Wirtschaftsbericht Frühsommer 2026
Folgen des Nahost-Konflikts drücken die Konjunkturentwicklung
Die Entwicklung im Nahen Osten mit anhaltenden Auswirkungen auf die weltweite Ölversorgung und auf die Lieferketten hat der Hoffnung der Betriebe auf eine Erholung der schwächelnden Konjunktur in der Region einen Rückschlag versetzt. Sowohl die Bewertung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen der Wirtschaft für die kommenden Monate fallen deutlich negativer aus. Der Index für das Konjunkturklima in der Region (bestehend aus einem Lage- und einem Erwartungsindikator), den die IHK Hochrhein-Bodensee errechnet, ist gegenüber dem Jahreswechsel von 108 Punkten auf 95 gefallen.
„Die Ereignisse im Nahen Osten und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft spüren auch die Betriebe am Hochrhein und am Bodensee“, sagt Dr. Alexander Graf, zuständig für die Konjunkturumfrage der IHK Hochrhein-Bodensee. „Gestiegene Energie- und Rohstoffpreise machen sich in vielen Unternehmen bemerkbar und haben großteils direkte Auswirkungen auf die Erträge. Und auch die Verbraucher sind aufgrund gestiegener Preise vorsichtig geworden. Kein Wunder also, wenn die Wirtschaft in der Region sich in weiten Teilen wenig optimistisch zeigt und Inlandsinvestitionen zurückhaltend plant.“
Geschäftslage der regionalen Gesamtwirtschaft
Eine positive Einschätzung der aktuellen Geschäftslage durch die Unternehmen ist im Vergleich zum Jahreswechsel seltener geworden. Insgesamt beurteilen nur noch 26 Prozent der teilnehmenden Betriebe ihre momentane Geschäftslage als gut, 54 Prozent bezeichnen diese als befriedigend und 20 Prozent als schlecht. Rückläufig entwickelten sich auch die Werte im Hinblick auf die Ertragslage. Aktuell berichten 55 Prozent der Unternehmen von befriedigenden und 26 Prozent von schlechten Erträgen. Der Anteil der Unternehmen, die von einer guten Lage sprechen, hat sich von 35 Prozent zu Jahresbeginn auf 22 Prozent in der aktuellen Umfrage verringert.
Industrie stabil
„Die Einschätzungen der Industriebetriebe zur Lage zeigen sich aktuell noch relativ stabil“, sagt Alexander Graf. So berichten 28 Prozent der Unternehmen von einer guten und 48 Prozent von einer befriedigenden Geschäftslage. Dennoch hat sich der Anteil der Produktionsbetriebe, die ihre Geschäftslage als „schlecht“ bezeichnen, von 15 auf 24 Prozent vergrößert. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich in der Ertragslage. Mit 30 Prozent sprechen mehr Produktionsbetriebe von einer schlechten als von einer guten (18 Prozent) Ertragslage. Zu Jahresbeginn war dieses Verhältnis noch ausgeglichen. Keine Veränderung gibt es im Auslastungsgrad der Kapazitäten der regionalen Industrie. Dieser liegt weiter bei rund 80 Prozent und damit leicht über dem Wert für Baden-Württemberg (78,5 Prozent), aber immer noch deutlich unter dem langjährigen Mittel.
An positiven Impulsen für die Industrie mangelt es aktuell. Das zeigt auch die Tendenz im Auftragseingang. So berichten mit je 31 Prozent ebenso viele Produktionsbetriebe von steigenden wie von fallenden Auftragseingängen, während 37 Prozent gleichbleibende Auftragseingänge verzeichnen.
Regionaler Handel vermisst Konsumfreudigkeit
Die Einschätzung der Geschäftslage im Handel fällt im Frühjahr leicht besser aus als zum Jahreswechsel, obwohl weiter deutlich mehr Händler von schlechten als von guten Geschäften sprechen. So beurteilen nur neun Prozent der Befragten ihre Lage aktuell als gut, der überwiegende Teil – 59 Prozent – berichtet von einer befriedigenden Lage. Bei 32 Prozent (Jahreswechsel: 41 Prozent) sieht die aktuelle Geschäftslage weiter schlecht aus. Insgesamt 43 Prozent der Händler berichten von gegenüber dem Vorjahresquartal gesunkenen Umsätzen. Wenig Optimismus besteht beim Konsumverhalten der Kunden: 76 Prozent der teilnehmenden Händler berichten von zurückhaltendem Konsum, nur 24 Prozent von einem saisonüblichen Verhalten der Kundschaft. „Die gestiegene Inflation entzieht den Haushalten spürbar Kaufkraft, so dass das verfügbare Einkommen offensichtlich überwiegend nur für notwendige Ausgaben und Beschaffungen ausgegeben wird“, erläutert Alexander Graf.
