Niederrhein Wirtschaft
Nr. 7138234
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Niederrheinische IHK

Eine Werkzeugkiste gegen Stress

Komplex, verdichtet, manchmal belastend: Die Arbeitswelt stellt heute viele Menschen vor große Herausforderungen. Für den Reeser Berater Frank Stefan Alì ist klar: Resilienz ist der Schlüssel zum Erfolg.
Seit über 20 Jahren unterstützt Frank Stefan Alì von Cfaconsulting Führungskräfte und Unternehmen dabei, mit Herausforderungen besser umzugehen. Doch auch Beschäftigte geraten unter Druck. Resilienz im Berufsalltag wird immer wichtiger. Ein neues Programm kann helfen, gelassener durch den Alltag zu gehen.
Herr Alì, was bedeutet für Sie Resilienz?
Frank Stefan Alì: Resilienz hilft mir, mit Stress umzugehen. Sie ist aber keine Rüstung, die ich einfach so anlege, damit Krisen abprallen. Resilienz heißt für mich: Ich muss in belastenden Situationen nicht erstarren. Ich kann mehr ausrichten, als mir oft bewusst ist – mit Ausdauer, gezielten Pausen sowie klarem Blick für Ziele und Lösungen. Warum ist Resilienz mehr denn je gefragt? Diese Welt ist zunehmend von Unsicherheit genährt. Egal, auf welcher Ebene Sie arbeiten: Das Unsichere wächst auch dadurch, dass wir immer mehr wissen. Alles geht schnell. Wir sind immer online. Als Mitarbeiter hören Sie das Wort KI und fragen sich: Wo bleibe ich? Als Unternehmer im Mittelstand stellt sich eine ähnliche Frage im Wettbewerb mit Marktgrößen wie Amazon. In dem Moment, in dem ich zum Getriebenen werde, brauche ich Resilienz.
Also ist Resilienz nicht nur persönlich wichtig, sondern auch wirtschaftlich relevant?
Eine resilientere Belegschaft bedeutet mehr Motivation, weniger Krankheitstage. Resilienz wird so zum Wettbewerbsfaktor. Jeder sucht Fachkräfte. Gleichzeitig verlieren viele die aus dem Blick, die schon da sind. Mitarbeiter, die sich vernachlässigt fühlen, brechen mit höherer Wahrscheinlichkeit weg. Sei es, weil sie überfordert sind, krank werden, innerlich oder tatsächlich kündigen. Wer hingegen die Resilienz seiner Belegschaft stärkt, setzt dem Fachkräftemangel etwas entgegen und bleibt handlungsfähig.
Wie unterstützen Sie Unternehmen konkret?
Wissen zu vermitteln, ist das eine. Noch wichtiger ist, dieses Wissen direkt anzuwenden. Wir haben ein modulares Programm entwickelt: Die Basis ist ein E-Learning-Modul mit Übungen. Ein Beispiel: Wer jeden Tag drei Dinge notiert, die gut gelaufen sind, konzentriert sich auf positive Erlebnisse statt auf negative Aspekte. Das klingt einfach. Doch den Blick hierfür muss man trainieren. Wie im Fitnessstudio brauchen manche Menschen mehr Anleitung. Daher bieten wir auf Wunsch Live-Online- Trainings und Begleitcoachings via Whatsapp an. Als Ergänzung wird im Sommer unsere Resilienz-Toolbox erscheinen. Darin finden sich Werkzeuge für den praktischen Einsatz im Alltag. Dazu gehören weitere Übungen sowie Links und QR-Codes zu Videos und Artikeln. Haptische Hilfsmittel wie ein Anti-Stress-Ring oder Geschichtenwürfel regen die Entspannung oder Kreativität an.
Ob Fach- oder Führungskraft: Welchen Schritt kann man sofort gehen?
Das beginnt bei der Feedback-Kultur. Viele wissen, dass positives Feedback am Anfang eines Gesprächs wichtig ist. Der Punkt ist aber: Kommt Lob beim Gegenüber wirklich als wertschätzend an? Ist es aus seiner Sicht auch ausreichend? Wer diese Perspektive stärker einnimmt, macht einen ersten Schritt hin zu mehr Resilienz im Team.
Interview: Patrick Torma
Foto: Frank Stefan Alì