Abkommen vor Gericht
Mercosur: Warteschleife
Die Verzögerung des Inkrafttretens des Mercosur-Abkommens durch das EU-Parlament schürt neue Unsicherheit und lässt wesentliche Chancen ungenutzt. Das Handelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten wäre ein wichtiger wirtschaftspolitischer Impuls für viele Unternehmen, die hierzulande mit hohen Kosten, Investitionszurückhaltung und unsicheren Absatzmärkten konfrontiert sind.
„Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen unsere Unternehmen verlässliche internationale Partnerschaften sowie neue Beschaffungs- und Absatzmärkte“, sagt Bianca Zorn, Vizepräsidentin der IHK Magdeburg und Vorsitzende des Außenwirtschaftsausschusses. „Das Mercosur-Abkommen eröffnet dafür reale Chancen, gerade für eine exportorientierte Wirtschaftsregion wie Sachsen-Anhalt. Deshalb ist es enorm wichtig, dass das Abkommen zügig geprüft und anschließend ratifiziert wird.“
Die Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay gelten als bedeutende Wachstumsregionen. Für die in Sachsen-Anhalt ansässigen Unternehmen aus Maschinen- und Anlagenbau, Chemie, Ernährungswirtschaft sowie den industrienahen Dienstleistungsbereichen bedeutet das Abkommen einen Abbau von Handelshemmnissen: Sinkende Zölle, klarere Regeln und mehr Rechtssicherheit würden den Marktzugang in eine Region mit über 260 Millionen Verbrauchern erleichtern.
„Unsere kleinen und mittleren Unternehmen verfügen über wettbewerbsfähige Produkte, stoßen jedoch außerhalb Europas oft auf hohe bürokratische Hürden“, so Zorn. „Sollte das Abkommen in Kraft treten, könnten auch mittelständische Betriebe ihre Aktivitäten in der Region deutlich einfacher auf- und ausbauen.“
Vizepräsident Dr. Carsten Transfeld berichtet von der Unternehmerdelegation der IHK Magdeburg nach Argentinien und Uruguay im Oktober 2025: „Durch den Besuch wurde uns klar, wie groß das dortige Interesse an der Zusammenarbeit mit Unternehmen aus dem IHK-Bezirk ist. Die Region bietet sowohl im Export als auch bei Investitionen enormes Potenzial für sachsen-anhaltische Firmen.“
Neben den Absatzmöglichkeiten ist die Sicherung der Lieferketten von zentraler Bedeutung. Die Mercosur-Staaten verfügen über wichtige Rohstoffe, landwirtschaftliche Erzeugnisse und Energieträger. Ein erleichterter Marktzugang kann Unternehmen dabei unterstützen, ihre Versorgungssicherheit nachhaltig zu stärken. „Europa darf sich im globalen Wettbewerb nicht abschotten. Das Mercosur-Abkommen ist ein wichtiger Baustein, um unsere Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig zu halten. Wir sprechen uns klar für eine Ratifizierung und die Umsetzung des Abkommens aus“, fasst Dr. Transfeld zusammen.