Niederrhein Wirtschaft
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Niederrheinische IHK

Events bewegen die Region

Ob Gartenschau, Musikfestivals, Kulturformate oder Spitzensport: Events prägen den Niederrhein weit über ihre Laufzeit hinaus. Längst sind sie damit mehr als nur temporäre Publikumsmagneten. Sie sind Motoren für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Image. Ein zentrales Zukunftsprojekt ist die Internationale Gartenausstellung 2027. Duisburg und weitere Städte sollen davon wirtschaftlich profitieren. Dafür sorgen Investitionen, neue Stadt- und Grünräume sowie der erwartete Besucherstrom.
Auch die Festivalszene stärkt die Strahlkraft der Region: Parookaville am Flughafen Weeze hat sich in wenigen Jahren zu einem europaweit beachteten Großevent entwickelt. Und generiert erhebliche lokale Wertschöpfung. Das Moers- Festival zieht mit kreativer Nischenkultur Besucher aus aller Welt an. Um nur zwei Beispiele zu nennen.
Kulturell spannend geht es bei den Duisburger Akzenten zu. Das Theater-Festival findet an verschiedenen Orten in der Stadt statt. Und belebt die Gastronomie, Hotellerie und ganze Quartiere.
Ein weiterer Wirtschaftsmotor ist Sport. Ob Kanu-Weltmeisterschaften, Marathon oder internationale Multisportevents: Duisburg hat sich als Gastgeber mit globaler Sichtbarkeit etabliert. Die Veranstaltungen erzielen dabei regelmäßig spürbare wirtschaftliche Effekte.

“Die IGA stärkt den Standort”

