Wirtschaftslage Frühjahr 2026

Konjunkturbericht der IHK Köln Frühjahr 2026

Zum Frühjahr 2026 bleibt die konjunkturelle Lage in der Region weiter kritisch.
Der Konjunkturklimaindikator, der die Gesamtstimmung in der Wirtschaft ausdrückt, verschlechtert sich zur Vorumfrage erneut auf inzwischen nur noch 85 Punkte. Er verbleibt im negativen Bereich. Eine Trendumkehr ist weiterhin nicht erkennbar.

Geschäftslage

Die gesamtwirtschaftliche Lage in der Region verharrt zum sechsten Mal in Folge im negativen Bereich. 29 Prozent der Unternehmen geben eine schlechte Lage an, weniger als ein Viertel der Unternehmen eine gute. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen tritt weiter auf der Stelle und gibt eine befriedigende Lage an.

Geschäftsaussichten

Die Erwartungen bleiben pessimistisch und verschlechtern sich im Vergleich zur Vorumfrage um mehr als sieben Punkte. Nur 11 Prozent gehen von einer Verbesserung der Situation in den nächsten Monaten aus. 56 Prozent der Unternehmen geben eine unveränderte Lage an. 33 Prozent befürchten eine Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage in den nächsten zwölf Monaten (Vorumfrage: 26 Prozent).

Investitionen

Der Indikator zur Investitionsbereitschaft der Unternehmen in der Region bleibt weiterhin zurückhaltend und verschlechtert sich um fast zwei Punkte. Er verbleibt deutlich negativ im Saldo bei 11,5 Punkten (Vorumfrage: -10 Punkte). Mehr als jedes dritte Unternehmen plant mit niedrigeren Investitionen. Weniger als jedes vierte Unternehmen plant Investitionen auszuweiten.

Beschäftigung

Die schwache Konjunktur wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Der Beschäftigungsindikator verschlechtert sich im Vergleich zur Vorumfrage erneut und liegt im Saldo bei -15,9 Punkten. So plant weiterhin mehr als ein Viertel der Betriebe eine Verringerung des Personalstands. Lediglich 11 Prozent wollen die Beschäftigtenzahl erhöhen. Der Großteil der Unternehmen (62 Prozent) hat nicht vor, den Personalstand zu ändern.

Risiken

Die Sorge um höhere Energiepreise verdrängt die Inlandsnachfrage als Hauptrisiko und macht 61 Prozent der Unternehmen zu schaffen. Die Inlandsnachfrage bleibt mit knapp 60 Prozent dicht dahinter. Auf Platz drei belasten die Arbeitskosten viele Unternehmen (57 Prozent). Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden als Risiko wieder häufiger angegeben. Sie werden weiterhin von mehr als der Hälfte der befragten Unternehmen genannt.

Export

Die anhaltenden Zollkonflikte, der Konflikt in der Straße von Hormus und die damit verbundenen Unsicherheiten schränken den freien Welthandel weiterhin ein und belasten die exportorientierte Industrie. Im Ergebnis bleiben die Exporterwartungen schlecht. Aktuell gehen 45 Prozent der Industrieunternehmen von einem Rückgang des Exportgeschäfts in den kommenden zwölf Monaten aus. 47 Prozent erwarten eine gleichbleibende Entwicklung, nur jedes achte Unternehmen einen Anstieg. Insgesamt bleibt der Exportindikator mit -37 Punkten sehr stark im negativen Bereich (Vorumfrage: -28 Punkte).

