6,5 Millionen Euro Investition in IHK-Akademie
Die Vollversammlung stellte den Jahresabschluss 2025 einstimmig fest. Zuvor hatten die Wirtschaftsprüfer sowie die ehrenamtlichen Rechnungsprüfer Charlotte Helzle und Selcuk Özer ihre Berichte vorgelegt. Beanstandungen gab es keine.
Vollversammlung berät über Wirtschaft und Jahresabschluss
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd, gleichzeitig zeigt sich die Region Ostwürttemberg widerstandsfähig und zukunftsorientiert. Dieses Fazit zog die Vollversammlung der IHK Ostwürttemberg am 15. Juli 2026 in Heidenheim. Im Mittelpunkt standen die aktuelle Lage der regionalen Wirtschaft, die politischen Entwicklungen auf Landes-, Bundes- und Europaebene sowie die Feststellung des Jahresabschlusses 2025. Zuvor informierten sich die Mitglieder bei einer Baustellenbesichtigung über den Fortschritt beim Bau der neuen IHK-Akademie am Standort Heidenheim.
Wirtschaft zwischen Resilienz und wachsenden Belastungen
IHK-Präsident Markus Maier bewertete die jüngsten Beschlüsse des Koalitionsausschusses differenziert. Positiv seien die geplanten Schritte zum Bürokratieabbau wie die Reduzierung von Berichtspflichten und die Genehmigungsfiktion nach vier Monaten behördlicher Bearbeitung. Kritisch sieht die Wirtschaft dagegen das Ausbleiben weiterer Reformen.
„Enttäuschend ist das Fehlen der Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Gerade für unsere mittelständischen Unternehmen wären Beschlüsse dazu ein echter Hebel gewesen. Und: Arbeitskosten und Abgabenlasten bleiben auf hohem Niveau“,
sagte Maier.
Mit Blick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit warnte der IHK-Präsident vor einer zunehmenden Konzentration wirtschaftlicher Macht bei wenigen globalen Konzernen.
„Wenn wir uns als Baden-Württemberg, Deutschland und Europäische Union weiter als relevante Akteure behaupten wollen, sollten wir das typisch deutsche ‚Klein-Klein‘ endgültig hinter uns lassen. Meine Sorge bezüglich der weltweiten Wirtschaftsmacht von Konzernen ist maximal groß“,
betonte Maier.
Gleichzeitig machte er deutlich, dass Ostwürttemberg im Vergleich zu vielen anderen Regionen weiterhin robust aufgestellt ist. Die Zahl der Gewerbeanmeldungen steigt, die Gründungsintensität hat den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht.
„Ostwürttemberg steht unter Druck, ist aber widerstandsfähig, gründungsstark und zukunftsorientiert unterwegs“,
so der IHK-Präsident.
Neben den wirtschaftspolitischen Herausforderungen verwies Markus Maier auch auf konkrete Projekte zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Besonders hervor hob er das Projekt „WeMentor“, bei dem drei durch den Bund geförderte Stellen für zunächst drei Jahre geschaffen wurden. Das Projekt unterstützt Unternehmen dabei, sogenannte Weiterbildungslotsen zu etablieren, die Qualifizierungsbedarfe erkennen und Weiterbildungsangebote koordinieren.
„Ziel ist, die Weiterbildungsstruktur im Unternehmen nachhaltig zu stärken“,
sagte der IHK-Präsident.
Angesichts des technologischen Wandels und der Transformation der Arbeitswelt kommt kontinuierlicher Weiterbildung eine immer größere Bedeutung zu.
Auch in der Aussprache der Vollversammlungsmitglieder zeigte sich ein differenziertes Bild. Zwar sorgen der Iran-Konflikt, steigende Energiepreise, hohe Rohstoffkosten und zunehmende Regulierungen für Unsicherheit. Gleichzeitig berichteten zahlreiche Unternehmen von einer weiterhin stabilen Geschäftslage. Deutlich wurden jedoch die Belastungen durch hohe Energiekosten, den Fachkräftemangel, knappe Transportkapazitäten und neue rechtliche Anforderungen kritisiert.
Politik braucht die Stimme der Praxis
IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler berichtete über die politischen Aktivitäten der IHK auf Landes-, Bundes- und Europaebene. Die IHK bringe die Anliegen der Unternehmen aktiv in politische Entscheidungsprozesse ein und suche den Dialog mit den Verantwortlichen in Ministerien, Parlamenten und Behörden.
„Wir erleben ein Spannungsfeld zwischen wichtigen Zukunftsthemen und den Herausforderungen, die Unternehmen täglich bewältigen müssen. Unsere Aufgabe ist es, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammenzubringen und konstruktive Lösungen zu entwickeln“,
sagte Rentschler.
Schwerpunkte der politischen Arbeit sind derzeit Infrastruktur- und Verkehrsprojekte, Wohnungsbau sowie die Stärkung des Wirtschaftsstandorts Ostwürttemberg. Besonders beim Thema Mitarbeiterwohnen sei die Region inzwischen bundesweit ein gefragter Ansprechpartner.
„Wir werden inzwischen auf Podien eingeladen, um unsere Erfahrungen weiterzugeben. Das zeigt, dass unsere Ansätze wahrgenommen werden und Wirkung entfalten“,
so Rentschler.
Positiv bewertete er zudem die Gespräche mit Vertretern des Staatsministeriums. Ostwürttemberg habe gute Chancen, als Modellregion für innovative Ansätze wahrgenommen zu werden.
