Innovation, Umwelt und Existenzgründung

Krisenmanagement

Einführung

Unternehmenskrisen und Firmenzusammenbrüche gibt es selbst in Zeiten guter Konjunktur. Für die notwendigen Reaktionen im Unternehmen gibt es keine speziellen Rezepte. Ein konkretes Krisenmanagement hängt in der Regel davon ab, in welcher Situation sich ein Unternehmen befindet: Unmittelbar vor dem drohenden Konkurs oder in der Frühphase einer Krise.
Die Unternehmensleitung muss in einem frühen Krisenstadium vor allem strategische Fragen klären. Wenn dies rechtzeitig und konsequent geschieht, kann in der Regel eine Krise abgewendet und bereits in der Frühphase überwunden werden.
Unternehmenskrisen können folgende Ursachen haben: 
  • unternehmerische Fehlentscheidungen
  • ungünstige Finanzierungsstruktur
  • mangelhaftes Förderungsmanagement
  • unzureichendes Controlling
  • Zahlungsausfälle bei Kunden
  • Änderungen auf Absatzmärkten
  • zu späte Anforderung externer Hilfe
  • illoyale Mitarbeiter (geschäftsschädigendes Verhalten, Spekulation oder Betrug)
  • konservativer Patriarch, der betriebswirtschaftliche Instrumente ablehnt

Früherkennung und Krisenvorbeugung

Unternehmenskrisen müssen nicht sein! Alle Risiken können durch eine vernünftige Planung und Betriebsführung entweder weitgehend verringert oder sogar grundsätzlich vermieden werden! Dies setzt aber voraus, dass Sie sich frühzeitig mit Ihren unternehmensspezifischen Risiken auseinandersetzen.
Wenn Sie von einer Unternehmenskrise überrascht werden, können Sie zumeist nur noch reagieren anstatt zu agieren. Ihr Handlungsspielraum wird häufig sehr schnell immer enger. Eine wirklich unvermittelt auftretende Notsituation ist allerdings selten: Die Gefahr schleicht sich bei strukturellen und organisatorischen Krisen bereits lange vor dem Entstehen einer finanziellen Notlage ein. Eine systematische Früherkennung ist deshalb wichtig und bereitet Ihr Unternehmen in einem fortlaufenden Prozess auf die Zukunft vor.
Folgende grundsätzliche Empfehlungen können wir geben:
  1. Organisieren Sie eine kontinuierliche Informationsbeschaffung und -auswertung zu Ihren aktuellen Markt- und Wettbewerbsbedingungen!
  2. Sorgen Sie für eine systematische Unternehmensplanung und deren Umsetzung (Controlling)!
  3. Organisieren Sie eine zeitnahe und aussagekräftige Buchhaltung! Setzen Sie sich mit den Monatsauswertungen auch inhaltlich auseinander. Verschaffen Sie sich durch eine vernünftige Dokumentation einen Überblick über die zeitliche Entwicklung des Umsatzes und der Kosten. Bei verschiedenen Geschäftszweigen sollten Umsätze und Kosten möglichst zugerechnet werden können, damit Sie erkennen können, wie erfolgreich Sie mit welcher Aktivität sind.
  4. Prüfen Sie Ihr Unternehmen immer wieder auf Anzeichen für eine sich andeutende Krise ab, um vorbeugende Maßnahmen einleiten zu können!
Ein Instrument zur Früherkennung von Unternehmenskrisen ist die so genannte "Früherkennungstreppe ", die die zu stellenden Fragen zeitlich nach Früherkennung, Späterkennung und "Sehrspäterkennung" gliedert. Die Treppe steigen Sie sozusagen hinab, bis im Keller die Unternehmenskrise eintritt. Die Fragen, die die
Phase der Sehrspäterkennung kennzeichnen, beziehen sich auf die Wirkungen einer akuten Unternehmenskrise und bilden entsprechend die untersten Stufen der Treppe. Auf der Mitte der Treppe finden Sie die Fragen der Späterkennung, die unmittelbare Indikatoren für eine beginnende Krise aufdecken. Auf dem oberen Teil der Treppe stehen Fragen, die für die Ursachen von Krisen sensibilisieren sollen und zur eigentlichen Früherkennung zählen. Ein Beispiel:
Frage
Ihre Beurteilung:
ja/nein
Phase
Haben Sie neue Geschäftsideen?
Früherkennung
Haben Sie neue Produkte/Dienstleistungen?
Haben Sie genug neue Kunden gewonnen?
Ist Ihr Betriebsergebnis wirklich gut?
Späterkennung
Steigt Ihr Umsatz?
Haben Sie Ihre Kosten wirklich im Griff?
Gibt Ihnen Ihre Bank noch Geld?
Sehrspäterkennung
Reicht Ihr flüssiges Geld noch aus?
Räumen die Lieferanten noch Kredit ein?
Auf dieser Treppe müssen Sie sich laufend nach oben durcharbeiten, möglichst ohne mit nein antworten zu müssen. Wenn Sie im Bereich der "Sehrspäterkennung" mit "nein" antworten müssen, so ist dieses Thema äußerst kritisch. Der Fortbestand Ihres Unternehmens ist gefährdet, so dass einschneidende Veränderungen und eine Sanierung wahrscheinlich unumgänglich sind. Wenn Sie im Bereich der Späterkennung mit "nein" antworten, ist dieses Thema für Sie wichtig. Sie müssen rasch handeln und eine Kurskorrektur durchführen! Wenn Sie im Bereich Führerkennung ein nein geben, so sollte Ihnen dies Anlass geben, Ihre Unternehmensplanung und Ihr Konzept auf die Probe zu stellen.
Die folgenden Kennzahlen sind für eine erfolgreiche Unternehmensleitung wichtig und können ebenfalls als Frühwarn-Indikatorensystem dienen:
  • Eigenkapitalquote = Eigenkapital : BilanzsummeDie Eigenkapitalquote sollte mindestens 10 %, lieber mehr betragen. Der westdeutsche Durchschnitt liegt bei etwa 20 %!
  • Kapitalrückflussquote = Cash-Flow : Bilanzsumme
    Die Kapitalrückflussquote sollte über 4 % liegen. Sie drückt die Ertragskraft des Unternehmens aus und zeigt, welcher Einnahmenüberschuss mit dem eingesetzten Kapital erwirtschaftet werden konnte.
  • Umsatzrendite = Gewinn vor Steuern : Umsatz
    Die Umsatzrendite drückt aus, wie viel Prozent des Umsatzes als Gewinn übrig bleiben und sollte über 1% liegen.
  • Cash-Flow-Marge = Cash-Flow : Umsatz
    Der Cash-Flow, zu deutsch Kassenzufluss, definiert den Einnahmenüberschuss innerhalb eines bestimmten Zeitraums und beschreibt unter anderem die Finanzkraft eines Unternehmens. Der Cash-Flow = Jahresüberschuss + Abschreibungen +/- Erhöhungen oder Verringerungen der langfristigen Rückstellungen. Die Cash-Flow-Marge sollte über 2% liegen
  • Dynamischer Verschuldungsgrad =
    (Verbindlichkeiten - liquide Mittel) : Cash-Flow
    Der dynamische Verschuldungsgrad gilt als Indikator für den Zeitraum, den ein Unternehmen zur Tilgung einer aktuellen Schuld allein aus dem Cash-Flow benötigen würde. Vorausgesetzt, der Cash-Flow wird nur zur Tilgung der Verbindlichkeiten genutzt.