Konjunkturklima und Prognosen

Nach einer kurzen Phase der Hoffnung auf Stabilisierung im Frühjahr 2025 hat sich die konjunkturelle Lage im Herbst 2025 und zu Jahresbeginn 2026 wieder verschlechtert. Dieser Trend setzt sich auch für die aktuelle Umfrage (Frühjahr 2026) fort. Der IHK-Konjunkturklimaindikator verharrt in einer seitlich verlaufen den Stagnation und hat sich im Vergleich zur vorherigen Umfrage weiter eingetrübt. Er ist für den Kammerbezirk Köln von 89,3 auf 85,2 Punkte gefallen und liegt weiterhin deutlich unter der neutralen Marke von 100 Punkten.
Während sich die Geschäftslage nur leicht verschlechtert hat (–8,1 Punkte), haben sich die Erwartungen (–21,1 Punkte) sehr stark eingetrübt. Damit setzt sich der negative Trend fort, eine Trendumkehr bleibt aus. Vor allem die schwache Inlands- und Auslandsnachfrage bereitet den Unternehmen weiterhin Sorgen. Aufträge bleiben aus, Investitionen werden verschoben, und auch die Beschäftigungserwartungen sind zurückhaltend. Hohe Kosten, insbesondere für Energie und Vorleistungen, belasten die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich.
Im Frühjahr war noch spürbar, dass viele Unternehmen auf eine Bodenbildung und eine allmähliche Stabilisierung gesetzt hatten. Diese Hoffnung hat sich in der Herbstumfrage 2025 zerschlagen. Über den Jahresbeginn 2026 hat sich ein pessimistischer Blick fortgesetzt, der sich mit der aktuellen Frühjahrsumfrage 2026 wieder verstetigt hat. Trotz politischer Ankündigungen zu Entlastungen und Standortreformen sind in der Praxis bislang kaum Verbesserungen spürbar. Um den Wirtschaftsstandort Köln und die Region zu stärken, braucht es jetzt konkrete Impulse: Planungsbeschleunigung, geringere Energie- und Steuerbelastungen sowie verlässliche Rahmenbedingungen sind entscheidend, um Investitionen wieder anzuregen und die konjunkturelle Abwärtsspirale zu durchbrechen.

Die Ergebnisse für den IHK-Bezirk Köln im Einzelnen

Geschäftslage

Die gesamtwirtschaftliche Lage in der Region verharrt zum sechsten Mal in Folge im negativen Bereich (-8 Punkte). 29 Prozent der Unternehmen geben eine „schlechte“ Lage an (Vorumfrage: 30 Prozent). Nur 21 Prozent geben eine „gute“ Lage an (Vorumfrage: 23 Prozent). Fast die Hälfte der befragten Unternehmen tritt weiter auf der Stelle und gibt eine befriedigende Lage an. Der Negativtrend, der zum Frühjahr 2025 überwunden schien, hat sich leider über mehrere Erhebungszeiträume weiter fortgeschrieben. Der Indikator für die Geschäftslage stagniert weiterhin in einem negativen Korridor und ohne erkennbaren Impuls. Im Dienstleistungssektor ist die Lage weiter deutlich besser als in Industrie und im Handel.

Erwartungen

Die Erwartungen haben sich im Vergleich zur Vorumfrage vom Jahresanfang 2026 um mehr als sieben Punkte verschlechtert. 56 Prozent der Unternehmen geben eine unveränderte Geschäftserwartungen an. 33 Prozent befürchten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in den nächsten zwölf Monaten (Vorumfrage 26 Prozent). Lediglich 11 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung (Vorumfrage 12 Prozent). Der Saldo verbleibt mit -21,1 Punkten weiterhin in einem deutlich negativen Be reich. Auch hier zeigt sich, dass der verhaltene Optimismus aus dem Frühjahr 2025 nicht nachhaltig an gehalten hat.

Investitionen

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen in der Region bleibt weiterhin zurückhaltend. Die unsichere geopolitische Lage, Handelskonflikte und nicht gelöste strukturelle Probleme belasten die Wirtschaft. Im Ergebnis bleibt die Investitionsbereitschaft im roten Bereich und liegt im Saldo bei -11,5 Punkten (Vorumfrage: -10,2 Punkte). 23 Prozent planen demnach höhere (Vorumfrage: 25 Prozent), 35 Prozent niedrigere Investitionen (Vorumfrage 35 Prozent). 42 Prozent gehen von gleichbleibenden Investitionen aus. Auch in der Industrie bleiben weiter Investitionen aus. Nur 23 Prozent der Betriebe planen eine Ausweitung.

