Standortpolitik
Kommunikation und Zukunft
Nachdem Jan Borkenstein im vergangenen Sommer die IHK verlassen hat, gab es zum 1. Dezember 2024 einen personellen Neuzugang: Friederike Groß-Böcker hat die Geschäftsfeldleitung übernommen. Sie wird vertreten von Josephine Stachelhaus.
Friederike Groß-Böcker
Neben langjähriger Führungserfahrung in mittelständischen Unternehmen spezialisierte sich Friederike Groß-Böcker auf die Themen Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Finanzen. Sie führte mit ihrem Vater zusammen über zehn Jahre erfolgreich eine Steuerberatungskanzlei. Im Anschluss arbeitete die neue Geschäftsfeldleiterin viele Jahre selbständig als Unternehmensberaterin für unterschiedliche Branchen im Ruhrgebiet. Zuletzt sanierte sie ein soziales Unternehmen als Geschäftsführerin. Neben einem Studium der Medienwirtschaft absolvierte Friederike Groß-Böcker einen Master-Studiengang Business Administration.
Josephine Stachelhaus
Grundsteuerreform
Während sich der Mülheimer Stadtrat am 5. Dezember 2024 entschieden hatte, den städtischen Hebesatz für die Grundsteuer B nicht zu differenzieren und ihn unverändert und einheitlich bei 890 Prozent zu belassen, haben Essen (27. November 2024) und Oberhausen (16. Dezember 2024) den städtischen Hebesatz zum 1. Januar 2025 unterschiedlich festgesetzt: einen (niedrigen) für Wohngrundstücke und einen (hohen) für Gewerbegrundstücke.
Die IHK zu Essen sieht die Umsetzung der differenzierten Grundsteuerhebesätze kritisch. Die Grundsteuerreform war geprägt von vielen Begleiterscheinungen, die nicht immer förderlich waren. Dass die Entscheidungen nun teilweise kurz vor dem Jahreswechsel getroffen wurden, spricht nicht für einen reibungslosen und einfachen Prozess. Gerade in der aktuell schwierigen Wirtschaftslage erwarten die Unternehmen bei der Umsetzung der Grundsteuerreform, dass sie nicht durch zusätzlichen bürokratischen Aufwand und höhere Steuern belastet werden.
Abgrenzungsschwierigkeiten und hoher bürokratischer Aufwand
Bei der Verwendung differenzierter Hebesätze bei gemischt-genutzten Grundstücken, auf denen sich sowohl Wohn- als auch Geschäftsgebäude befinden, sieht die IHK Abgrenzungsprobleme: Es ist abzusehen, dass es hierüber erhebliche Diskussionen und Abgrenzungsschwierigkeiten geben wird und daraus ein hoher bürokratischer Aufwand entsteht. Denn letztlich werden gemischt-genutzte Grundstücke künftig dem höheren Hebesatz unterliegen, selbst wenn das Grundstück teilweise zu Wohnzwecken genutzt wird.
Zusätzliche Unternehmenssteuer führt zu verschärftem Standortwettbewerb
Zweierlei Hebesätze, von denen der höhere Satz Gewerbeimmobilien betrifft, bergen das Risiko einer neuen Sondersteuer für Unternehmen. Das wäre eine zusätzliche Unternehmenssteuer und hätte einen verschärften Standortwettbewerb zur Folge. Darüber hinaus ist auch die Grundsteuer ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Ansiedlung von Unternehmen, aber ebenso für den Zuzug von Fachkräften.
Der NRW-Landtag hatte den Städten und Gemeinden die Möglichkeit eingeräumt, künftig unterschiedliche Hebesätze für Wohn- und Nicht-Wohngrundstücke zu erheben – mit dem Ergebnis, dass Wohngebäude nicht zu stark belastet werden. Insgesamt sollten die Hebesätze so gestaltet werden, dass kommunale Einnahmen im Vergleich zur Zeit vor der Reform beständig bleiben, also aufkommensneutral sind.
Drei Fragen an: Alicia Pabst
Wie lange bist du in der IHK und was sind deine Aufgaben? Ich bin seit Oktober 2024 bei der IHK tätig und im Geschäftsfeld Kommunikation und Zukunft im Bereich PR & Marketing angesiedelt. Mein Schwerpunkt liegt im Veranstaltungsmanagement für unsere Großveranstaltungen. Zusätzlich bin ich auch in anderen Bereichen des PR- und Marketing-Teams eingebunden, zum Beispiel bei der Erstellung von Marketingmaterialien für unsere Veranstaltungen gemeinsam mit Agenturen oder dem Schreiben von Beiträgen für das MEO-Magazin.Was war dein bisher spannendstes Projekt?Ein Projekt, das sicher sehr spannend wird, steht kurz bevor: unser erster Tag der offenen Tür. Da es sich hierbei um ein neues Veranstaltungsformat handelt, bin ich sehr gespannt, wie es bei unseren Mitgliedsunternehmen ankommt. Ich sehe darin eine tolle Gelegenheit, unsere Dienstleistungen transparenter zu machen und in den direkten Austausch mit unseren Mitgliedern zu kommen, vor allem, um zu erfahren, was sie sich von uns wünschen und welche Themen ihnen besonders wichtig sind.Was machst du, wenn du nicht bei der IHK bist?Schwimmen, Skifahren und Kaffeetrinken, am liebsten in guter Gesellschaft.
