Innovation, Umwelt und Existenzgründung
Branchenbild kompakt Industrie
Die Pfalz: Wo Gegensätze Geschichten erzählen
Die Pfalz ist eine Wirtschaftsregion, die sich durch große regionale Unterschiede und vielfältige Besonderheiten auszeichnet. Diese Vielfalt ist hauptsächlich auf die geografische Trennung zwischen der Rheinebene und dem Pfälzerwald zurückzuführen. In der Rheinpfalz spielt die Industrie eine führende Rolle, während die Westpfalz bis heute mit strukturellen Herausforderungen zu kämpfen hat, jedoch durch Innovationen und technologische Neuausrichtungen neue Perspektiven schafft. Bis heute werden rund 70 Prozent der Bruttowertschöpfung2) in der Rheinpfalz und lediglich 30 Prozent in der Westpfalz erzielt. Dabei ist die pfälzische Industrie stark exportorientiert: Mehr als 60 Prozent der Umsätze werden im Ausland erwirtschaftet.
- Grafik Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe im Vergleich Pfalz RLP
Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe mit 20 und mehr Beschäftigten in der Pfalz und Rheinland-Pfalz
Zahlenvergleich Pfalz – Rheinland-PfalzInfografik, die einen Zahlenvergleich zwischen der Pfalz und Rheinland-Pfalz zeigt. Die Pfalz hat 603 Unternehmen, 112.309 angestellte Beschäftigte und einen Umsatz von 49.060 Mio. Euro. Rheinland-Pfalz hat 2.198 Unternehmen, 296.073 angestellte Beschäftigte und einen Umsatz von 103.043 Mio. Euro. Die Exportquote in der Pfalz beträgt 62,5%, in Rheinland-Pfalz 53,1%.
- Diagramm Betriebe Pfalz und Rheinland-Pfalz nach Beschäftigtengrößenklassen
Betriebe im Bergbau und Verarbeitenden Gewerbe in der Pfalz nach Beschäftigtengrößenklassen / Rheinland-Pfalz nach Beschäftigtengrößenklassen
Linker Bildbereich: Kreisdiagramm, das die Verteilung von 603 Betrieben im Bergbau und verarbeitenden Gewerbe in der Pfalz nach Beschäftigtengrößenklassen zeigt. Der größte Sektor (51,8%) umfasst Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern (blau), gefolgt von 50–99 Mitarbeitern (20,6%, grau), 100–249 Mitarbeitern (17,9%, hellgrau), 250–499 Mitarbeitern (5,6%, dunkelgrau), 500–999 Mitarbeitern (2,3%, schwarz) und über 1000 Mitarbeitern (1,8%, orange). Rechter Bildbereich: Kreisdiagramm, das die Verteilung von 2.198 Betrieben im Bergbau und verarbeitenden Gewerbe in Rheinland-Pfalz nach Beschäftigtengrößenklassen zeigt. Der größte Sektor (52,5%) umfasst Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern (blau), gefolgt von 50–99 Mitarbeitern (20,8%, grau), 100–249 Mitarbeitern (16,7%, hellgrau), 250–499 Mitarbeitern (6,6%, dunkelgrau), 500–999 Mitarbeitern (1,9%, schwarz) und über 1000 Mitarbeitern (1,5%, orange).
- Diagramm Betriebe Pfalz und Rheinland-Pfalz nach Beschäftigtengrößenklassen (Umsatz)
Bergbau und Verarbeitende Gewerbe in der Pfalz nach Beschäftigtengrößenklassen – Anteil am Gesamtumsatz / Rheinland-Pfalz nach Beschäftigtengrößenklassen – Anteil am Gesamtumsatz
Linker Bildbereich: Kreisdiagramm, das den Anteil von Betrieben im Bergbau und verarbeitenden Gewerbe in der Pfalz nach Beschäftigtengrößenklassen am Gesamtumsatz zeigt. Der größte Sektor (67,4%) entfällt auf Betriebe mit mehr als 1000 Mitarbeitern (orange), während kleinere Anteile von Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern (3,7%, blau), 50–99 Mitarbeitern (4,2%, grau), 100–249 Mitarbeitern (10,3%, hellgrau), 250–499 Mitarbeitern (6,4%, dunkelgrau) und 500–999 Mitarbeitern (8,0%, dunkelblau) vertreten sind. Rechter Bildbereich: Kreisdiagramm, das den Anteil von Betrieben im Bergbau und verarbeitenden Gewerbe in Rheinland-Pfalz nach Beschäftigtengrößenklassen am Gesamtumsatz zeigt. Der größte Sektor (45,5%) entfällt auf Betriebe mit mehr als 1000 Mitarbeitern (orange), während kleinere Anteile von Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern (6,0%, blau), 50–99 Mitarbeitern (7,3%, grau), 100–249 Mitarbeitern (15,1%, hellgrau), 250–499 Mitarbeitern (14,6%, dunkelgrau) und 500–999 Mitarbeitern (11,5%, schwarz) vertreten sind.