Krisenbewältigung

Für den Weg aus einer Unternehmenskrise gibt es kein spezielles Rezept. Das Krisenmanagement muss sich an der jeweiligen Situation des Unternehmens orientieren. Einzuleitende Maßnahmen hängen davon ab, ob sich Ihr Unternehmen in der Frühphase einer Krise befindet oder ob es unmittelbar vor dem drohenden Konkurs steht.

Handlungsbedarf in der Frühphase einer Unternehmenskrise

Im Frühstadium einer Unternehmenskrise haben Sie die Möglichkeit, die jeweiligen Probleme zu analysieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Die wichtigsten strategischen Aufgaben in einem frühen Krisenstadium werden hier kurz vorgestellt:
  • Aufgabenstrategie
    Es muss anhand einer Kostenstellenrechnung festgestellt werden, welche Produkt- oder Dienstleistungsbereiche den Erfolg des Unternehmens gefährden. In erster Linie sind hiervon veraltete Produktgruppen bzw. Waren aus schrumpfenden Branchen betroffen. Solche Produkte müssen i.d.R. abgestoßen werden. Hierzu werden alle Geschäftsfelder überprüft und zur Disposition gestellt, anschließend werden materielle und personelle Ressourcen überprüft und notwendige Änderungen vorgenommen.
  • Konsolidierungsstrategie
    Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass die "erfolgreichen" Produkte des Unternehmens ihre Position auf den Märkten behaupten. Hierzu ist es u.a. erforderlich, die Kosten zu überprüfen und ggf. zu senken. Gleichzeitig müssen die Wettbewerbsvorteile des Produktes ausgebaut werden.
  • Verdrängungsstrategie
    Um die Kapazitäten in den angestammten Geschäftsfeldern beizubehalten bzw. zu erweitern, ist ein konsequentes Marketing- und Vertriebskonzept wichtig, das die Wettbewerbsvorteile ins richtige Licht rückt und neue Kunden(gruppen) erschließt.
  • Tätigkeitsfelder-Erweiterungsstrategie
    Um die Existenz eines krisengefährdeten Unternehmens zu sichern, sollte die Produktpalette erweitert und neue Märkte damit erschlossen werden. Dies kann auch zu einer Risikodiversifizierung führen.

