von der Betriebsgröße und bereits ab der ersten beschäftigten Person.
Wichtig ist dabei: Es geht nicht darum, einzelne Beschäftigte medizinisch zu bewerten oder Diagnosen zu stellen. Im Mittelpunkt stehen die Arbeitsbedingungen, die Arbeitsorganisation und die Gestaltung von Tätigkeiten. Ziel ist es, belastende Faktoren zu erkennen und geeignete Maßnahmen abzuleiten.

Was Unternehmen konkret tun können

INQA empfiehlt, psychische Gesundheit nicht als Einzelmaßnahme zu verstehen. Eine App, ein Obstkorb oder ein einzelner Gesundheitstag reichen allein nicht aus. Entscheidend ist vielmehr, das Thema strukturiert in der Organisation zu verankern, zum Beispiel über ein betriebliches Gesundheitsmanagement, regelmäßige Auswertung von Belastungs- und Gesundheitsdaten sowie geeignete Maßnahmen zur Arbeitsgestaltung.
Eine besondere Rolle haben Führungskräfte. Sie beeinflussen Arbeitsklima, Kommunikation, Prioritäten und Ressourcen im Team maßgeblich. Gesunde Führung bedeutet unter anderem, realistische Anforderungen zu setzen, für Klarheit zu sorgen, Belastungen anzusprechen und gleichzeitig auch die eigene Gesundheit im Blick zu behalten.
Auch Beschäftigte selbst können unterstützt werden, ihre Belastungen und Ressourcen besser wahrzunehmen. INQA verweist hierzu auf Handlungshilfen und eLearning-Angebote, mit denen Mitarbeitende individuelle Stressfaktoren erkennen und Strategien zur Stressbewältigung entwickeln können.

Ergänzung zum bestehenden IHK-Beitrag

Die neuen INQA-Informationen ergänzen unseren bestehenden Beitrag Psychische Gefährdung am Arbeitsplatz. Dort finden Unternehmen einen Überblick über gesetzliche Grundlagen, die Bedeutung der Gefährdungsbeurteilung und eine strukturierte Vorgehensweise zur Umsetzung.