Unsicherheiten belasten – politische Verlässlichkeit und Strukturreformen nötig

Aufgrund geopolitischer Veränderungen, struktureller Defizite im Inland sowie einer verhaltenen Nachfrage handeln die Unternehmen der Region weiterhin vorsichtig. Der Konjunkturklimaindex zum Jahresbeginn 2026 zeigt: Die Geschäftslage hat sich stabilisiert, bei den Erwartungen für die kommenden Monate sind aber weiterhin mehr Unternehmen pessimistisch als optimistisch. Der von der IHK Hochrhein-Bodensee errechnete Index für das Konjunkturklima im Kammergebiet (bestehend aus einem Lage- und einem Erwartungsindikator) ist gegenüber der Herbstumfrage von 98 Punkten auf 108 Punkte angestiegen. „Die Unternehmen unserer Region sind nach wie vor stark gefordert. Im aktuellen Konjunkturklimaindex sehen wir aber erste Anzeichen, dass die Talsohle durchschritten sein könnte“, sagt Dr. Alexander Graf, zuständig für die Konjunkturumfrage der IHK Hochrhein-Bodensee. IHK-Hauptgeschäftsführerin Katrin Klodt-Bußmann fordert: „Die Politik muss jetzt schnell Ergebnisse liefern, um die Rahmenbedingungen für Unternehmen am Standort zukunftsfähig zu machen. Für die kommenden Monate bleiben die Erwartungen in weiten Teilen der Wirtschaft noch verhalten. Das wird auch daran deutlich, dass große Teile der Unternehmen in der Region ihre Investitionen im Inland zurückhaltend planen.“

Geschäftslage der regionalen Gesamtwirtschaft verbessert

Die Geschäftslage der Unternehmen im Kammergebiet der IHK Hochrhein-Bodensee hat sich zum Jahreswechsel gegenüber der Herbstumfrage verbessert. Insgesamt beurteilen 36 Prozent der teilnehmenden Betriebe ihre momentane Geschäftslage als gut, 47 Prozent als befriedigend und 17 Prozent als schlecht. Auch im Vergleich zum Vorjahresquartal zeigt sich die Geschäftslage damit aktuell auf einem besseren Niveau.

Industrie tritt auf der Stelle

Die Einschätzungen der Industriebetriebe zur Lage haben sich gegenüber der Herbstbefragung nicht wesentlich verändert. So berichten 23 Prozent der Unternehmen von einer guten und 15 Prozent von einer schlechten Geschäftslage. Mit 62 Prozent spricht der Großteil von einer aktuell befriedigenden Situation. Gegenüber der Herbstumfrage leicht gesunken ist der Auslastungsgrad der Kapazitäten in der regionalen Industrie. Mit 80 Prozent liegt dieser zwar leicht über dem Wert für Baden-Württemberg (77 Prozent), aber immer noch deutlich unter dem langjährigen Mittel von 85 Prozent.
Im Vergleich zum Vorjahresquartal zeigten sich die Umsätze bei fast jedem zweiten Produktionsbetrieb im Kammerbezirk im vierten Quartal 2025 rückläufig. Etwas Hoffnung macht die aktuelle Tendenz im Auftragseingang. Gaben im Herbst noch deutlich mehr Produktionsbetriebe fallende (39 Prozent) als steigende (12 Prozent) Auftragseingänge an, so hat sich dieses Verhältnis zum Jahreswechsel ausgeglichen. Jeweils rund 19 Prozent berichten von steigenden oder fallenden Auftragseingängen; bei der Mehrzahl ist der Auftragseingang gleichbleibend.

Regionaler Handel geprägt von Kaufzurückhaltung

Deutlich zurückhaltender als im vergangenen Jahr fällt die Einschätzung der aktuellen Lage im regionalen Handel aus. So hat sich die Zahl der Händler, die von einer schlechten Geschäftslage berichten, gegenüber dem Vorjahr auf 41 Prozent fast verdoppelt. 15 Prozent der befragten Händler berichten von guten Geschäften (Vorjahr: neun Prozent), der knapp größte Teil von einer befriedigenden Lage. Allerdings sind bei 57 Prozent der Händler die Umsätze gegenüber dem Vorjahresquartal gesunken. Dies bereitet mit Blick auf das abgelaufene Quartal auch deshalb Sorge, weil das Weihnachtsgeschäft den entscheidenden Anteil zum Gesamtumsatz im Handel beiträgt. Auch die aktuelle Tendenz ist wenig erbaulich. Drei von vier Händlern sprechen von einem zurückhaltenden Kaufverhalten der Kunden; nur ein Viertel der teilnehmenden Händler beschreibt dieses als saisonüblich. Von Kauffreudigkeit wird nicht berichtet.