Gartenschau-Geschäftsführer Hanspeter Faas erwartet für Duisburg neue Besucherströme und einen wirtschaftlichen Aufschwung.
Die Internationale Gartenausstellung (IGA) Ruhrgebiet soll Duisburg als Wirtschaftsund Tourismusstandort stärken. Hanspeter Faas, Sprecher der IGA-Geschäftsführung, erwartet neue Chancen für Mittelstand, Gastronomie und Tourismus in der gesamten Region.
Herr Faas, Sie haben viele große Gartenschauen begleitet. Was hat Sie an der Aufgabe besonders gereizt, die IGA 2027 umzusetzen?
Hanspeter Faas: Für mich war das Ruhrgebiet zunächst weitgehend unbekannt. Umso spannender war es, die Vielfalt der Region kennenzulernen: eine sehr grüne Umgebung mit einem enormen Freizeit- und Kulturangebot. Hier leben sehr offene, engagierte Menschen. Besonders interessant ist die Dimension der IGA 2027: Anders als klassische Gartenschauen richtet sie sich nicht auf eine einzelne Stadt, sondern auf eine ganze Region mit mehreren Zukunftsgärten. Das ist in dieser Form einmalig und eröffnet große Chancen für den gesamten Niederrhein und das Ruhrgebiet.
Welche Rolle wird die IGA 2027 für die Zukunft dieser Region spielen?
Die Gartenschau ist weit mehr als eine Ausstellung mit Blumen und Gärten. Sie stößt Entwicklungen an, die Städte langfristig prägen. Es geht um die Frage, wie die Menschen hier künftig leben möchten. Gerade dicht besiedelte Räume müssen neue Antworten auf Themen wie Hitze, Starkregen oder Flächennutzung finden. Die IGA schafft dafür konkrete Projekte, die dauerhaft bleiben. Gleichzeitig stärkt sie die Lebensqualität – auch das ist ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen und Fachkräfte.
Gibt es Beispiele aus anderen Städten, die zeigen, welche Wirkung eine Gartenschau entfalten kann?
Ein sehr gutes Beispiel ist Heilbronn. Die Bundesgartenschau 2019 hat dort enorm viel bewegt. Heilbronn liegt am Neckar, hatte den Fluss aber über Jahrzehnte kaum in das Stadtleben eingebunden. Durch die Gartenschau entstand ein völlig neues Verhältnis der Stadt zu ihrem Wasserraum. Gleichzeitig wurden neue Quartiere entwickelt und öffentliche Räume aufgewertet. Heute wirkt Heilbronn deutlich moderner und attraktiver.
In Duisburg spielt der Rhein eine zentrale Rolle. Welche Chancen sehen Sie dort?
Duisburg entdeckt den Rhein gerade neu. Lange wurde der Fluss vor allem als Verkehrsweg wahrgenommen. Mit dem Rheinpark und dem Ausbau des Kultushafens entsteht jetzt eine deutlich stärkere Verbindung zwischen Stadt, Menschen und Wasser. Genau darin liegt eine große Qualität. Wasserflächen gewinnen für Städte immer mehr an Bedeutung – sowohl für die Freizeit als auch für das Stadtklima. Besonders spannend finde ich, dass Duisburg dabei auch innovative Lösungen zeigt: Künftig soll aufbereitetes Wasser aus der benachbarten Kläranlage genutzt werden, um die Grünflächen im Rheinpark zu bewässern. Das zeigt sehr praktisch, wie moderne Stadtentwicklung aussehen kann.
Viele Unternehmen fragen nach konkreten wirtschaftlichen Effekten. Was bringt die IGA 2027 dem Mittelstand?
Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind erheblich. Insgesamt sprechen wir von Investitionen von rund 300 Millionen Euro im Ruhrgebiet. Ein großer Teil der Aufträge bleibt in der Region. Das Baugewerbe, der Garten- und Landschaftsbau oder technische Dienstleister werden profitieren. Hinzu kommen die Besuchereffekte: Wir rechnen mit rund 3,1 Millionen Gästen, davon werden eine Million nach Duisburg kommen. Hotels, Gastronomie, Einzelhandel und touristische Anbieter werden profitieren. Gerade Duisburg nutzt die IGA jetzt bereits aktiv, um sich touristisch stärker aufzustellen. Es entstehen neue Angebote rund um Hafen, Rhein und zusätzliche Stadtführungen.
Was stimmt Sie so optimistisch, dass die IGA gerade auf den Tourismus so positive Auswirkungen hat?
Im Vertrieb merken wir, dass Angebote wie „IGA und Industriekultur“ oder „IGA und Radfahren“ sehr gut angenommen werden. Viele Menschen kennen die Region bislang gar nicht als Reiseziel. Wer dann hier ist, entdeckt spannende Kulturangebote und Ausflugsorte. Genau darin liegt eine große Chance. Duisburg kann dabei mit dem Landschaftspark Nord, dem Hafen und der Lage am Rhein punkten.
Wenn wir einige Jahre weiterdenken: Woran sollte man erkennen, dass die IGA 2027 erfolgreich war?
Erfolgreich wäre die IGA dann, wenn die Menschen noch häufiger sagen: Das Ruhrgebiet ist lebenswert und spannend. Projekte wie die IGA wirken langfristig. Man sieht das an der Internationalen Bauausstellung Emscher Park von 1989 bis 1999 oder am Kulturhauptstadtjahr 2010. Beide Großveranstaltungen prägen das Bild der Region bis heute. Wenn die IGA 2027 ebenfalls dauerhaft in den Köpfen bleibt und dazu beiträgt, Städte lebenswerter zu machen und den Blick auf das Ruhrgebiet positiv zu verändern, dann hat sie sehr viel erreicht.