Dienstleistungssektor gebremst
Der Dienstleistungsbereich ist auch im Frühjahr weiter überwiegend positiv, die Indikatoren zeigen sich seit Jahresbeginn allerdings deutlich rückläufig. So hat sich die Zahl der Dienstleister, die von einer guten Geschäftslage sprechen, von 57 auf 37 Prozent verringert. Der Anteil derer, die von einer schlechten Lage berichte, ist von neun auf 14 Prozent gestiegen. Auch beim Ertrag ist die Anzahl der Betriebe mit guten Zahlen deutlich gesunken: von 51 auf 37 Prozent. „Die Tendenz im aktuellen Auftragseingang zeigt, dass sich der Dienstleistungsbereich nicht von der unsicheren Konjunkturlage lösen kann“, so Alexander Graf. Während der Anteil der Dienstleister mit tendenziell steigendem Auftragsvolumen bei 23 Prozent liegt, berichten mit 34 Prozent der Befragten mehr Unternehmen als zu Jahresbeginn (21 Prozent) von einem fallenden Auftragsvolumen. Bei 43 Prozent der Dienstleister zeichnet sich momentan ein gleichbleibendes Auftragsvolumen ab. „Eine eingeschränkte Industrie- und Konsumnachfrage einerseits sowie gestiegene Arbeitskosten andererseits dürften hier eine dämpfende Rolle spielen“, erläutert Alexander Graf.
Erwartungen für die kommenden Monate
Die Geschäftserwartungen in der Region Hochrhein-Bodensee gehen insgesamt zurück. Der Saldo (die Differenz zwischen den guten und den schlechten Erwartungen) verändert sich gegenüber dem Jahresbeginn negativ und steht nun bei -15 Punkten. Die Zahl der Betriebe, die negative Geschäftsverläufe erwarten, steigt von 22 auf 34 Prozent. 46 Prozent aller befragten Unternehmen sieht für die kommenden zwölf Monate gleichbleibende Geschäfte voraus, 20 Prozent rechnen mit einem besseren Geschäftsverlauf. Insgesamt aber bleiben damit auch weiterhin mehr Unternehmen für die nahe Zukunft pessimistisch als optimistisch.
Unter den Dienstleistern im Kammerbezirk erwartet die Mehrheit (59 Prozent) gleichbleibende Geschäfte. Die Zahl der Optimisten, die bessere Geschäftsverläufe für die kommenden Monate prognostizieren, reduziert sich im Dienstleistungsbereich von 22 auf nunmehr 14 Prozent. Die Zahl der Pessimisten nimmt von 12 auf 27 Prozent zu.
Wenig Hoffnung auf Belebung sieht aktuell der Handel in der Region. Unter den Handelsbetrieben rechnen 43 Prozent mit gleichbleibenden Geschäften. Immerhin erwarten 14 Prozent wieder einen positiveren Geschäftsverlauf, während aber bei 43 Prozent der Betriebe ein negativer Ausblick besteht.
Dagegen haben sich die Erwartungen unter den Produktionsbetrieben in Bezug auf die weitere Geschäftsentwicklung leicht verbessert. Der Anteil der Produktionsbetriebe, die von einem gleichbleibenden Geschäftsverlauf ausgehen, geht gegenüber dem Jahreswechsel von 52 auf 42 Prozent zurück. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Produktionsbetriebe, die eine Verbesserung der Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten erwarten, von 26 auf 34 Prozent an. Die Anzahl der Betriebe, die mit schlechteren Geschäften rechnen, bleibt mit 23 Prozent in etwa konstant. Die Exporterwartungen insgesamt sind, trotz der aktuell vorherrschenden globalen politischen Unsicherheiten, bei 34 Prozent der Industriebetriebe in der Region positiv. Sie gehen von steigenden Exporten in den kommenden Monaten aus. Ihnen stehen 28 Prozent der Betriebe gegenüber, die fallende oder gar keine Exporte in der nächsten Zeit voraussehen.
„Die Auswirkungen des Nahost-Konflikts treffen auf die ungelösten Strukturprobleme am Standort Deutschland“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Prof. Dr. Katrin Klodt-Bußmann. „Das sorgt in Summe dafür, dass die geplanten Inlandsinvestitionen der Unternehmen auch im Frühjahr weiter deutlich unter dem langjährigen Mittel liegen.“ Insbesondere der Dienstleistungsbereich fährt Investitionen deutlich zurück. So planen 48 Prozent der Dienstleister in der Region aktuell mit geringeren oder gar keinen Investitionen im Inland in den kommenden 12 Monaten. Dies sind deutlich mehr als zu Jahresbeginn (30 Prozent). Die Dienstleister folgen damit zeitversetzt den bereits reduzierten Investitionsbudgets von Produktion und Handel. Unter den Produktionsbetrieben liegt der Wert der Betriebe mit geringeren oder gar keinen Investitionen im Inland bei 40 Prozent, unter den Händlern bei 42 Prozent.
Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg stehen bei den Betrieben, die investieren, neben der Ersatzbeschaffung (67 Prozent) insbesondere Investitionen in die Digitalisierung (55 Prozent) im Vordergrund. Investitionen in Kapazitätserweiterungen werden aktuell nur von 18 Prozent der Betriebe in Betracht gezogen. Jeder zweite Produktionsbetrieb möchte in Rationalisierungsmaßnahmen investieren, im Handel planen zwei Drittel der Betriebe Vertriebs- und sonstige Innovationen vorzunehmen.