Dienstleistungssektor erholt

Der Dienstleistungsbereich hat sich vom Herbstrückgang erholt. Mit einem deutlich positiveren Antwortverhalten berichten 57 Prozent der Dienstleister von einer guten Geschäftslage, weitere 34 Prozent von einer befriedigenden Situation und nur neun Prozent sind mit der Lage nicht zufrieden. Beim Umsatz verzeichnen 33 Prozent eine Zunahme, 37 Prozent einen Rückgang gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal. Bei der Ertragslage melden wieder deutlich mehr Unternehmen eine gute Situation als noch im vergangenen Herbst. So sind es aktuell rund 51 Prozent der Dienstleister, die ihre Ertragssituation als gut bezeichnen (Herbst: 34 Prozent), 40 Prozent sind zufrieden. Deutlich verbessert gegenüber dem Herbst zeigt sich auch der aktuelle Auftragseingang. Rund 20 Prozent der Dienstleister verzeichnen derzeit eine steigende und 58 Prozent eine gleichbleibende Tendenz. Der Anteil derer, die eine fallende Tendenz im Auftragsvolumen wahrnehmen, hat sich von 46 Prozent auf nun aktuell 22 Prozent deutlich reduziert.

Erwartungen für die kommenden Monate

Etwas weniger negativ sind die Erwartungen der Unternehmen im Kammergebiet für die kommenden Monate. Insgesamt bleiben zwar weiterhin mehr Unternehmen für die nahe Zukunft pessimistisch (22 Prozent) als optimistisch (20 Prozent), die Zahl der Optimisten hat zum Jahreswechsel aber zu- und die Zahl der Pessimisten deutlich abgenommen. Positivere Erwartungen gibt es auch im Produktionsbereich. So gehen mittlerweile wieder 26 Prozent der Betriebe von besseren Geschäften in den nächsten 12 Monaten und mehr als jedes zweite Unternehmen zumindest von einer gleichbleibenden Entwicklung aus.
Der Anteil derer im produzierenden Gewerbe, die mit einer weiteren Verschlechterung rechnen, hat sich von 32 Prozent im Herbst 2025 auf 22 Prozent zum Jahreswechsel verringert. Deutlich positiver als in der letzten Umfrage werden dabei die Exporterwartungen eingestuft. Hier verdoppelt sich der Anteil der Unternehmen, die steigende Exporte prognostizieren, von 13 auf 26 Prozent. Parallel geht die Zahl derer, die mit sinkenden Auslandsgeschäften planen, von 27 auf 17 Prozent zurück. „Wie anfällig aber das Exportgeschäft gegenüber kurzfristig getroffenen geopolitischen Entscheidungen reagieren kann, dürfte aufgrund der Erfahrungen im vergangenen Jahr allen exportierenden Unternehmen bewusst sein“, sagt Dr. Alexander Graf.
In der Dienstleistungsbranche rechnet der Großteil der Unternehmen weiter mit konstanten Geschäften (66 Prozent). Gegenüber der Herbstbefragung hat sich auch hier die Zahl der Unternehmen, die für die kommenden Monate eine Verbesserung voraussehen, von 14 Prozent auf 22 Prozent erhöht, während sich gleichzeitig der Anteil derjenigen, die eine Verschlechterung der Geschäftsentwicklung prognostizieren, von 28 auf 12 Prozent reduziert hat.
Im Handel gehen – mit 28 Prozent – etwas weniger Unternehmen als noch im Herbst von schlechteren Geschäftsverläufen für die kommenden Monate aus. 63 Prozent der befragten Händler erwarten ein gleichbleibendes Niveau, neun Prozent rechnen mit besseren Geschäften. Der Blick nach vorne fällt damit leicht positiver aus als dies vor einem Jahr der Fall war. Gleichwohl sehen 69 Prozent weiter fallende inländische Umsätze voraus. Mit kauffreudigen Konsumenten rechnen die wenigsten Handelsbetriebe in den kommenden Monaten.

