Verkehr
Bahnprojekt Bielefeld - Hannover
Der Bahnstrecke zwischen Bielefeld und Hannover ist seit Jahrzehnten ein Flaschenhals im deutschen Schienennetz. Besonders auf dem Abschnitt zwischen Minden und Hannover sorgt der unzureichende Ausbau für Einschränkungen. Die IHK Ostwestfalen setzt sich deshalb mit klaren Positionen für mehr Kapazität, kürzere Fahrzeiten und eine bessere Verzahnung von Personen- und Güterverkehr ein.
Bedeutung für den Deutschlandtakt
Im Rahmen der Planungen zum Integralen Taktfahrplan („Deutschlandtakt“) rückt dieser Abschnitt erneut bundesweit in den Fokus. Ein leistungsfähiger Ausbau ist Voraussetzung, um die ehrgeizigen Ziele für mehr Kapazität, kürzere Fahrzeiten und eine bessere Verzahnung von Nah-, Fern- und Güterverkehr zu erreichen.
Position der IHK Ostwestfalen
Die Vollversammlung der IHK Ostwestfalen hat am 05. Juni 2023 ein Positionspapier speziell zum Bahnprojekt Hannover – Bielefeld verabschiedet. Darin fordert die IHK, die Strecke schnellstmöglich auszubauen, um die Wettbewerbsfähigkeit der international ausgerichteten Wirtschaft in Ostwestfalen zu sichern.
Auch im Positionspapier „Infrastruktur und Mobilität in Ostwestfalen – Herausforderungen und Chancen“ (2024) (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 578 KB) betont die IHK:
- Stärkung von Personennah- und Fernverkehr sowie des Schienengüterverkehrs
- Beseitigung des Engpasses Minden – Hannover
- Verbesserung der Standortqualität für Unternehmen und Beschäftigte
Einbindung der Wirtschaft in die Planung
Um die Trassenplanung möglichst verträglich für Gewerbegebiete zu gestalten, stellt die IHK Ostwestfalen der Deutschen Bahn geografische Standortinformationen bereit. Unternehmensdaten werden dabei nicht weitergegeben. Grundlage für diese Datenübermittlung ist Art. 6 Abs. 1 lit. e DSGVO i. V. m. § 3 DSG NRW und § 1 IHKG.
Reduzierung der Trassenvarianten
Im Dezember 2025 informiert das Bahnprojekt Hannover – Bielefeld, dass die bisherigen zwölf Trassen-Korridorvarianten auf zwei reduziert werden: V3 und V4. Diese beiden haben sich in der Prüfung nach 196 Kriterien (u.a. Umwelt, Raum, Technik, Kosten) als die geeignetsten herauskristallisiert.
Dieser Schritt zeigt, dass es sich nicht um eine willkürliche Auswahl handelt, sondern um eine sorgfältige Abwägung mit klaren Maßstäben — ein entscheidender Fortschritt im Planungsdialog.
Für die IHK ist nun zentral, dass bei der weiteren Bewertung auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen und regionale Standortinteressen berücksichtigt werden — damit die Strecke nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich tragfähig und nachhaltig in die Region eingebettet ist.
Insbesondere sollte der Planungsprozess genutzt werden, um mögliche betroffene Gewerbe- oder Logistikstandorte zu schützen oder neue wirtschaftsfreundliche Flächen konsequent einzuplanen. Dabei steht eine ausgewogene Balance zwischen Verkehrs-, Umwelt- und Wirtschaftsinteressen im Vordergrund.
Stand der Planung:
Die beiden verbliebenen Korridorvarianten werden nun in einer umfassenden Vorplanung weiter vertieft. Diese Vorplanung beginnt nach Abschluss der Ausschreibung voraussichtlich im Jahr 2027 und dauert erfahrungsgemäß zwei bis drei Jahre. Am Ende dieses Schrittes wird eine Vorzugsvariante ermittelt und dem Eisenbahn-Bundesamt, dem Bundesverkehrsministerium sowie dem Deutschen Bundestag zur Entscheidung vorgelegt. Die Deutsche Bahn stellt die Entwicklungsstände laufend auf ihrer Projektseite bereit: www.hannover-bielefeld.de.
Parallel dazu führen die Bundesländer das Raumordnungsverfahren durch. Erst dort werden die Varianten im Detail geprüft und öffentlich ausgelegt. Diese Phase dauert üblicherweise mehrere Monate bis über ein Jahr.
Was bedeutet das für Unternehmen im Korridor?
Derzeit befinden wir uns in einer sehr frühen Phase. Die aktuellen 1.000‑Meter-Korridore stellen Untersuchungsräume dar. Die spätere, verbindliche Trasse wird voraussichtlich rund 13 Meter breit sein, auf bis zu 30 Meter ergänzt um Flächen für Bahndämme und weitere Bauwerke wie etwa zum Schallschutz. Nach aktuellem Planungsstand kann eine betriebliche Erweiterung innerhalb der Korridore weiterhin sinnvoll sein; eine rechtliche Einschränkung besteht bisher nicht.
Weitere Informationen
Alle aktuellen Details und Entwicklungen finden Sie im Planungsdialog der Deutschen Bahn. Tipp: Registrieren Sie sich dort für den Newsletter “Infobrief”.
