Niederrhein Wirtschaft
Nr. 7074070
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IHK-Beratung zur Unternehmensnachfolge

„Wir hören zunächst einmal zu“

Gemeinsam mit zwei Kollegen unterstützt Kai Hagenbruck bei der Niederrheinischen IHK Unternehmer, die eine Nachfolge suchen. Aus seiner Sicht ist eine Kombination aus persönlicher Beratung und Online-Angeboten ideal.
Herr Hagenbruck, worauf kommt es in der Beratung zur Unternehmensnachfolge vor allem an?
Kai Hagenbruck: Wir hören zunächst einmal zu. Denn jeder Betrieb ist anders, was Größe, Struktur und Branche angeht. Da sind kleinere Einzelhändler ebenso dabei wie größere Produktionsbetriebe. Oft geht es um ein Lebenswerk, da schwingen auch Emotionen mit. Dann konzentrieren wir uns auf die Zahlen. Es geht um die Wirtschaftslage, um anstehende Investitionen und die Frage: Trägt das Geschäftsmodell in Zukunft? Und letztlich: Was ist das Unternehmen wert? Hier ist nicht der ideelle Wert oder Substanzwert wie Maschinen oder Anlagen am relevantesten – sondern der Ertragswert. Ein Unternehmer, der eine Firma übernimmt, muss davon leben können. Dafür brauchen wir ein realistisches Szenario.
Ergänzend zur persönlichen Beratung gibt es sehr gute digitale Angebote zur Unternehmensnachfolge. Können Sie diese erläutern?
Sie finden auf unserer Webseite unter anderem ein digitales Informationspaket mit Leitfäden und Checklisten sowie Informationen zu Themen wie Bürgschaft und Altersabsicherung. Sehr wertvoll ist die Nachfolgebörse „nexxt-change“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Hier kommen jene Unternehmer, die eine Nachfolge suchen, mit denen zusammen, die sich eine Übernahme vorstellen können. Auch für Existenzgründer kann das sehr interessant sein: Warum nicht in die Selbstständigkeit starten, indem man eine Firma übernimmt? Wir checken für die Unternehmen bei Bedarf auch die Inserate für „nexxt-change“, so dass sie fachlich und inhaltlich auf den Punkt sind.
Sie empfehlen zudem die digitale Unternehmenswerkstatt der IHK.
Ja, für mich ist das die beste Plattform. Dort können Sie konkrete Pläne erstellen, sowohl für eine Übergabe als auch eine Übernahme. Es gibt einen kostenlosen Unternehmenswertrechner, Musterverträge, Checklisten und einiges mehr. Die Kombination aus persönlicher Beratung und Online-Angeboten ist ideal und zeitgemäß.
Welche Rolle spielt bei der Unternehmensnachfolge der demografische Wandel?
Eine große, denn er holt uns von zwei Seiten ein. Zum einen gibt es immer mehr Firmeninhaber, die ins Rentenalter kommen. Und gleichzeitig weniger Nachwuchs. In Familienbetrieben ist es nicht mehr so selbstverständlich wie früher, dass Tochter oder Sohn die Firma weiterführen. Die Kinder fragen sich: Will ich diese Verantwortung? Oder nicht lieber in eine Anstellung? Doch es gibt auch nach wie vor viele positive Beispiele: Da übernehmen die Kinder das Unternehmen und die Eltern sind noch eine Zeitlang ihr Back-up.
Interview: Daniel Juhr
Foto: Niederrheinische IHK/Jacqueline Wardeski