- Diagramm Betriebe Pfalz nach Beschäftigtengrößenklassen (Exportquote)
Exportquote im Bergbau und Verarbeitenden Gewerbe nach Beschäftigtengrößenklassen in der Pfalz
Balkendiagramm, das die Exportquote im Bergbau und verarbeitenden Gewerbe nach Beschäftigtengrößenklassen zeigt. Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern (16,2%, blau) haben die niedrigste Exportquote, gefolgt von Betrieben mit 50–99 Mitarbeitern (30,0%, hellblau), 100–249 Mitarbeitern (36,2%, grau), 250–499 Mitarbeitern (46,8%, dunkelgrau), 500–999 Mitarbeitern (63,5%, dunkelblau) und Betrieben mit über 1000 Mitarbeitern (71,8%, orange), die die höchste Exportquote aufweisen.
- Diagramme Beschäftigte in der Industrie der Pfalz
Bergbau und Verarbeitendes Gewrbe mit 20 und mehr Beschäftigten in der Pfalz
Diagramm zur Verteilung der Beschäftigten im Bergbau und verarbeitenden Gewerbe in Prozent. Es zeigt einen Kreisdiagramm mit fünf Sektoren. Der größte Sektor, der mit 60,0% der Beschäftigten am höchsten ist, ist für Vorleistungsgüter (blau). Der zweitgrößte Sektor, der mit 34,1% der Beschäftigten dargestellt wird, zeigt Investitionsgüter (hellblau). Weitere kleinere Sektoren sind: Gebrauchsgüter (1,2%, grau), Verbrauchsgüter (9,4%, dunkelblau) und Bergbau, Steine und Erden (0,3%, schwarz).
Beschäftigtenentwicklung 2017 – 2024
Balkendiagramm zur Beschäftigtenentwicklung von 2017 bis 2024. Die Beschäftigtenzahl ist in 100er-Schritten angegeben. Der Wert für 2017 liegt bei 117.697, für 2018 bei 118.657 (+0,9%). 2019 steigt die Zahl auf 120.141 (+1,2%). Im Jahr 2020 sinkt die Zahl auf 116.237 (-3,2%), gefolgt von einem weiteren Rückgang im Jahr 2021 auf 114.494 (-1,6%). 2022 zeigt einen Anstieg auf 115.542 (+1,0%), gefolgt von einem minimalen Rückgang auf 115.132 (-0,3%) im Jahr 2023. Für 2024 wird ein Rückgang auf 112.389 (-2,5%) erwartet. Die Veränderungen sind durch grüne (Zunahme) und rote (Abnahme) Prozentzahlen dargestellt.
Wandel der Pfälzer Wirtschaft: Dienstleistungssektor gewinnt an Bedeutung
Obwohl der Industriesektor nach wie vor eine führende Rolle spielt, hat der Dienstleistungsbereich in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Anfang der 1990er Jahre lag der Anteil des gesamten Dienstleistungssektors – einschließlich Handel und Verkehr – an der Bruttowertschöpfung in der Pfalz noch bei knapp 50 Prozent. Bis zum Jahr 2023 ist dieser Anteil auf 62 Prozent angestiegen. Parallel dazu ging der Anteil der Industrie an der regionalen Wertschöpfung stetig zurück.
