Niederrhein Wirtschaft
Nr. 7074090
2 min Lesezeit
Einzelhandel mit Tradition

„Ich kenne hier fast jeden“

Seit mehr als 50 Jahren führt Elisabeth Schmitz (81) die Boutique Marelle Moden in Duisburg-Rheinhausen. Der Begriff „Institution“ mag inzwischen inflationär gebraucht werden – doch für Elisabeth Schmitz gibt es tatsächlich kaum eine treffendere Bezeichnung.
Im Duisburger Stadtbezirk Rheinhausen kenne sie fast jeden, sagt die 81-jährige Einzelhändlerin. Und umgekehrt dürfte es genauso sein.
Geboren im letzten Kriegsjahr, in der damals noch selbstständigen Stadt Rheinhausen zwischen Duisburg und Moers, beginnt ihr beruflicher Weg als Einzelhandelskauffrau. Es folgt ein Sekretärinnenlehrgang bei der IHK. Zehn Jahre arbeitet sie als Vorstandssekretärin bei Krupp.
Die Hände in den Schoß zu legen, war noch nie ihr Ding. 1973 eröffnete sie „Marelle Moden“. Nach dem Beginn an der Hochemmericher Straße arbeitet sie sich mit ihrer Boutique über die Jahrzehnte „langsam, aber sicher zur Mitte des Stadtbezirks vor“. Seit 21 Jahren ist ihr Geschäft an der Krefelder Straße in Hochemmerich zu finden.
Sie führt das Geschäft immer noch weitgehend allein. Gelegentlich unterstützen sie Freundinnen. Schmitz bietet Damenmode im mittleren bis höheren Preissegment an. Ihre Kundinnen sind zwischen 20 und 80 Jahre alt. 98 Prozent sind Stammkundinnen. Eine Zahl, die viel über das Konzept verrät. Wer einmal zu ihr kommt, bleibt meist für immer – oft über Generationen hinweg.
Bei Elisabeth Schmitz ist Mode mehr als Ware. Persönliche Kundenbindung ist ihr wichtigstes Kapital. Dazu gehören auch Termine am Sonntag: Anproben bei Kaffee und Kuchen und Gespräche über Gott und die Welt. Mittwochnachmittags bleibt der Laden geschlossen. Dann fährt sie nach Düsseldorf, immer die Wünsche ihrer Kundinnen im Kopf. „Dort schaue ich gezielt nach besonderen Stücken“, sagt sie. Einkauf versteht sie als Dienstleistung.
Bei aller Passion fürs Unternehmerinnen-Dasein – vielleicht hätte sie längst aufgehört. Doch nach dem Tod ihres Mannes vor elf Jahren ist das Geschäft auch ein Anker geworden. „Es hat mich abgelenkt“, sagt Elisabeth Schmitz. An eine erfolgreiche Nachfolge glaubt sie nicht mehr. Zu fordernd sei der Alltag: zehn Stunden im Geschäft, dazu Buchhaltung am Wochenende. Hinzu kommt ein Einzelhandel, „der es gerade in Rheinhausen schwer hat“.
Also macht sie weiter, „solange mich der liebe Gott gesund und fit sein lässt“. Auch außerhalb des Geschäfts hat sie viel zu tun. Sie führt den örtlichen Werbering und engagiert sich politisch. Ihr größtes Glück? „ Meine Kinder und Enkelkinder.“
Text: Daniel Boss
Foto: Elisabeth Schmitz