Innovation, Umwelt und Existenzgründung
Venture Capital
Venture Capital kann auch als Wagnis- oder Risikokapital übersetzt werden. Es wird kapitalsuchenden Unternehmen längerfristig als haftendes bzw. wirtschaftliches Eigenkapital gewährt. Dabei kann grundsätzlich zwischen einer stillen und einer offenen Beteiligung unterschieden werden. Eine offene Beteiligung führt anders als das Bankdarlehen nicht zu einer laufenden Verzinsung/Tilgung des Engagements und wird ohne Inanspruchnahme banküblicher Sicherheiten ausgezahlt. Als Gegenleistung erhält der Venture Capital-Geber Gesellschafteranteile. Bei einer stillen Beteiligung gibt der Eigenkapitalgeber ein Darlehen an die Gesellschaft, das nicht besichert werden muss. Dadurch erhält das Darlehen Eigenkapitalcharakter. Bei beiden Beteiligungsformen wird die Einlage üblicherweise am Ende des Beteiligungszentraums (meist 5-7 Jahre) durch Veräußerung der Gesellschafteranteile zurückgeführt.
Ziel einer Venture Capital-Finanzierung ist es, eine möglichst hohe Wertsteigerung des Unternehmens zu erzielen. Daher werden solche Finanzierungen überwiegend in Wachstums- und Hochtechnologiebranchen eingesetzt. Das Leistungsspektrum von Venture Capital-Gebern umfasst neben der Finanzierung oft Beratungsleistungen und aktive Managementunterstützung. Venture Capital wird in unterschiedlichen Beteiligungsphasen eingesetzt:
- In der Frühphasenfinanzierung wird Venture Capital zur Umsetzung einer Geschäftsidee in marktgängige Produkte und Dienstleistungen bereitgestellt. Viele Venture Capital-Geber vermeiden solche Engagements, da die Geschäftskonzepte meist wenig ausgereift sind.
- In der Expansionsphasenfinanzierung wird Venture Capital typischerweise zur Erweiterung des Produktions- und Vertriebssystems oder zur Stärkung der Marktdurchdringung in Anspruch genommen.
- Dazu existieren besondere Finanzierungsanlässe wie Umstrukturierung, Management-Buy-Outs sowie zur Finanzierung der Unternehmensnachfolge.
Mehrere Institutionen bieten Venture Capital an:
- Öffentliche Investoren, die sich insbesondere als Mitinvestoren unter Fördergesichtspunkten beteiligen, z.B. Venture Capital Tochtergesellschaften der Kreditanstalt für Wiederaufbau
- Private Venture Capital-Gesellschaften, die sich eigenständig finanzieren, auch Unternehmensbeteiligungsgesellschaften von Banken und Versicherungen
- Inkubatoren, die sich darauf spezialisiert haben, in der Frühgründungsphase nicht nur Startkapital sondern auch Unterstützungsleistungen anzubieten
- Business Angel als Privatinvestoren, die neben der finanziellen Unterstützung auch als Mentoren zur Verfügung stehen
- Corporate Venture-Partner, die überwiegend aus unternehmensstrategischen Aspekten Wachstumskapital zur Verfügung stellen.
Zahlreiche Venture Capital-Geber in Deutschland sind im Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften organisiert. Bei der Auswahl eines Eigenkapitalgebers sollte nicht in erster Linie entscheidend sein, wer am meisten Kapital zur Verfügung stellt, sondern wer den größten Wert für das Unternehmen schaffen kann.