- Diagramm Bruttowertschöpfung in der Pfalz
Bruttowertschöpfung in der Pfalz nach Wirtschaftssektoren
Kreisdiagramm, das die Bruttowertschöpfung in der Pfalz nach Wirtschaftssektoren im Jahr 2023 zeigt (insgesamt 54.112 Mio.). Der größte Sektor (36,5%) ist das Produzierende Gewerbe (hellblau), gefolgt von Öffentlichen und sonstigen Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit, Private Haushalte mit Hauspersonal (23,1%, dunkelblau), Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister, Grundstücks- und Wohnungswesen (22,0%, grau), Handel, Verkehr und Lager, Gastgewerbe, Information und Kommunikation (16,7%, hellgrau), und Land- und Forstwirtschaft (1,7%, blau). - Diagramm Bruttowertschöpfung in Rheinland-Pfalz
Bruttowertschöpfung in Rheinland-Pfalz nach Wirtschaftssektoren
Kreisdiagramm, das die Bruttowertschöpfung in Rheinland-Pfalz nach Wirtschaftssektoren im Jahr 2023 zeigt (insgesamt 164.845 Mio.). Der größte Sektor (32,3%) ist das Produzierende Gewerbe (hellblau), gefolgt von Öffentlichen und sonstigen Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit, Private Haushalte mit Hauspersonal (23,9%, dunkelblau),, Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister, Grundstücks- und Wohnungswesen (23,4%, grau), , Handel, Verkehr und Lager, Gastgewerbe, Information und Kommunikation (19,0%, hellgrau), und Land- und Forstwirtschaft (1,3%, blau).
Nordpfalz: Chemieindustrie als wirtschaftliches Rückgrat
Der nördliche Teil der Rheinebene mit Ludwigshafen als wirtschaftlichem Zentrum ist vor allem durch die chemische Industrie geprägt. Die BASF SE hat - als weltweit größter zusammenhängender Chemiestandort - hier ihren Sitz und dominiert das wirtschaftliche Bild der Region. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich in der Vorderpfalz weitere namhafte Chemieunternehmen angesiedelt, darunter u. a. Raschig GmbH, ICL Fertilizers Deutschland GmbH in Ludwigshafen und THOR GmbH (Spezialchemikalien) in Speyer sowie das ebenfalls in Ludwigshafen ansässige Pharmaunternehmen AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG Entlang des Rheins sind mit der JOSEPH VÖGELE AG als Unternehmen im Bereich des Straßen- und Wegebaus und der PFW Aerospace GmbH als Zulieferer für die Luftfahrtbranche zwei weitere namhafte Unternehmen ansässig. Nördlich von Ludwigshafen - in Frankenthal - sind zudem mit KSB SE & Co. KGaA und der Howden Turbo GmbH zwei weltweit aktive Produzenten von Pumpen bzw. von Dampfturbinen und Verdichtern tätig.
Südpfalz: Der Fahrzeugbau als Schlüsselbranche
Der südliche Teil der Pfalz hat sich ebenfalls zu einem bedeutenden Industriestandort entwickelt. Insbesondere der Fahrzeugbau spielt hier eine zentrale Rolle, dominiert von der Daimler Truck AG mit ihren Produktionsanlagen. Mit dem Mercedes-Benz Global Logistics Center ist hier außerdem eines der größten Logistikzentren der Automobilindustrie weltweit beheimatet. Daneben sind im südlichen Teil der Rheinpfalz bedeutende Automobilzulieferer wie Eberspächer Controls Landau GmbH & Co. KG und Eberspächer catem GmbH & Co. KG in Herxheim, die Tenneco GmbH in Edekoben und DBK David + Baader GmbH in Rülzheim zu finden. Die industrielle Vielfalt wird durch weitere namhafte Unternehmen ergänzt: Mit der STABILA Messgeräte Gustav Ullrich GmbH ist ein führender Produzent von Wasserwagen, Zollstöcken und elektronischer Messtechnik ebenfalls in der Südpfalz ansässig. Und auch die Papier-, Pappe- und Verpackungsindustrie ist stark vertreten, mit wichtigen Unternehmen wie die Papierfabrik Palm GmbH & Co. KG mit dem Werk in Wörth am Rhein sowie die Progroup AG in Landau. Daneben ist auch die WEPTECH elektronik GmbH in Landau als Entwickler neuartiger Technologien und Systeme für drahtlose Kommunikation, Antennen-Entwicklung und -Vermessung zu nennen.
