Innovation, Umwelt und Existenzgründung

Steuerliche Zahlungsverpflichtungen einplanen

Für die Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuererklärungen des Abrechnungszeitraums 2021 endet die Abgabefrist am 31. Juli 2022. Bei bewilligter Fristverlängerung oder Abgabe der Erklärungen durch einen Steuerberater ist eine spätere Abgabe zulässig. Eine möglichst späte Abgabe der Einkommen- und Gewerbesteuererklärung kann Liquiditätsvorteile bringen, wenn mit einer Steuernachzahlung zu rechnen ist.
Aber sie birgt auch folgendes Risiko: Die Festsetzung des Finanzamtes über die Steuernachzahlung für das erklärte Wirtschaftsjahr dient auch als Grundlage für die Festsetzung von Steuervorauszahlungen für das laufende Jahr. Da Selbständige nicht wie Arbeitnehmer einem laufenden Steuerabzug unterliegen, müssen sie bereits im laufenden Jahr regelmäßige Steuervorauszahlungen leisten. Hier liegt für Existenzgründer eine große Gefahr: Da bei ihnen zu Beginn der Selbständigkeit oft nur mit einem kleinen Gewinn gerechnet wird, werden meist keine oder nur geringe Steuervorauszahlungen festgelegt. Sind die Geschäfte dann gut gelaufen, fordert das Finanzamt nicht nur die Steuer für das abgelaufene Wirtschaftsjahr auf einen Schlag, sondern setzt gleichzeitig noch Vorauszahlungen für das laufende Wirtschaftsjahr fest, die sich am Gewinn des letzten Jahres orientieren. Die Vorauszahlungen sind meist ab dem ersten Quartal des betreffenden Jahres zu leisten. Erfolgt ihre Festsetzung später, kann das Finanzamt die Zahlung der Beträge für bereits abgelaufene Quartale kurzfristig von ihnen fordern. Finanzielle Engpässe lassen sich nur vermeiden, indem sie ihre Gewinnentwicklung genau im Auge behalten und auch frühzeitig Beträge für ihre Steuerzahlungen beiseite legen.
Bitte beachten Sie auch, dass seit Verlängerung der Abgabefrist das Finanzamt bei verspäteter Abgabe der Steuererklärung härter vorgeht. Bis zur Einkommensteuererklärung 2017 lag der Verspätungszuschlag im Ermessen des jeweiligen Finanzbeamten. Nun werden bei Verspätungen für jeden angefangenen Monat 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer, mindestens jedoch 25 Euro pro Monat als Strafe fällig. Maximal sind 25.000 Euro möglich. Die Strafe wird automatisch im Steuerbescheid zur Steuerschuld hinzugerechnet – oder aber vom Erstattungsbetrag abgezogen. Weitere Sanktionen, wie Zinsen, Schätzungen der Steuerschuld oder Zwangsgeld, sind möglich. Muss der Steuerpflichtige keine Steuer nachzahlen oder bekommt er sogar eine Steuererstattung, kann der Finanzbeamte auf den Verspätungszuschlag verzichten.
Noch ein Hinweis: Bei der Umsatzsteuer ist mit Abgabe der Umsatzsteuererklärung auch die selbst ermittelte Abschlusszahlung an die Finanzkasse zu überweisen. Geschieht dies nicht, werden automatisch Mahngebühren fällig.

Verlängerung der Abgabefristen für Steuererklärungen des Jahres 2020 angesichts der weiterhin andauernden, durch die Corona-Pandemie verursachte Ausnahmesituation

Angesichts der weiterhin andauernden, durch die Corona-Pandemie verursachten Ausnahme­situation hat der Gesetzgeber mit dem ATAD-Umsetzungsgesetz vom 25. Juni 2021 (BGBl. I S. 2035) die Erklärungsfristen in beratenen wie in nicht beratenen Fällen (§ 149 Absatz 2 und 3 AO) sowie die zinsfreien Karenzzeiten (§ 233a Absatz 2 Satz 1 und 2 AO) für den Besteuerungszeitraum 2020 um drei Monate verlängert (Artikel 97 § 36 Absatz 3 EGAO).
Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat mit Schreiben vom 20. Juli 2021 weitere Detailregelungen zur Verlängerung der Steuererklärungsfristen und der zinsfreien Karenzzeit für den Besteuerungszeitraum 2020 veröffentlicht. Das BMF-Schreiben finden Sie hier.
Aufgenommen wurde eine dreimonatige Verlängerung der Abgabefrist für Steuererklärungen des Veranlagungszeitraumes 2020, die sowohl von Steuerpflichtigen selbst (Fristende 31. Oktober 2020) als auch durch Angehörige der steuerberatenden Berufe (Fristende 31. Mai 2021) erstellt werden.
Auch die besonderen Abgabefristen für Steuerpflichtige mit Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft verlängern sich um drei Monate.
Parallel wird die Karenzzeit zur Verschonung von Verzugszinsen auf Steuerschulden um drei Monate ausgeweitet und geregelt, dass auch Verspätungszuschläge erst nach 17 (statt 14 Monaten) nach Ablauf des Kalenderjahres 2020 festgesetzt werden.
 
Hintergrund sind die Belastungen in der Corona-Pandemie für Unternehmen, Bürger/innen und  Angehörige der steuerberatenden Berufe – letztere hatten bereits im Februar 2021 einen Aufschub um 6 Monate für den Veranlagungszeitraum 2019 erhalten. Bislang galt, dass Steuer- und Feststellungserklärungen grundsätzlich („unberatene Fälle“) bis 31. Juli 2021, also sieben Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, abzugeben sind (§ 149 Abs. 2 Satz 1 AO). Für 2020 gilt nun eine längere Frist (vgl. § 108 Abs. 3 AO) bis zum 31. Oktober 2020. In sog. „beratenen Fällen“ ist eine Abgabe grundsätzlich bis zum letzten Tag des Monats Februar möglich (neu: 31. Mai 2022 für Erklärungen 2020).
 
Mit dem neuen BMF-Schreiben vom 20. Juli 2021 werden Anwendungsfragen aufgegriffen:
U. a. wird bestimmt, dass die gesetzlichen Fristverlängerungen von Amts wegen zu beachten sind und ein Antrag des Steuerpflichtigen entbehrlich ist.
In nicht-beratenen Fällen bleibt die Möglichkeit unberührt, über die gesetzliche Verlängerung hinaus eine weitergehende Fristverlängerung zu beantragen bzw. zu gewähren. In beratenen Fällen hingegen gilt dies nur dann, wenn der Steuerpflichtige und sein Vertreter nachweislich ohne Verschulden verhindert waren, die Erklärungsfrist einzuhalten.
In letzteren Fällen kann auch weiterhin von der sog. Vorabanforderung Gebrauch gemacht werden.
 
In Bezug auf die verlängerte zinsfreie Karenzzeit gilt die gesetzliche Verlängerung gleichermaßen für Nachzahlungs- wie für Erstattungszinsen und ist nicht auf beratene Fälle beschränkt.