Niederrhein Wirtschaft
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Inspirierende Arbeitswelten

Gute Führung macht den Unterschied

Eigentlich suchte Vera Koch eine Nachfolgerin. Stattdessen fand sie in Annette Keisers eine Geschäftspartnerin. 2022 gründeten die beiden Arbeitspsychologinnen Connect Business Niederrhein. Mit ihrer Personalerfahrung begleiten sie Firmen dabei, Zusammenarbeit und Führung neu zu denken.
Frau Keisers, Frau Koch, warum sind inspirierende Arbeitswelten wichtig?
Annette Keisers: Geld ist längst nicht mehr alles. Das Bedürfnis nach sinnerfüllter Arbeit ist größer geworden. Gleichzeitig nehmen die Unsicherheiten am Arbeitsplatz zu. Das macht Menschen Angst und häufiger auch krank. Wer hingegen inspiriert ist und mit gutem Gefühl zur Arbeit kommt, kann sein Potenzial besser einbringen.
Was braucht es, um Mitarbeiter zu inspirieren? Und wie äußert sich diese Inspiration?
Annette Keisers: Wesentlich ist eine Führung, die Vertrauen schenkt. Wir stellen immer wieder fest, dass dies vielen Führungskräften schwerfällt. Sei es, weil sie es nicht anders kennen oder neu in die Rolle wachsen. Daran, andere mitzunehmen, kann man arbeiten. Wichtig ist eine innere Haltung, die von einem positiven Menschenbild ausgeht. Und das Bewusstsein, dass mentale und körperliche Gesundheit nicht an der Bürotür aufhört.
Vera Koch: Natürlich muss in Unternehmen Leistung erbracht werden. Menschen wollen sich entfalten, wachsen, mitgestalten – wenn man sie lässt. Entscheidend ist psychologische Sicherheit. Dazu gehört das Gefühl, dass ich als Mensch so wertgeschätzt werde, wie ich bin. Dass ich auch Fehler machen darf. Dann riskiere ich es, im Meeting auch mal eine Gegenposition zu vertreten. Oder ich nehme sachliche Kritik nicht sofort persönlich.
Wo setzen Sie als Beraterinnen an?
Annette Keisers: Das kommt auf den Bedarf an. Wir begleiten Führungsentwicklung ganzheitlich. Wirksam ist häufig eine Kombination aus Lernmomenten im Führungsteam und individuellem Coaching. Darüber hinaus bieten wir Workshops und Vorträge zu Themen wie Mitarbeitergespräche, Meetingkultur und Konfliktlösung im Team an.
Vera Koch: Häufig geht es erstmal darum, überhaupt eine Führungskultur zu etablieren. Dazu gehört die Frage: Welche Haltung wollen wir als Firma vertreten? Wir schauen besonders auf drei Ebenen: auf den einzelnen Menschen, auf das Team und auf die Situation des Unternehmens. Aus dieser Betrachtung leiten wir konkrete Werkzeuge ab.
Welchen Tipp können Führungskräfte sofort umsetzen?
Vera Koch: Gute Führung braucht menschliche Nähe, kommt unter Zeitdruck aber häufig zu kurz. Am Freitag einmal nachzufragen: ‚Wie war deine Woche?‘ ‚Was war gut?‘ oder ‚Was machen wir nächste Woche besser?‘ – das kann ein einfacher, aber wirksamer Anfang für echten Austausch sein.
Interview: Patrick Torma
Foto: Björn Wilimzig