„Die Landesregierung benötigt quirlige Regionen wie uns. Das macht Mut.“
Als Erfolgsmodell bezeichnete Rentschler die Zukunftsoffensive Ostwürttemberg. Sie zeige beispielhaft, wie Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gemeinsam Zukunftsthemen konstruktiv voranbringen können.
„Die Zukunftsoffensive ist eine Blaupause für modernes, kooperatives Handeln über Organisations- und Kreisgrenzen hinweg.“
Solide Finanzen schaffen Handlungsspielräume
Die Vollversammlung stellte den Jahresabschluss 2025 einstimmig fest. Zuvor hatten die Wirtschaftsprüfer sowie die ehrenamtlichen Rechnungsprüfer Charlotte Helzle und Selcuk Özer ihre Berichte vorgelegt. Beanstandungen gab es keine.
Die IHK Ostwürttemberg schloss das Geschäftsjahr mit einem positiven Ergebnis ab. Wesentliche Faktoren waren mehrere Sondereffekte, darunter die gute wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre.
„Die langfristig positive Entwicklung ermöglicht eine weitere Entlastung unserer Mitgliedsunternehmen in den kommenden Jahren“,
erläuterte Carina Kraus, Leiterin Kaufmännische Dienste.
Rentschler verwies darauf, dass die IHK ihre Unternehmen inzwischen im sechsten Jahr in Folge mit Beitragssenkungen helfen könne.
„Die grundsolide Arbeit der vergangenen Jahre hilft uns, Zukunftsinvestitionen zu stemmen, den Anbau zu finanzieren und gleichzeitig die Mitgliedsunternehmen zu entlasten.“
IHK-Akademie in Heidenheim liegt im Zeit- und Kostenplan
Vor Beginn der Sitzung besichtigten die Mitglieder der Vollversammlung den Neubau am Standort Heidenheim. Zum Januar 2027 sollen die neuen Räume bezogen werden.
„Unser Anbau schafft die notwendigen räumlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen, um den Anforderungen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung gerecht zu werden. Die Kostenentwicklung des Projekts stellt sich aktuell sehr positiv dar“,
sagte IHK-Präsident Markus Maier.
Architekt Christoph Baur von der AGW Architektengruppe Wittmann informierte die Mitglieder über den aktuellen Baufortschritt und die nächsten Projektphasen.
Brüssel-Kontakte werden weiter ausgebaut
Die Vollversammlung blickte außerdem auf die Delegationsreise nach Brüssel Ende März zurück. In insgesamt 17 Gesprächen mit Vertretern der EU-Kommission und des Europäischen Parlaments wurden wirtschaftspolitische Anliegen der Region eingebracht.
„Wichtig ist: Das war kein einmaliger Termin und kein Strohfeuer. Die geknüpften Kontakte werden aktiv gepflegt und kontinuierlich weiterentwickelt“,
betonte Maier.
Mit Blick auf die neue Landesregierung zeigte er sich vorsichtig optimistisch. Positiv sei, dass zentrale Themen der Wirtschaft wie die Förderung von MINT-Kompetenzen und die Flächenentwicklung Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden hätten.
MINT-Strategie zeigt erste Erfolge
Über die Fortschritte der regionalen MINT-Strategie informierte anschließend IHK-Hauptgeschäftsführer Thilo Rentschler. Nachdem beim MINT-Forum im Mai eine gemeinsame Erklärung aller wichtigen Akteure unterzeichnet wurde, seien bereits erste Maßnahmen erfolgreich auf den Weg gebracht worden. Sein Appell an die Region lautete:
„Aufstehen und dafür kämpfen.“
Informationen zur IHK-Wahl
Die IHK-Wahlen zur Vollversammlung sind derzeit mitten in ihren abschließenden Vorarbeiten. Aktuell läuft die Überprüfung der Wählerlisten. Der Wahlausschuss hatte das Ende der Möglichkeit zur Einreichung von Wahlvorschlägen auf den 23. Juli 2026 festgelegt. Die eigentliche Wahl läuft dann bis zum 23. Oktober. Die Wahl wird als Briefwahl durchgeführt.
In der Sitzung der Vollversammlung konnte IHK-Präsident Markus Maier berichten, dass viele Mitglieder des Gremiums sich erneut um einen Sitz bewerben werden. Diese Aussage gelte auch für die Mitglieder des Präsidiums, sechs der sieben Präsidiumsmitglieder werden erneut kandidieren. Markus Maier weiter:
In der Sitzung der Vollversammlung konnte IHK-Präsident Markus Maier berichten, dass viele Mitglieder des Gremiums sich erneut um einen Sitz bewerben werden. Diese Aussage gelte auch für die Mitglieder des Präsidiums, sechs der sieben Präsidiumsmitglieder werden erneut kandidieren. Markus Maier weiter:
„Das sagt viel über die Akzeptanz und die Qualität unserer gemeinsamen Arbeit aus.“
Er kündigte an, dass nach neun Jahren im Amt des Präsidenten und 26 Jahren in der Vollversammlung für ihn nun der richtige Zeitpunkt gekommen sei, die Verantwortung weiterzugeben.
Weitere Infos zur Vollversammlungswahl finden Sie auf unserer IHK-Wahlseite.
Telefonische Auskünfte erteilt die IHK Ostwürttemberg unter 07321 324-121.
Telefonische Auskünfte erteilt die IHK Ostwürttemberg unter 07321 324-121.