Westpfalz: Zwischen Tradition und Neuanfang
Im Gegensatz dazu ist die Westpfalz – auch aufgrund ihrer Grenzlage zu Frankreich – wirtschaftlich schwächer aufgestellt. Historisch war die Region rund um Pirmasens und Zweibrücken stark durch die Schuhindustrie geprägt, die jedoch im Laufe der Jahrzehnte durch internationale Konkurrenz massiv zurückgegangen ist. Von diesem Bedeutungsverlust hat sich die Region bis heute nicht vollständig erholt. Noch immer existieren einige Betriebe der Lederverarbeitung und Schuhproduktion, darunter die Josef Seibel Schuhfabrik GmbH in Hauenstein, die Kennel & Schmenger Schuhfabrik GmbH, die Caprice Schuhproduktion GmbH & Co. KG sowie die Werner Schuhe GmbH mit Fokus auf Nachhaltigkeit – alle mit Sitz in Pirmasens. Weitere Unternehmen sind die Lugina Schuhfabrik GmbH mit der Marke Waldläufer in Schwanheim sowie der Sicherheitsschuh-Hersteller Louis Steitz Secura GmbH & Co. KG in Kirchheimbolanden.
Darüber hinaus konnten sich einige Unternehmen, insbesondere in der Kunststoff- und Chemieindustrie, erfolgreich neu ausrichten und sind heute bedeutende Produzenten von Kunststoffteilen und anderen Erzeugnissen – wie etwa die H.B. Fuller | Kömmerling Chemische Fabrik GmbH und Profine GmbH in Pirmasens als Hersteller von Klebstoffen bzw. von Fenster- und Türsystemen. Die Teilregion ist darüber hinaus von mittelständischen Unternehmen im Maschinenbau geprägt. Dazu zählen unter anderem die Kubota Baumaschinen GmbH, die Pallmann Maschinenbau GmbH, Ring Maschinenbau GmbH, psb Intralogistics GmbH sowie Tadano als Hersteller von Mobilkranen und Hebetechnik sowie das in Zweibrücken ansässige Werk der John Deere GmbH & Co. KG. Dies unterstreicht die Fähigkeit der Region, sich industriell neu zu positionieren.
Kaiserslautern: Tradition trifft High-Tech
Kaiserslautern, das Oberzentrum der Westpfalz, ist durch den teilweisen Abzug der US-Streitkräfte nach wie vor von Strukturproblemen betroffen. Dennoch bleiben die US-Truppen ein bedeutender Standortfaktor – auch wirtschaftlich. Mit dem Komponentenwerk der Opel Automobile GmbH, der Corning GmbH (keramische Substrate/Partikelfilter für Katalysatoren) und der Gebr. Pfeiffer SE (Mühlentechnologien) bleibt die Stadt zugleich ein wichtiger Industriestandort. Wichtige Arbeitgeber im näheren Umfeld sind zudem die Automobilzulieferer BorgWarner Turbo Systems GmbH in Kirchheimbolanden und Adient Components Ltd. & Co. KG in Rockenhausen, die DiHAG Gienanth GmbH Eisenberg als weltweit größter Hersteller für große Motorblöcke sowie die KOB GmbH in Wolfstein als Hersteller von medizinischen Textilien. Zugleich hat sich die Technische Universität Kaiserslautern zusammen mit einem Technologie- und Gründerzentren zu einem relevanten wirtschaftlichen Impulsgeber entwickelt, insbesondere im Bereich der High-Tech- und KI-Unternehmen. Neue Entwicklungsperspektiven ergeben sich zudem durch die Ansiedlung von Fraunhofer-Instituten und Start-ups im PRE-Park. So gibt es seit Jahren intensive Bemühungen, die grundlegenden strukturellen Defizite in der gesamten Westpfalz abzubauen und neue wirtschaftliche Impulse zu setzen.
Stand: Januar 2026
1) Datenquelle: Statistisches Landesamt / E / I. Verarbeitendes Gewerbe sowie Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden – Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten. Bad Ems . ISSN: 1430-5097.
2) Statistisches Bundesamt: Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung in den kreisfreien Städten und Landkreisen der Bundesrepublik Deutschland 1992 und 1994 bis 2023 Reihe 2, Kreisergebnisse Band 1, eigene Berechnungen
2) Statistisches Bundesamt: Bruttoinlandsprodukt, Bruttowertschöpfung in den kreisfreien Städten und Landkreisen der Bundesrepublik Deutschland 1992 und 1994 bis 2023 Reihe 2, Kreisergebnisse Band 1, eigene Berechnungen
