Infrastruktur und Digitale Wirtschaft

IHK-Konjunkturberichte

Zur kurzfristigen Ermittlung von konjunkturellen Trends führt die IHK Pfalz dreimal jährlich eine Umfrage über Lage und Erwartungen der pfälzischen Wirtschaft durch. Neben einem eigenen Pfalz-Konjunkturbericht zum Jahresbeginn, im Frühsommer und im Herbst, gehen die Ergebnisse dieser Umfragen in den Konjunkturbericht der Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern, in das Herbstgutachten des Sachverständigenrates und in die Konjunkturberichte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ein. In die Umfrage werden regelmäßig rund 1.400 pfälzische Firmen aus den Bereichen Industrie, Einzel- und Großhandel, Gastgewerbe sowie aus dem Dienstleistungssektor einbezogen. Den Bericht finden Sie als pdf-Dokument unter weitere Infformationen.
Die aktuellen Ergebnisse zusammengefasst:

Allgemeine Wirtschaftslage im Frühsommer 2022

Giftiges Gebräu

Da braut sich etwas zusammen, das sich als toxisch für die Konjunktur erweisen könnte. Mit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine haben sich die Prognosen für einen kräftigen postpandemischen Aufschwung als hinfällig erwiesen und alle Hoffnungen hierauf regelrecht pulverisiert. Nach mehr als zwei Jahren Pandemie kommt nun durch den Krieg eine neue und zugleich schwere Belastung für die Wirtschaft hinzu, die die Nachholeffekte nicht nur unsanft ausbremst, sondern zu einem großen Teil zunichtemacht. Hartnäckige Materialengpässe sorgen weiterhin für spürbare Störungen der Lieferketten und hohe Energie- und Rohstoffpreise bringen manch ein Unternehmen in starke Bedrängnis. Durch die strikte Befolgung seiner Null-Covid-Strategie fällt nun auch China zunehmend als wichtiger Lieferant von Rohstoffen und Vorprodukten aus. Sollte die Europäische Union darüber hinaus einen weitreichenden Importstopp auf russische Energie verhängen oder Russland die Lieferungen von sich aus stoppen, dürfte das die Wirtschaftsleistung empfindlich treffen und einen konjunkturellen Abwärtsstrudel auslösen. Diese Bedrohung bleibt auch nicht ohne Folgen für die Konsumlaune der Verbraucher, die angesichts der stark ansteigenden Preise in den wichtigen Lebensbereichen Energie und Lebensmittel einen deutlichen Dämpfer erhält. Vor dem Hintergrund dessen, dass über alle Branchen hinweg die meisten Unternehmen ihre Preise bereits erhöht haben oder dies in naher Zukunft beabsichtigen, wird sich hieran mittelfristig wenig ändern. Hinzu kommt der Fachkräftemangel – ein Problem, mit dem sich die Unternehmen seit Jahren herumschlagen. So droht das Szenario einer anhaltenden Lohn-Preis-Spirale bei hartnäckiger Stagflation oder gar Rezession.
Einen regelrechten Absturz verzeichnet demnach auch der Klimaindex: Erstmals seit genau zwei Jahren - auf dem Höhepunkt der Pandemie mit einem umfassenden Lockdown - liegt er in allen drei Wirtschaftsbereichen unter der magischen Grenze von 100 Punkten. Dies ist der Wert, an dem die Betriebe sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre geschäftlichen Aussichten überwiegend als befriedigend einstufen. Dabei erreicht der Klimaindex im Handel nur noch einen Wert von 71 Punkten – so niedrig wie vor einem Jahr inmitten der Pandemie. Die Klimaindizes von Industrie, Dienstleistungen und Gastgewerbe erreichen zum jetzigen Zeitpunkt zumindest noch Werte über 90 Punkte.
So wird das aktuelle Geschäftsklima in allen Branchen deutlich schwächer eingestuft als noch zu Jahresbeginn. Inzwischen spricht ein Fünftel der Unternehmen von einer schlechten Situation. Hiervon betroffen sind insbesondere Betriebe aus Handel und Gastgewerbe, die seit Beginn der Pandemie trotz zeitweiliger Umsatzsteigerungen im Konjunkturtief verharren. Auch wenn das Thema Corona zur Zeit etwas in den Hintergrund tritt, rechnet nunmehr kaum ein Betrieb noch mit einem nachhaltigen Wachstumsschub in den nächsten zwölf Monaten, sondern allenfalls mit einer Fortsetzung des derzeitigen Trends. Zugleich haben die Stimmen massiv zugenommen, die von einer starken Abkühlung der Konjunktur in den nächsten Monaten ausgehen. Es sind vor allem Industriebetriebe und Händler, die mit großem Pessimismus auf ihre geschäftliche Zukunft blicken. Die Exporte werden aller Voraussicht nach in den nächsten Monaten ebenfalls spürbar an Dynamik einbüßen: Knapp vier von zehn Exportbetrieben rechnen mit einer rückläufigen Entwicklung ihres Auslandsgeschäfts. Ähnliches gilt im Hinblick auf die Investitionsbereitschaft der Betriebe: Diese haben bisher nur zögerlich ihre Zurückhaltung aufgegeben und schränken sie nun wieder zum Teil ein. Die Signale, die vom Arbeitsmarkt ausgehen, sind uneinheitlich und unterscheiden sich in Abhängigkeit der jeweiligen Branche: Während die Antworten aus der Industrie nach wie vor eine leichte Einstellungsbereitschaft signalisieren, stehen die Zeichen in den übrigen Branchen tendenziell auf Personalabbau.
Legende: I = Jahresbeginn, II = Frühsommer, III = Herbst
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Weitere Konjunkturberichte

Zusätzlich veröffentlichen die vier Industrie- und Handelskammern in Rheinland-Pfalz einen gemeinsamen konjunkturelle Einchätzung für das Land Rheinland-Pfalz. Darüber hinaus  veröffentlichen die Industrie- und Handelskammern in der Metropolregion Rhein-Neckar einmal jährlich und zwar zum Jahresbeginn einen gemeinsamen Konjunkturbericht. Konjunkturberichte des DIHK zur bundesweiten Konjunkturentwicklung gibt es dreimal jährlich.

Ältere Konjunkturberichte können Sie anfordern über thomas.schmitz@pfalz.ihk24.de.
Stand: Mai 2022