Niederrhein Wirtschaft
Nr. 7153944
3 min Lesezeit
Bernd Kluitmann Haushaltsauflösungen

Raus mit dem, was bleibt

Bernd Kluitmann räumt Häuser leer, Keller aus und Dachböden frei. Manche Entrümpelung verlangt ihm einiges ab. Der Klever macht seine Arbeit trotzdem gern.
Ein Haushalt ist nicht mal eben aufgelöst. Arbeit und hohe Kosten hängen daran. „Außerdem sind oft Emotionen im Spiel“, weiß Bernd Kluitmann. Der Unternehmer räumt professionell Häuser leer. Mit dem Segen seiner Kunden, versteht sich.
Häufig sind es Menschen, die einen Teil ihres Lebens hinter sich lassen (müssen). Senioren, die ins betreute Wohnen ziehen. Oder Kinder, die das Haus ihrer verstorbenen Eltern verkaufen. In jedem Abschied steckt auch ein Neuanfang. „Die meisten, die mich anrufen, wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Ist das Haus einmal leer, fühlen sie sich befreit. Das ist auch für mich ein schönes Gefühl“, betont der Klever.
Vom Service zum Kerngeschäft
Bernd Kluitmann weiß selbst, was es heißt, neu anzufangen. Erst war er Lebensmitteltechniker, später Leiter eines Supermarkts. 2022 machte er sich selbstständig. „Zunächst mit Hausmeisterdiensten“, erzählt er. „Doch dann fragten mich die Leute, ob ich auch Haushalte auflöse.“ Was als zusätzlicher Service begann, ist heute sein Kerngeschäft. Vier feste Mitarbeiter helfen beim Entrümpeln.
Auch gewerbliche Kunden beauftragen ihn, allerdings noch in kleinerem Umfang. Kürzlich hat Kluitmann eine Arztpraxis leergeräumt, davor eine Autowerkstatt. Bei Firmenauflösungen geht es nicht nur ums Sortieren und Wegtragen. Datenschutz spielt eine wichtige Rolle. Sensible Akten wandern nicht ins Altpapier. Sie werden gesondert entsorgt, Nachweise inklusive.
Entsorgung hat ihren Preis
„90 Prozent sind private Haushalte“, erklärt Kluitmann. „Die Gesellschaft altert, die Nachfrage ist groß.“ Wie viel Arbeit hinter einer Entrümpelung steckt, zeigt sich oft erst vor Ort. Bevor er ein Angebot macht, schaut sich der Unternehmer die Räume persönlich an. Wenn das nicht geht, helfen Fotos oder Videos.
Einen Preis am Telefon nennt er nicht: „Das ist unseriös.“ Dabei kalkuliert er mit Pauschalpreisen. So kennen die Kunden die Kosten vorher. Für Kluitmann bedeutet das auch unternehmerisches Risiko. Verschätzt er sich beim Aufwand, geht das zulasten seines Betriebs. Gerade die Entsorgung ist teurer geworden.
Nicht alles ist Müll
Wohnräume, Keller, Dachböden: Über die Jahre sammelt sich eine Menge an. Das meiste kommt, so hart es klingt, weg. Wertvolles kann Bernd Kluitmann über Partner verkaufen. Die Münzsammlung oder das Silberbesteck rechnet er vom Preis ab. Manchmal bleibt den Kunden sogar ein kleiner Gewinn. Einmal fand Kluitmann ein Testament, das Angehörigen Geld sicherte. Solche „Schätze“ seien aber selten. Meist sind es Möbel, die über die Caritas ein zweites Leben finden. Doch zur Wahrheit gehört auch: Viele Haushaltsauflösungen führen Kluitmann und sein Team in stark vernachlässigte Wohnungen: „Locker sieben von zehn Wohnungen sind verdreckt.“
Die Nachfrage wächst
Manchmal türmt sich Müll bis unter die Decke. Der Profi nimmt’s nicht persönlich. Im Gegenteil: „Viele Menschen kommen leider nicht mehr klar, haben keine Angehörigen oder kommen zu spät in die Betreuung.“ Daneben gebe es die „klassischen Messie-Wohnungen“, oft Folge einer psychischen Erkrankung. Hinter jeder Entrümpelung steht also eine persönliche Geschichte. Zugleich steht hinter vielen Einzelschicksalen ein wachsender Markt. Schon jetzt arbeiten Bernd Kluitmann und sein Team nicht nur am Niederrhein. Aufträge führten ihn bereits in die Niederlande und ins Rheinland. Für seine Selbstständigkeit sieht der Unternehmer gute Perspektiven: „Ich bin, glaube ich, zur richtigen Zeit gestartet.“
Text: Patrick Torma
Foto: Bernd Kluitmann Haushaltsauflösungen