Mehr als eine Blumenschau

Die Wirtschaftsbetriebe Duisburg setzen in der Stadt die Bauprojekte für die IGA 2027 um. Vorstand Sebastian Beck erwartet nachhaltige Effekte.
Zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 blickt die Welt auch nach Duisburg. Sebastian Beck, Vorstand der Wirtschaftsbetriebe Duisburg, betont: die IGA ist weit mehr ist als eine Blumenschau.
Herr Beck, die IGA 2027 wird oft als Jahrhundertprojekt bezeichnet. Was bedeutet das für Duisburg?
Sebastian Beck: Eine Gartenausstellung ist immer ein besonderes Ereignis – und in dieser Dimension für Duisburg sogar eine Premiere. Wir rechnen mit rund einer Million Besuchern. Das allein zeigt schon die Größenordnung. Gleichzeitig werden mehr als 100 Millionen Euro in Infrastruktur und Grünflächen investiert. Es entsteht ein Schaufenster für die Region. Das ist aber nicht nur ein Impuls für das Jahr 2027. Wir sprechen von einer dynamischen Entwicklung, die Duisburg langfristig stärken soll.
Welche Rolle spielen die Wirtschaftsbetriebe Duisburg dabei?
Wir sind von der Stadt mit der Umsetzung der Bauprojekte beauftragt worden – etwa mit der Gestaltung des Rheinparks. Als Wirtschaftsbetriebe setzen wir bei der IGA auch eigene Akzente. Bei unseren Veranstaltungen blicken wir auf Zukunftsthemen wie Klimaanpassung, Kreislaufwirtschaft und nachhaltiges Bauen.
Ein zentrales Projekt ist der Kultushafen. Was entsteht dort konkret?
Der Kultushafen steht exemplarisch für den Wandel Duisburgs. Historisch war der Zugang zum Rhein oft durch industrielle Nutzung eingeschränkt. Jetzt schaffen wir neue Zugänge. Es entsteht eine Promenade mit Aussichtsterrasse, Gastronomie und direktem Blick aufs Wasser. Das ist ein echter Mehrwert – nicht nur während der IGA, sondern dauerhaft für die Menschen in Duisburg. Und auch die Wirtschaft vor Ort soll von diesem Großereignis profitieren.
Auch am sogenannten Grünen Ring laufen Arbeiten. Was passiert dort?
Der Grüne Ring im Stadtteil Hochfeld ist eine wichtige Verbindung zwischen Innenstadt und Rheinpark. Dort entsteht ein Grünzug mit Fuß- und Radwegen, neuen Spielplätzen sowie Sport- und Freizeitangeboten. Das Projekt wird mit rund 20 Millionen Euro gefördert. Es ist ein neuer Lebensraum, der zusätzliche Aufenthaltsqualität schafft.
Der Rheinpark ist das Herzstück der IGA. Was erwartet die Besucher?
Natürlich wird es klassische gärtnerische Höhepunkte geben – darunter die große Blumenhalle, den Rosengarten und die Pflanzenschauen. Gleichzeitig schaffen wir Erlebnisräume für alle Generationen, beispielsweise durch verschiedene Spielplätze und einen Skywalk. Die Aussichtsplattform ermöglicht ganz neue Perspektiven auf den Rheinpark.
Welche wirtschaftlichen Effekte erwarten Sie für die Region?
Die Erfahrungen anderer Gartenschauen zeigen: Wer einmal kommt, kommt wieder. Eine Million Besucher bedeutet Nachfrage für Hotellerie, Gastronomie und Handel. Gleichzeitig entstehen neue touristische Angebote. So gibt es im Rheinpark bereits einen neuen Schiffsanleger. Die IGA kann langfristig ein echter Motor für Duisburg und die Region sein.
Großprojekte stehen oft in der Kritik. Wie begegnen Sie Fragen zur Nachhaltigkeit?
Unser Ansatz ist klar: Wir bauen so, dass möglichst viel dauerhaft erhalten bleibt. Projekte wie der Kultushafen, der Skywalk oder die neuen Spielplätze sind langfristig angelegt. Natürlich gibt es einzelne temporäre Elemente, aber der Kern der Investitionen ist nachhaltig und wird Duisburg über die IGA hinaus prägen.
Wann ist die IGA für Sie persönlich ein Erfolg?
Die Besucherzahl ist ein wichtiger Faktor – aber nicht der einzige. Entscheidend ist, welches Bild Duisburg vermittelt. Wenn Menschen sagen „Das hat sich gelohnt, Duisburg hat sich großartig präsentiert“, dann ist das ein Erfolg. Noch wichtiger ist die langfristige Wirkung: steigende Besucherzahlen, mehr Tourismus und ein spürbarer Impuls für die Stadtentwicklung. Wenn wir diesen Wandel anstoßen, hat die IGA ihr Ziel erreicht.