Sanierung

Wenn sich die Liquiditäts- bzw. die Ertragssituation in Ihrem Unternehmen nicht kurzfristig und anhaltend verbessert, wenn die Kreditmöglichkeiten weitgehend ausgeschöpft sind und dringende Zahlungen anstehen, Ihre besorgte Hausbank vielleicht schon um ein Gespräch gebeten hat, dann ist abzusehen, dass eine Krise in Ihrem Unternehmen andauert. Bei tatsächlicher Insolvenz ist eine grundlegende Sanierung (Turnaround) erforderlich.
Gute Erfolgsaussichten für eine Sanierung bestehen, wenn
  • Sie Ihren Markt und Ihre Wettbewerber gut kennen,
  • Ihre Produkte oder Leistungen nach wie vor gefragt sind,
  • Sie sich auf kompetente, verantwortungsbewusste und motivierte Mitarbeiter stützen können und
  • die Flut Ihrer Probleme noch zu bewältigen ist.
Grundsätzlich ist eine Sanierung eine Angelegenheit für die Unternehmensführung. Bilden Sie ein Sanierungsteam mit Ihren fähigsten Mitarbeitern. Nehmen Sie Kontakt zu Ihrer Industrie- und Handelskammer und danach zu einem Unternehmensberater und Sanierungs-Experten auf! Das erste Beratungsgespräch ist meistens kostenlos und hilft Ihnen, Ihre Probleme objektiv zu analysieren und ihnen professionell zu begegnen. Unternehmensberatungen können unter bestimmten Umständen öffentlich bezuschusst werden.

Sofortmaßnahmen

Sofortmaßnahmen können helfen, eine drohende Illiquidität zu vermeiden und Zeit zu gewinnen, um die Sanierung zu planen
  • Bringen Sie eine Bareinlage in Ihr Unternehmen ein! Möglicherweise ist es Ihnen möglich einen stillen Gesellschafter einzuwerben oder bestehende Beteiligungen zu erhöhen.
  • Verkaufen Sie Betriebsvermögen, das nicht unbedingt benötigt wird! Dabei gibt es bei Immobilien z.B. auch so genannte Sale-and-lease-back-Lösungen.
  • Treiben Sie ausstehende Forderungen ein und nutzen Sie dafür ggf. auch Inkasso-Firmen! Verkürzen Sie die Zahlungsziele! Schaffen Sie ggf. Anreize für schnelle Zahlungen (Rabatte)!
  • Zögern Sie Ihre Zahlungen so lange wie möglich hinaus!
Mit Sofortmaßnahmen schaffen Sie sich zunächst einmal Zeit, um sich den folgenden Aufgaben der Sanierung widmen zu können.

Kurzfristiges Ziel: Liquiditätsverbesserung

  • Bitten Sie Ihr Kreditinstitut und Ihre Lieferanten um etwas Geduld! Sprechen Sie offen mit Ihnen über Ihre Situation! Schaffen Sie dabei Vertrauen!
  • Versuchen Sie mit Ihrem Kreditinstitut einen günstigeren Kreditrahmen auszuhandeln, was allerdings bestenfalls bei Vorlage eines aussichtsreichen Sanierungskonzeptes möglich sein dürfte.
  • Beantragen Sie ggf. ein Liquiditätssicherungsdarlehen, z.B. bei der KfW-Bank (www.kfw.de). Auf diese Weise können Aufträge vorfinanziert oder Mittel für bestimmte Umstrukturierungsmaßnahmen akquiriert werden. Da diese Mittel stets über die Hausbank laufen, darf das Verhältnis zu Ihrem Kreditinstitut noch nicht zerrüttet sein.
  • Treten Sie Ihre Forderungen ggf. an ein Factoring-Unternehmen ab! Dies setzt allerdings eine bestimmte Forderungsstruktur und einen bestimmten recht hohen Forderungsumfang voraus.
  • Besprechen Sie die Situation ggf. mit den Mitarbeitern. Besteht die Bereitschaft, bei den Gehältern Zugeständnisse zu machen? Würde die Verzögerung von Gehaltszahlungen akzeptiert?
Achtung! Vernachlässigen Sie bei einer Entspannung der Lage nicht die langfristige Sicherung des Unternehmens!

