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Wenn es mal größer sein soll
Zugegeben, hier ist alles etwas größer. Rotorblätter für Windkraftanlagen, die 85 Meter messen können. Ein steinernes Haus von zwölf Metern Länge, acht Metern Breite und sechs Metern Höhe. Die Beispiele ließen sich lange fortsetzen. Alle diese Objekte transportiert die Kahl Unternehmensgruppe. Der Mann, der hinter diesen Projekten steht, ist Andreas Kahl. Er ist unter anderem Geschäftsführer der Kahl Schwerlast GmbH, zusammen mit seinem Bruder Rainer. Die Firma ist Teil der Gruppe mit Sitz in Moers. „Das Transportwesen begleitet mich seit meiner Geburt“, sagt der Unternehmer. „Bereits meine Eltern waren im Ruhrgebiet im Transport- und Baugeschäft tätig.“ Heute bietet der Firmenbund europaweit Großraum- und Schwertransporte über Straße, Wasser und Schiene. Daneben den Einsatz von Spezialkränen und Hebesystemen, etwa im Brückenbau. Zudem Verladung und Umschlag von Schwergut an den Häfen Duisburg und Dresden. „Mit unserem spezialisierten Equipment erbringen wir Leistungen, die so nur wenige Wettbewerber anbieten können“, erläutert Kahl.
Über Straßen, Schienen, Wasser
Zwei Aufträge waren für ihn bisher besonders aufregend. Zum einen der Transport eines Elektro-Transformators von mehr als 13 Metern Länge, sechs Metern Breite und nahezu sechs Metern Höhe. Siemens hatte den bis dahin leistungsstärksten Transformator der Welt in Nürnberg gebaut. Kahl brachte den Koloss vom Werk zum Nürnberger Hafen und verlud ihn auf ein Binnenschiff. „Wir sind mit einem Fahrzeuggewicht von 875 Tonnen zwar nur wenige Kilometer gefahren“, berichtet der Geschäftsführer. „Die Strecke war jedoch höchst anspruchsvoll. Es ging zum Beispiel zentimeterweise durch einen Tunnel mit leichter Kurve. Und durch eine Linkskurve von mehr als 100 Grad.“ Das Fahrgewicht war für ihn zudem ein Rekord. Ein Auftrag für das Umspannwerk Würgassen bei Kassel ist Kahl ebenfalls eindrücklich in Erinnerung geblieben. Die Fachleute haben drei besonders schwere, großdimensionierte Komponenten für die Anlage transportiert und eingefügt. Dabei haben sie unterschiedliche Transportund Umladetechniken eingesetzt. „Bauteile dieser Größenordnung lassen sich nicht ausschließlich auf der Straße bewegen“, betont der Spezialist. „Ein Teil der Strecke führte daher über Rhein und Weser.“ Neben den Wasserwegen sind auch die Schienen oft ein entscheidender Faktor, damit ein Transport gelingen kann.
(Digitaler) Assistent hilft
Wichtig sei es, die Last möglichst gleichmäßig zu verteilen, um Straßen, Brücken und andere Infrastruktur nicht zu beschädigen. Die Transporteure sind häufig nachts unterwegs. Neben dem Fahrer ist stets ein Beifahrer eingebunden – heute zunehmend in Form eines digitalen Assistenzsystems. Dieses ist mit allen nötigen Daten für den jeweiligen Transport gefüttert. Es informiert zum Beispiel über nötige Anpassungen der Geschwindigkeit, bevorstehende Brückenüberfahrten oder notwendige Maßnahmen entlang der Strecke. Am Ende des Zuges sichert ein Begleitfahrzeug den Transport ab. Der Begleiter ist über Funk mit dem Fahrer verbunden und unterstützt etwa in engen Kurven oder Kreisverkehren. Da kann es zum Beispiel sein, dass der Begleiter das Fahrgespann im hinteren Bereich per Fernsteuerung nachlenken muss. Je nach Art des Transports kommen weitere Mitarbeiter in Begleitwagen hinzu.
Infrastruktur und Verfahren machen Probleme
Veraltete Genehmigungsverfahren und eine unzureichende Digitalisierung der Behörden zählen für Kahl zu den größten Hemmnissen: „Muss ein Transport wegen einer Ablehnung angepasst werden, ließe sich dies in einem durchgängig digitalisierten Verfahren schneller und effizienter gestalten.“ Die größte operative Herausforderung sei jedoch die marode Verkehrsinfrastruktur. Das zwinge immer wieder zu Umwegen, was komplexere Planungen und erhebliche Mehrkosten bedeute. Andreas Kahl ist auch Aufsichtsratsvorsitzender des Bundesverbandes Schwertransporte und Kranarbeiten und in der Verbändeinitiative Großraum- und Schwertransporte engagiert. Er setzt sich für ein bundesweites Großraum- und Schwertransportgesetz ein. Bislang ist die Regelung Ländersache, was zum Beispiel zu Unterschieden bei Genehmigungen führt. „Während etwa in einem Bundesland Nachtfahrten für bestimmte Transportdimensionen vorgeschrieben sind, können sie andernorts tagsüber fahren“, sagt Kahl. „Ein bundesweit einheitliches Gesetz könnte die rechtlichen Grundlagen harmonisieren, Verfahren vereinfachen und Genehmigungsprozesse beschleunigen.“
Text: Heike Gorres
Foto: Kahl Unternehmensgruppe/Peter-Paul Weiler
Foto: Kahl Unternehmensgruppe/Peter-Paul Weiler