“Eine historische Chance”

Die Niederrheinische IHK hat ein Jahr vor Beginn der IGA im Ruhrgebiet ein Partnernetzwerk ins Leben gerufen. Ziel: Potenziale gemeinsam nutzen.
Während im Rheinpark Duisburg die Bagger rollen, nimmt ein Projekt Gestalt an, das das Ruhrgebiet nachhaltig verändern soll. Duisburg bereitet sich auf die Internationale Gartenausstellung 2027 vor. Was lange als klassisches Bauprojekt galt, ist zu einer Gemeinschaftsaufgabe geworden. Unter dem Motto „Gemeinsam bringen wir Duisburg zum Blühen“ haben die Niederrheinische IHK, die IGA gGmbH, die Stadt und die Wirtschaftsbetriebe deshalb ein Partnernetzwerk ins Leben gerufen.
„Wir bündeln gemeinsam unsere Kräfte und nutzen die Chancen der IGA 2027 für unsere Region“, sagte IHK-Präsident Werner Schaurte-Küppers anlässlich der Unterzeichnung eines gemeinsamen Letter of Intent. Die Ausstellung könne dazu beitragen, Duisburg, den Niederrhein und das Ruhrgebiet als innovativen und grünen Wirtschaftsstandort sichtbarer zu machen.
Auch Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link sieht in dem Projekt eine „historische Chance“. Die IGA „ist ein Zukunftsprojekt, das nachhaltige Stadtentwicklung vorantreibt und unsere Stadt lebenswerter macht“, erklärte Link.
Die IGA möchte wirtschaftlichen Wandel mit moderner, klimafreundlicher Stadt- Infrastruktur verbinden. Hanspeter Faas, Sprecher der IGA-Geschäftsführung, betonte: „Dass sich in Duisburg und am Niederrhein Wirtschaft, Stadt und starke Partner so früh und so entschlossen vernetzen, zeigt, welches Potenzial in dieser Zusammenarbeit steckt.“
Das erste Treffen des Netzwerks fiel mit einem weiteren Meilenstein zusammen: dem Start des Dauerkartenverkaufs. Genau ein Jahr vor der Eröffnung am 23. April 2027 feierten Bürger ein Baustellenfest. Die Arbeiten im Rheinpark sind ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Transformation bereits begonnen hat.

Vom Dorfprojekt zum Millionenfaktor

Parookaville hat sich in wenigen Jahren zu einem der größten Musikfestivals Europas entwickelt. Hinter dem Spektakel steckt nicht nur Leidenschaft, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Wirkung für den Niederrhein.
Nach seinem Abi im Jahr 2002 war Bernd Dicks als Journalist für Print, Radio und Fernsehen unterwegs. 2015 brachte er zusammen mit zwei Freunden das Parookaville- Festival am Flughafen Weeze an den Start. Das jährlich im Juli stattfindende Fest der elektronischen Musik wurde eine Erfolgsgeschichte. Ein Gespräch über Mut, Wachstum – und regionale Wertschöpfung.
Herr Dicks, wie entstand die Idee für Parookaville?
Bernd Dicks: Wir waren drei Jungs aus Weeze und wollten einfach eine Party veranstalten, die wir selbst gern besuchen würden. Aus kleinen Beachpartys mit bis zu 5.000 Gästen entstand die Vision eines großen Festivals. Inspiriert von internationalen Vorbildern und dem Boom elektronischer Musik haben wir gesagt: Warum nicht hier am Niederrhein?
Der Start war auch finanziell ein Risiko, oder?
Absolut. Für die erste Ausgabe brauchten wir zunächst rund 350.000 Euro für die Anzahlung der Gagen. Einen Großteil hatten wir zwar durch die Beachpartys verdient, 100.000 Euro haben aber noch gefehlt. Am Ende sind wir dann zum großen Teil sogar privat ins Risiko gegangen. Wir waren aber überzeugt von der Idee – und wurden bestätigt. Der Vorverkauf lief so gut, dass wir das Festival finanzieren konnten.
Wann wurde Ihnen klar, dass daraus mehr als nur ein Event wird?
Spätestens nach der zweiten Ausgabe. 2015 war ein Erfolg, 2016 war das Festival nach drei Tagen ausverkauft – ohne dass die Leute überhaupt das Line-up kannten. Da wussten wir: Das hat enormes Potenzial. Heute liegen wir bei bis zu 225.000 Besuchern.
Welche wirtschaftliche Bedeutung hat das Festival für die Region?
Eine große. Unsere Gäste geben zusätzlich rund fünf Millionen Euro im regionalen Umfeld aus – für Hotels, Gastronomie oder Einzelhandel. Gleichzeitig vergeben wir Aufträge in ähnlicher Höhe an lokale Unternehmen. Insgesamt sprechen wir von rund zehn Millionen Euro direkter Wertschöpfung pro Jahr.
Arbeiten Sie gezielt mit regionalen Partnern?
Ja, das ist uns wichtig. Viele Dienstleister kommen direkt aus der Region – vom Handwerk über IT bis zur Gastronomie. Während des Festivals arbeiten rund 6.000 Menschen, ein Großteil davon vom Niederrhein. Das stärkt die lokale Wirtschaft enorm.
Was sind die größten Herausforderungen?
Neben der Organisation vor allem Bürokratie. Themen wie Umwelt-, Arbeits- oder Brandschutz sind wichtig, aber die Anforderungen sind sehr komplex. Das kostet Zeit und Ressourcen und ist im internationalen Vergleich ein Nachteil.
Was macht Sie persönlich besonders stolz?
Der Zusammenhalt. 2017 hatten wir extreme Wetterprobleme. Die Region hat uns geholfen. Landwirte haben nachts Fahrzeuge aus dem Schlamm gezogen. Solche Momente zeigen, was möglich ist, wenn alle zusammenarbeiten.
Und wie sieht die Zukunft aus?
Parookaville ist an der Kapazitätsgrenze. Deshalb setzen wir zusätzlich auf unser zweites Festival in Weeze – San Hejmo. Das ist eine Nummer kleiner, wird aber wegen seiner familiären Atmosphäre sehr geschätzt. Unser Ziel bleibt gleich: Qualität sichern, weiterentwickeln – und die Region weiterhin wirtschaftlich stärken.