Zurückhaltung bei Investitionen hält an

„Das schwierige außenwirtschaftliche Umfeld, die ungelösten Strukturprobleme am Standort Deutschland und die inländische Kaufzurückhaltung schlagen sich auf die Investitionsabsichten der Unternehmen in der Region nieder“, erläutert Dr. Alexander Graf. Diese gehen gegenüber dem Vorjahr nochmals zurück und bleiben deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Dabei hat sich die Zahl der Unternehmen, die in den kommenden zwölf Monaten überhaupt keine Investitionen vornehmen wollen, auf Jahressicht bei 15 Prozent eingependelt. Von einer Reduktion des Investitionsvolumens gegenüber dem Vorjahr gehen aktuell 36 Prozent aus, 39 Prozent wollen dieses auf Vorjahresniveau belassen. Neben der Ersatzbeschaffung (80 Prozent) planen die Unternehmen Investitionen insbesondere in die Digitalisierung (56 Prozent) und im produzierenden Gewerbe auch weiter in Rationalisierungsmaßnahmen (54 Prozent). In Kapazitätserweiterungen wollen nur rund elf Prozent aller Betriebe investieren, die meisten hiervon kommen aus dem Dienstleistungsbereich.
Der konjunkturellen Lage und den verhaltenen Aussichten folgend, gestalten sich die Personalplanungen der Unternehmen in der Region zurückhaltend. Der überwiegende Teil – 61 Prozent – geht von einer konstanten Anzahl beschäftigter Personen und 27 Prozent von fallenden Beschäftigtenzahlen in den kommenden zwölf Monaten aus.

Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung

Die Inlandsnachfrage bleibt zum Jahreswechsel das von den Betrieben in der Region (59 Prozent) am häufigsten genannte Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung. Wie in der Herbstbefragung folgen die Nennungen Arbeitskosten (53 Prozent) und Fachkräftemangel (45 Prozent) in der Häufigkeit; Inlandsnachfrage und Fachkräftemangel weisen dabei allerdings jeweils fallende Tendenzen auf. Deutlich zugenommen haben bei den Unternehmen dagegen die Sorgen um den aktuellen Kurs der Wirtschaftspolitik. 41 Prozent der befragten Unternehmen sieht darin ein Geschäftsrisiko. „Hohe Energie- und Arbeitskosten, Steuern und überbordende Bürokratie belasten die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und sind strukturelle Defizite des Wirtschaftsstandorts Deutschland“, betont IHK-Hauptgeschäftsführerin Prof. Dr. Katrin Klodt-Bußmann. Dass viele Unternehmen unter Druck sind, zeigen auch die jüngst veröffentlichten Insolvenzzahlen: Für den Oktober 2025 wurde die höchste Zahl an insolvenzbedingten Betriebsaufgaben seit elf Jahren verzeichnet.
„Die Politik muss den gut gemeinten Worten endlich wirtschaftsfreundliche Taten folgen lassen. Alle Unternehmen, unabhängig ihrer Größe, benötigen verlässliche Rahmenbedingungen, um die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu bewältigen“, so Prof. Dr. Katrin Klodt-Bußmann. Im derzeitigen Umfeld sieht die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) für die Wirtschaftsentwicklung im gesamten Bundesgebiet für das Jahr 2026 nur ein geringes Wachstum von 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) voraus.

Zahlen und Daten

Wie Ihre Beteiligung zukünftig möglich ist

Wir freuen uns jederzeit über neue Unternehmensbeteiligungen. Welche Vorteile diese Ihnen bringen, haben wir für Sie in der Übersicht IHK-Konjunkturumfrage zusammengestellt.
Über den IHK-Konjunkturklimaindex:
Die IHK Hochrhein-Bodensee erhebt den IHK-Konjunkturklimaindex drei Mal im Jahr. Er wird als geometrisches Mittel aus den Salden der positiven und negativen Antworten auf die Fragen zur Lage und zur zukünftigen Entwicklung der Geschäfte berechnet. Die Konjunktur entwickelt sich tendenziell positiv, wenn der Klimaindex zunimmt. Nimmt er ab, verschlechtert sich hingegen tendenziell die wirtschaftliche Entwicklung. Zudem kann man feststellen, dass die Konjunktur umso besser läuft, je stärker der Index sich seinem Maximalwert von 200 annähert. Je näher er seinem Minimalwert von 0 kommt, desto schlechter steht es um die Konjunktur.