IHK-Empfang 2024
Rund 350 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Ehrenamt kamen zum IHK-Empfang 2024, der im 3.500 Quadratmeter großem Luftschiffhangar in Mülheim an der Ruhr stattfand. Mit ihrem Besuch auf dem Gelände des Flughafens Essen-Mülheim setzte die IHK gewissenermaßen einen dicken Haken rund um das Thema Erhalt, dem sie sich schon seit vielen Jahren intensiv gewidmet hat. Die neue Eventlocation Luftschiffhangar wird in der Region und darüber hinaus sehr gut angenommen.
Vor der beeindruckenden Kulisse sprach Jutta Kruft-Lohrengel den Gästen Mut zu, trotz schwieriger Zeiten positiv in die Zukunft zu blicken: „Die MEO-Region steht für wirtschaftliche Stärke und Stabilität sowie für Innovation und Zusammenhalt – gerade in Zeiten globaler Herausforderungen und wegweisender Ereignisse. Unsere Region ist und bleibt ein Beispiel für Resilienz und Fortschritt.“
Für Mülheim, Essen und Oberhausen zog die Kruft-Lohrengel ein positives Fazit – drei Städte, die gemeinsam eine immense wirtschaftliche Kraft und ein beeindruckendes Potenzial in sich tragen. Die IHK stellt sich der Aufgabe, die verschiedenen Akteure miteinander zu vernetzen, Synergien zu schaffen und eine Plattform für Austausch und Zusammenarbeit zu bieten. Die Gäste nutzen das vorhandene Angebot, um mit der IHK und den anderen Teilnehmenden in den intensiven Austausch zu treten.
IHK-Konjunkturbericht: Licht am Ende des Tunnels?
Die MEO-Wirtschaft blickte im Herbst 2024 ein Stück positiver in die Zukunft als zuletzt. Der IHK-Konjunkturklimaindex klettert über die 100-Punkte-Marke auf einen Wert von 103,7.
Treibende Kraft hinter der Erholung sind laut Industrie- und Handelskammer optimistischere – oder genauer: weniger pessimistische – Zukunftsaussichten. 21 Prozent der Unternehmen erwarten im kommenden Jahr eine bessere Geschäftslage als heute. Zu Jahresbeginn waren nur 13 Prozent von einer Verbesserung ausgegangen. Dennoch, so betont die IHK, schauen weiterhin mehr Betriebe (25 Prozent) pessimistisch als optimistisch in die Zukunft.
Ein Grund für die bessere Stimmung könnte eine leichte Entspannung auf den Energie- und Rohstoffmärkten sein. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für dieses Jahr mit etwa 20 Prozent tieferen Preisen im Jahresdurchschnitt im Vergleich zu 2023. In der IHK-Umfrage nennen 40 Prozent der Unternehmen Energie- und Rohstoffpreise als Geschäftsrisiko; zu Jahresbeginn waren es noch 59 Prozent.
Ein neues Hoch erreicht hingegen die Unzufriedenheit der MEO-Wirtschaft mit Blick auf die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Für 52 Prozent der Unternehmen stellen diese ein Geschäftsrisiko dar. Mit Abstand häufigster Kritikpunkt ist dabei eine weiter zunehmende Bürokratie. Darüber hinaus kritisieren immer mehr Unternehmen eine fehlende Kontinuität in politischen Entscheidungen.
Drei Fragen an: Leon Büttner
Wie lange bist du in der IHK und was sind deine Aufgaben?Ich habe im August 2021 meine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement bei der IHK Essen begonnen und diese im Januar 2024 erfolgreich abgeschlossen. Seitdem bin ich im Geschäftsfeld Kommunikation & Zukunft als Geschäftsfeldkoordinator tätig. In diesem Rahmen unterstütze ich aber auch unter anderem bei Foto- und Videoproduktionen für beispielsweise unser MEO-Magazin oder interne Projekte.Was war dein bisher spannendstes Projekt?Ein besonderes Highlight war für mich die Produktion eines Azubi-Videos, das den Ausbildungsberuf „Kaufleute für Büromanagement“ bei der IHK Essen vorstellt. Es war nicht nur mein erstes größeres Projekt, sondern auch eine spannende Gelegenheit, kreative Ideen einzubringen und gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zur Nachwuchswerbung zu leisten.Was machst du, wenn du nicht bei der IHK bist?Meine große Leidenschaft gilt der Musik – vor allem dem Heavy Metal. In meiner Freizeit spiele ich Gitarre und engagiere mich aktiv in verschiedenen Musik- und Rockprojekten. Außerdem unterstütze ich regelmäßig eine Band bei ihren Auftritten als Roadie, was mir viel Freude bereitet und immer wieder neue Eindrücke hinterlässt.