Aushängeschild mit globaler Reichweite

Vom Niederrhein in die Welt: Das Moers-Festival steht für internationale Ausstrahlung. Und ist zugleich stark regional verankert.
Als Kind stand Tim Isfort auf seinem Bonanzarad und blickte über einen Zaun in eine andere Welt. Er sah, wie Jazzfans im Moerser Stadtpark bei einem Festival tanzten und feierten. „Diese Bilder haben mich geprägt“, sagt Isfort. Seit 2017 lenkt er selbst die Geschicke des international renommierten Moers-Festivals.
Was einst aus der Aufbruchsstimmung der 1970er-Jahre entstand, ist heute ein kulturelles Aushängeschild mit globaler Reichweite. Künstler aus aller Welt kennen das Festival am Niederrhein. „ Unsere Veranstaltung hat wirklich eine Strahlkraft von Moers über New York bis nach Tokio“, sagt Isfort.
Diese Bekanntheit zahlt direkt auf den Standort ein. Das Festival bringt internationale Besucher nach Moers – und damit Kaufkraft und Aufmerksamkeit. Und ein positives Image. Gerade für eine mittelgroße Stadt ist das ein wichtiger Faktor im Wettbewerb. „Wir selbst sind auf jeden Fall ein Motor“, betont Isfort. Hotels sind regelmäßig ausgelastet. Besucher beleben Gastronomie und Einzelhandel. Regionale Dienstleister profitieren von Aufträgen rund um Technik, Logistik und Sicherheit.
Dabei geht es längst nicht nur um kurzfristige Effekte. Das Festival hat sich in den vergangenen Jahren strukturell deutlich weiterentwickelt. Aus einer eher improvisierten Organisation ist ein professioneller Betrieb geworden – mit langfristigem Plan, klarer Struktur, festen Arbeitsplätzen und gewachsenen Teams.
Gleichzeitig bleibt das inzwischen fünftägige Musikfest seiner inhaltlichen Linie treu. Es setzt bewusst auf das Unerwartete. „Alles abseits des Mainstreams hat auf der Bühne Platz“, sagt Isfort. Genau diese klare Positionierung macht Moers in der Musikszene international relevant.
Für Isfort ist das Festival dabei mehr als ein Job. Als Jugendlicher berichtete er für die Schülerzeitung vom Geschehen. Er erlebte US-Größen wie David Moss und Arto Lindsay hautnah. Es waren Erfahrungen, die seinen Weg prägten. „Da hat sich für mich eine neue musikalische Welt geöffnet“, erinnert er sich.
Heute verbindet der 58-Jährige diese persönliche Perspektive mit seiner strategischen Vision. Er will das Festival weiterentwickeln, ohne seine Wurzeln zu kappen. Deswegen ist die Veranstaltung auch in die Moerser Innenstadt zurückgekehrt. „Das bringt mehr Frequenz, mehr Austausch und mehr Sichtbarkeit“, sagt Isfort.
Für Moers ist das Festival damit weit mehr als ein kulturelles Ereignis. „Wir sind Impulsgeber, Imageträger und nachhaltiger Wirtschaftsfaktor zugleich“, so Isfort.