Mittelfristiges Ziel: Stabilisierung des Unternehmens

  • Überprüfen Sie Ihr Unternehmenskonzept und passen Sie es ggf. den Marktgegebenheiten an!
  • Passen Sie Ihre Kosten der Unternehmenssituation an!
  • Sorgen Sie für eine effektivere Organisation des Unternehmens!
  • Bauen Sie ein effizientes Mahnwesen auf!
  • Zahlen Sie Ihre Mitarbeiter leistungsbezogen!

Langfristiges Ziel: Möglichkeiten zur Stärkung des Unternehmens

  • Ändern Sie die Unternehmens-Rechtsform!
  • Suchen Sie neue Gesellschafter!
  • Gliedern Sie Unternehmensteile aus oder legen Sie bisher getrennte Unternehmensteile zusammen!
  • Suchen Sie einen günstigeren Standort!
  • Entwickeln Sie neue Produkte, Programme, Sortimente!
  • Erschließen Sie neue Märkte!
  • Führen Sie moderne Produktionstechnologien ein, die langfristig Kosten einsparen!
  • Treffen Sie make or buy-Entscheidungen (selbst produzieren oder dazu kaufen)!

Fehler und Probleme bei der Sanierung

  • Einstellung, die Sanierung habe ohnehin keine Aussicht auf Erfolg, so dass Sanierungsstrategien nicht entschlossen verfolgt werden
  • Sofortmaßnahmen ohne strategisches Konzept
  • Sanierungsmaßnahmen werden nicht komplett umgesetzt: Erste Maßnahmen führen zu Anfangserfolgen und entspannen vermeintlich die Situation. Die langfristige Sicherung tritt in den Hintergrund.
  • Zu geringer Personalabbau oder die Entlassung von Mitarbeitern auf wichtigen Schlüsselpositionen führen nur zu kurzfristigen Erfolgen.
  • Der einseitige Abbau von verlustbringenden Tätigkeiten führt meist nicht zur Überwindung der Krise. Der Ausbau zukünftig profitabler Bereiche wird vernachlässigt.
  • Befürchtungen und Ängste des Personals führen häufig zum Boykott von Sanierungsmaßnahmen. Ursache hierfür sind meist Informationsdefizite.

IHK-Checkliste zur Krisenbewältigung

Auf Basis einer dezidierten Checkliste sollen die Unternehmen dabei unterstützt werden, Schwachstellen, Risiken aber auch Chancen im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe zu erkennen und die aktuelle betriebliche Situation besser einschätzen und bewerten zu können.
Die zusammengetragenen Informationen und gewonnenen Erkenntnisse können nahtlos dazu genutzt werden, eine externe Fachberatung fundiert vorzubereiten und so schnellstmöglich strategische Weichen ggfs. neu zu stellen.

Beratungsförderung

Das Beratungsprogramm " Förderung unternehmerischen Know-hows" bezuschusst Unternehmensberatungen von Unternehmen in Schwierigkeiten.
Gefördert werden Unternehmenssicherungsberatungen zu Fragen zur Wiederherstellung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit. Der Zuschuss beträgt 90% der Bemessungsgrundlage in Höhe von 3.000 Euro (= maximaler Zuschussbetrag: 2.700 Euro). Für detaillierte Informationen klicken Sie hier.
Die IHK informiert über die Instrumente zur Früherkennung von Unternehmenskrisen, auf welchen Wegen Sie Ihren Betrieb aus einer Schieflage herausführen können und mittelfristig wieder auf einen stabilen Kurs steuern.
Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:
  • Steffen Blaga
    IHK-Starterzentrum Ludwigshafen-Vorderpfalz
    Tel. 0621 5904-2100, steffen.blaga@pfalz.ihk24.de
    für die Städte Frankenthal, Ludwigshafen, Neustadt/Weinstraße, Speyer, den Landkreisen Bad Dürkheim und Rhein-Pfalz-Kreis
  • Michael Schaum
    IHK-Starterzentrum Kaiserslautern-Nordwestpfalz
    Tel. 0631 41448-2700, michael.schaum@pfalz.ihk24.de
    für die Stadt Kaiserslautern, die Landkreise Donnersberg, Kaiserslautern und Kusel
  • Thorsten Tschirner
    IHK-Starterzentrum Landau-Südpfalz
    Tel. 06341 971-2511, thorsten.tschirner@pfalz.ihk24.de
    für die Stadt Landau, die Landkreise Germersheim und Südliche Weinstraße
  • Aleksandr Jordan
    IHK-Starterzentrum Pirmasens-Südwestpfalz
    Tel. 06331 523-2616, aleksandr.jordan@pfalz.ihk24.de
    für die Städte Pirmasens und Zweibrücken, den Landkreis Südwestpfalz