Austausch mit den Stadtspitzen der MEO-Region
Die Industrie- und Handelskammer zu Essen (IHK) steht im regelmäßigen Austausch mit den Stadtspitzen der MEO-Region. IHK-Präsidentin Jutta Kruft-Lohrengel empfing mit Hauptgeschäftsführerin Kerstin Groß die drei Oberbürgermeister der MEO-Region Marc Buchholz, Thomas Kufen und Daniel Schranz in den Räumen der IHK.
Im Fokus beim Austausch der Oberbürgermeister stand der zunehmende Fachkräftemangel. Jutta Kruft-Lohrengel: „Deutschland öffnet seine Türen immer weiter für internationale Fachkräfte. Unser Ziel muss es sein, so viele wie möglich von ihnen für unsere Region zu gewinnen. Nur wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen, werden Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen auf der Karte der interessanten Standorte für Fachkräfte aus dem Ausland erscheinen. Wir von der IHK werden mit unserem weltweiten Netzwerk an Auslandshandelskammern unseren Beitrag leisten.“
Pilotprojekt zur gezielten Fachkräfteeinwanderung
Die IHK-Organisation setzt gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit ein Pilotprojekt zur gezielten Fachkräfteeinwanderung um - von der Rekrutierung und Vorbereitung im Ausland bis zur Integration im Betrieb in Deutschland. Die IHK zu Essen ist – zur Freude der drei Oberbürgermeister – als einzige Kammer im Ruhrgebiet bei „Hand in Hand for International Talents“ beteiligt. Die drei Städte möchten mit ihren Welcome Centern und Ausländerbehörden dazu beitragen, dass internationale Fachkräfte, die in die Region kommen, schnell und unkompliziert die notwendigen Formalitäten erledigen können.
Ein weiteres Schwerpunktthema war die Zukunft der Innenstädte. Erst kurz zuvor hatte Innenministerin Nancy Faser die aktuelle Kriminalstatistik vorgestellt. Ein brennendes Thema, denn auch die Lage in den MEO-Innenstädten ist ernst: Es gilt eine Herkulesaufgabe zu meistern.
Vitalität der Innenstädte ist entscheidend
Stadtspitzen und IHK sind sich einig: Um die Vitalität der Innenstädte zu erhalten, ist ein gemeinschaftlicher Einsatz für mehr Sicherheit unabdingbar. Nur durch eine enge Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen Behörden, Kommunen und Unternehmerschaft kann eine sichere Umgebung für Bewohner, Besucher und Geschäftstreibende gewährleistet werden. Dabei haben alle ihre eigenen Aufgaben zu erfüllen: von Prävention und Strafverfolgung, über die Schaffung lebenswerter Räume bis hin zur unternehmerischen Verantwortung, ein sicheres Umfeld für Kunden und Mitarbeitende zu schaffen.
Eine Basis für die abgestimmte Zusammenarbeit aller Akteure und Befähigung von Unternehmen jeglicher Größe und Branche soll zukünftig das von der IHK gemeinsam mit dem ASW West e.V. ins Leben gerufene „meo-Netzwerk Wirtschaftsschutz“ sein. Hier geht es darum, durch Informationen und Vernetzung das Thema Sicherheit in den Fokus zu rücken und sich gemeinschaftlich bestmöglich vor Gefahren zu schützen.
Blick muss nach vorne gerichtet werden
Sicherheit, so der Konsens des Gesprächs, ist nicht der alleinige Faktor für die Vitalität und Zukunftsfähigkeit unsere Innenstädte. Zur Wiederbelebung der Innenstädte als attraktive Aushängeschilder mit Aufenthaltsqualität muss der Blick nach vorne gerichtet werden. Die IHK hat hier deutlich ihr Angebot formuliert, die Städte bei der Neugestaltung zu unterstützen und als Mittlerin zu agieren. Ideen finden, Visionen und Wünsche von Menschen aufnehmen, zukunftsfähige Lösungen und Angebote entwickeln, das soll gemeinsam mit den Unternehmen umgesetzt werden.