Duisburg in Bewegung

Kanu-Weltmeisterschaften, Marathonläufe und Olympia-Perspektiven zeigen Duisburg als etablierten Standort für sportliche Großveranstaltungen.
Die Tribünen an der Regattabahn sind voll. Fernsehteams aus aller Welt stehen am Ufer. Internationale Teams paddeln in Richtung Ziel. Bei Großveranstaltungen wie den Kanu-Weltmeisterschaften in Duisburg wird die Wirkung von Sportevents schnell deutlich. Für die Athleten geht es um Medaillen und Rekorde. Die Ausrichter sehen die Titelkämpfe auch als Standortmarketing.
„Große Sportveranstaltungen sind für Duisburg ein wichtiger Baustein, um die Stadt national und international sichtbar zu machen“, sagt Uwe Kluge, Geschäftsführer der Duisburg Kontor GmbH. Die fürs Standortmarketing zuständige Stadttochter hat zu diesem Thema mit Partnern mehrere Studien in Auftrag gegeben – auch zur Kanu-WM 2023.
Das Ergebnis: Die Veranstaltung generierte einen regionalökonomischen Gesamteffekt von rund 6,3 Millionen Euro. Laut Analyse ist solch ein Ereignis ein „nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor in und für die Stadt Duisburg“. Die Mehreinnahmen in der Gastronomie lagen bei 1,2 Millionen Euro. Den Hotellerie-Effekt beziffert die Studie mit einer Million Euro.
Für Kluge ist die Sportstadt Duisburg als Ausrichter internationaler Wettkämpfe sehr gut geeignet. „Wir haben hier eine Infrastruktur, die in dieser Form nicht alltäglich ist“, sagt der Kontor-Geschäftsführer. Im 200 Hektar großen Sportpark Duisburg liegen Fußballarena, Schwimmstadion, Regattabahn und vieles mehr dicht beieinander. Vereine und Verbände haben auf diesem Areal ihren Sitz.
„Duisburg hat in den vergangenen Jahrzehnten außerdem bewiesen, dass die Stadt ein guter Gastgeber ist“, betont Kluge. Die Universiade 1989, die World Games 2005 und zuletzt die FISU World University Games 2025 hätten dies unter anderem gezeigt. Die Kanu-Weltmeisterschaften waren bereits sechs Mal zu Gast an der Regattabahn. Und auch 2026 steht wieder im Zeichen des Spitzensports: Vom 22. bis zum 26. Juli messen sich bei den U23-Weltmeisterschaften im Rudern internationale Toptalente. Vom 15. bis zum 20. September richtet Duisburg die Kanupolo-Weltmeisterschaft aus.
Auch im Alltag ist die Stadt sportlich geprägt. „Eigentlich haben wir hier alle zwei Wochen ein Großereignis – wenn der MSV Duisburg ein Heimspiel austrägt“, sagt Kluge. Auch dieser Effekt lässt sich messen. Eine weitere Studie beschäftigte sich mit dem Fußballklub aus Meiderich. Demnach bringt eine Saison in der Dritten Liga der regionalen Wirtschaft Umsätze in Höhe von 55 Millionen Euro. Besonders profitiert die Stadt in den Bereichen Gastronomie. Der sportliche Erfolg zahlt aber auch aufs Image ein.
Duisburg hat sich zudem als Laufsportstadt einen Namen gemacht. Der Rhein- Ruhr-Marathon ist deutschlandweit bekannt. Karsten Kruck beschreibt ihn als „klassische, von Läufern für Läufer organisierte Veranstaltung“, bei der der ehrenamtliche Charakter besonders prägend sei. Er ist Inhaber des Fachgeschäfts Laufsport Bunert. „Der Marathon gehört zu den festen Größen in der Region“, sagt Kruck.
Jahr für Jahr stiegen zuletzt die Teilnehmerzahlen. 2026 gab es mal wieder einen neuen Rekord: rund 9.000 gingen auf die Strecke. „Solche Veranstaltungen haben eine enorme Strahlkraft – sie bringen Menschen in die Stadt und zeigen, dass Duisburg im Laufsport fest verankert ist“, erklärt Kruck. Neben dem Marathon trügen auch die Winterlaufserie und der Lichterlauf zur starken Laufkultur in der Stadt bei.
Aktuell rückt die Perspektive Olympische und Paralympische Spiele in der Rhein- Ruhr-Region auch Duisburg in den Fokus. In der Bevölkerung fanden sich viele Befürworter. In einer Abstimmung sprachen sich kürzlich 73 Prozent der Teilnehmer für eine Bewerbung aus. Sollte die Region für 2036, 2040 oder 2044 tatsächlich den Zuschlag bekommen, wäre Duisburg dabei. Rudern und Kanu auf der Regattabahn sowie Klettern im Stadion gehören zum Konzept.
Für Uwe Kluge wäre Olympia an Rhein und Ruhr folgerichtig. „Duisburg und die gesamte Region haben in den vergangenen Jahrzehnten bewiesen, dass sie große Sportveranstaltungen zuverlässig und professionell umsetzen können“, sagt er. „Die Infrastruktur ist vorhanden, die Erfahrung ist da – und die Begeisterung in der Bevölkerung ist deutlich spürbar.“