Entsprechend vorsichtig agieren die befragten Unternehmen aktuell beim Aufbau von Personal. So planen nur noch sechs Prozent von ihnen den Mitarbeiterstamm in den kommenden zwölf Monaten zu erhöhen, 28 Prozent sehen dagegen tendenziell eher einen Abbau voraus. Zwei Drittel der Betriebe aber gehen von einer konstanten Belegschaftsgröße aus.
Entsprechend vorsichtig agieren die befragten Unternehmen aktuell beim Aufbau von Personal. So planen nur noch sechs Prozent von ihnen den Mitarbeiterstamm in den kommenden zwölf Monaten zu erhöhen, 28 Prozent sehen dagegen tendenziell eher einen Abbau voraus. Zwei Drittel der Betriebe aber gehen von einer konstanten Belegschaftsgröße aus.
Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung
„Für den Konjunkturverlauf der kommenden Monate wird viel von der Entwicklung im Nahen Osten abhängen. Je länger der Konflikt ungelöst bleibt und je länger die Beeinträchtigungen der globalen Wirtschaftsströme anhalten, desto stärker werden die Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft ausfallen“, betont Hauptgeschäftsführerin Katrin Klodt-Bußmann. Die geopolitischen Spannungen werden in der Bewertung der Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen in der Region Hochrhein-Bodensee aktuell am häufigsten (bei zwei Dritteln) genannt. Die Energiepreise, die in Folge der Blockade der Straße von Hormus gestiegen sind, haben als Risiko an Bedeutung ebenso gewonnen (60 Prozent) wie die Arbeitskosten, die in der Bewertung gegenüber dem Jahreswechsel von 58 Prozent der Betriebe (gegenüber 53 Prozent zu Jahresbeginn) als Risiko genannt werden. Im Produktionsbereich hat zudem die Sorge um steigende Rohstoffpreise stark zugenommen. Diese Sorge äußern in der aktuellen Umfrage 69 Prozent der Produktionsbetriebe gegenüber 37 Prozent zu Jahresbeginn. Deutlich zurückgegangen ist dagegen die Bewertung des Fachkräftemangels als Risiko. Nur noch 31 Prozent aller teilnehmenden Betriebe sehen ihn als hemmenden Faktor für den Geschäftsverlauf.
„Obwohl aktuell die Sorgen um den weiteren Verlauf des Nahost-Konflikts dominieren, dürfen die Bestrebungen nicht aus dem Blick geraten, die strukturellen Defizite des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu beheben. Hohe Kosten, im internationalen Vergleich hohe Unternehmenssteuern und überbordende Bürokratie belasten die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen“, sagt Katrin Klodt-Bußmann. „Entsprechend ist die Politik gefordert, Vertrauen und Verlässlichkeit zu schaffen und die nationalen und europäischen Rahmenbedingungen so anzupassen, dass diese Defizite behoben werden. Das für Sommer angekündigte Reformpaket kann ein Anfang werden, sofern die für Unternehmen so wichtigen Themen Bürokratieabbau, Steuern und Lohnnebenkosten auch tatsächlich nachhaltig positiv angegangen werden.“
Zahlen und Daten
Wie Ihre Beteiligung zukünftig möglich ist
Wir freuen uns jederzeit über neue Unternehmensbeteiligungen. Welche Vorteile diese Ihnen bringen, haben wir für Sie in der Übersicht IHK-Konjunkturumfrage zusammengestellt.
Über den IHK-Konjunkturklimaindex:
Die IHK Hochrhein-Bodensee erhebt den IHK-Konjunkturklimaindex drei Mal im Jahr. Er wird als geometrisches Mittel aus den Salden der positiven und negativen Antworten auf die Fragen zur Lage und zur zukünftigen Entwicklung der Geschäfte berechnet. Die Konjunktur entwickelt sich tendenziell positiv, wenn der Klimaindex zunimmt. Nimmt er ab, verschlechtert sich hingegen tendenziell die wirtschaftliche Entwicklung. Zudem kann man feststellen, dass die Konjunktur umso besser läuft, je stärker der Index sich seinem Maximalwert von 200 annähert. Je näher er seinem Minimalwert von 0 kommt, desto schlechter steht es um die Konjunktur.
Die IHK Hochrhein-Bodensee erhebt den IHK-Konjunkturklimaindex drei Mal im Jahr. Er wird als geometrisches Mittel aus den Salden der positiven und negativen Antworten auf die Fragen zur Lage und zur zukünftigen Entwicklung der Geschäfte berechnet. Die Konjunktur entwickelt sich tendenziell positiv, wenn der Klimaindex zunimmt. Nimmt er ab, verschlechtert sich hingegen tendenziell die wirtschaftliche Entwicklung. Zudem kann man feststellen, dass die Konjunktur umso besser läuft, je stärker der Index sich seinem Maximalwert von 200 annähert. Je näher er seinem Minimalwert von 0 kommt, desto schlechter steht es um die Konjunktur.