Kultur mal anders

Die Duisburger Akzente haben sich mit dezentralen Veranstaltungen und lokalen Initiativen neu erfunden. Das Festival hat einen Effekt, der weit über die drei Wochen hinaus wirkt.
Während der Duisburger Akzente ist einiges los in der Stadt. Drei Wochen im Jahr sorgt das Kultur-Festival für gut besuchte Restaurants am Dellplatz und ausgelastete Hotels rund um das Theater Duisburg. „Man merkt in dieser Zeit eine Aufbruchsstimmung“, sagt Clemens Richert. „So ein Format hat auch einen wirtschaftlichen Effekt. Gerade an den Wochenenden ist das deutlich zu spüren.“
Der gebürtige Kieler kam 2001 zum Akzente-Team. Heute gestaltet er als Projektmanager im städtischen Festivalbüro das Programm mit. „Unsere Ausrichtung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert“, erklärt Richert. „Um die Jahrtausendwende herum galten die Akzente noch als kulturpolitisches Leuchtturmprojekt.“
Große Eröffnungen, prominente Namen und zentrale Inszenierungen prägten diese Phase. Auch Altkanzler Helmut Schmidt sprach in Duisburg. „Das war ein anderes Selbstverständnis, die Veranstaltung sollte sehr groß, sehr sichtbar sein“, sagt Richert.
Heute ist das Festival deutlich kleinteiliger organisiert. „Es liegt mittlerweile auf sehr vielen Schultern“, erklärt Richert. Rund 90 Veranstaltungen an etwa 40 Orten gehören zum Programm. Lesungen in der Stadtbibliothek, Ausstellungen in Ateliers, Performances in leerstehenden Räumen und Konzerte in Kirchen zeigen die Bandbreite. „Unser Anspruch ist es, ein breit gefächertes, niedrigschwelliges Angebot zu schaffen“, so Richert. Damit erreicht das Festival unterschiedliche Stadtteile und Zielgruppen gleichermaßen.
Aus den Akzenten sind auch langfristige Projekte entstanden – wie etwa das Kreativquartier Ruhrort. Menschen aus dem Hafenstadtteil hatten sich nach einem Festival zusammengeschlossen. In Ruhrort gibt es seitdem regelmäßig ein eigenes Kulturprogramm. Das läuft auch außerhalb der Akzente. „Ein Festival kann Impulse für neue kulturelle Strukturen in der Stadt geben“, sagt Richert.
Auch auf einer anderen Ebene wirken die Akzente weit über die drei Wochen hinaus. Viele Besucher kommen laut der Organisatoren zunächst für einzelne Veranstaltungen in die Region. „Wenn die Leute einmal hier waren, kommen sie oft gerne wieder“, erklärt Richert. „Die Hürde besteht häufig darin, sie überhaupt nach Duisburg zu holen. Wenn das gelingt, bleibt oft mehr hängen als nur das Festivalerlebnis.“
Alle Texte: Denis de Haas und Tobias Appelt, Redaktionsbüro Ruhr