Investitionsmotive

Bei den Investitionsmotiven setzt sich der Trend fort, dass Rationalisierung auf einem hohen Niveau von knapp 35 Prozent angegeben wird und die Kapazitätsausweitung als Motiv auf einem niedrigen Niveau von 15 Prozent verharrt. Der Ersatzbedarf stellt weiter das wichtigste Motiv dar. Knapp 70 Prozent der Unternehmen geben die Deckung des Ersatzbedarfs als Hauptmotiv an. Ein knappes Viertel der Unternehmen investieren vor dem Hintergrund von Produktinnovationen. Der Trend der letzten Jahre, dass vermehrt Umweltschutz als Investitionsmotiv genannt wird, bleibt weiterhin untergeordnet und wird nur noch von 13 Prozent angegeben.

Arbeitsmarkt

Zum Jahresbeginn 2026 bleiben die Beschäftigungsaussichten weiterhin pessimistisch und verschlechtern sich im Vergleich zur vorherigen Umfrage minimal. Ein Großteil der Unternehmen plant weiterhin keine Veränderung beim Personalstand (62 Prozent). Viele Unternehmen stehen aber unter enormen Kostendruck. In der Folge verbleibt der Indikator mit 15,9 Punkten negativ. Weiterhin planen nur 11 Prozent der Unternehmen mit mehr Beschäftigten. 27 Prozent der Unternehmen planen hingegen mit einem geringeren Stand. Damit ist der Indikator bereits zum neunten Mal in Folge negativ. Die schwache Konjunktur belastet weiterhin den Arbeitsmarkt. RISIKEN Zahlreiche Risiken belasten weiterhin die wirtschaftlichen Aktivitäten der Unternehmen: Vier Risiken wer den von mehr als jedem zweiten Unternehmen genannt. Die Energiepreise werden als Hauptrisiko genannt und machen 61 Prozent der Unternehmen zu schaffen. Weiterhin belasten die fehlende Inlandsnachfrage (knapp 60 Prozent), die Arbeitskosten (57 Prozent) sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (knapp 51 Prozent) die Unternehmen im Kölner Kammerbezirk. Die angespannte Lage am Arbeitsmarkt zeigt sich an der Einschätzung zum Fachkräftemangel, der weiterhin von zunehmend weniger Unternehmen als in den letzten Jahren genannt wird (37 Prozent).

Entwicklung in den Branchen

Die Schere zwischen Dienstleistungs- sowie Industrie- und Handelsunternehmen bleibt weiterhin groß. Der Dienstleistungssektor trotz noch dem Negativtrend aus dem Industrie- und Handelsbereich, bewegt sich jedoch zunehmend auf diese Sektoren zu. Die Lage der Dienstleister ist nur noch leicht positiv (Saldo: 5,2 Punkte). Die Lage in der Industrie verbessert sich zur Vorumfrage (von -26,6) auf -18,4 Punkte. Sie vermag es jedoch nicht den übergeordneten Abwärtstrend zu verlassen. Gleiches gilt auch für den Handel, der seinen Abwärtstrend fortsetzt und im Saldo bei -28 Punkten liegt.
Insgesamt bleiben die Geschäftsaussichten über alle Sektoren hinweg pessimistisch. Die Erwartungen bewegen sich weitgehend seitwärts und in einem negativen Korridor. In der Industrie sind diese erneut um 8 Punkte gefallen (Saldo: -33,6 Punkte). Bei den Dienstleistern haben sich die Erwartungen zur vorherigen Umfrage um 14 Punkte stark eingetrübt (Saldo: - 20,3 Punkte), im Handel haben die Erwartungen zur vorherigen Umfrage ebenfalls leicht nachgegeben (Saldo: - 14,4 Punkte).

Industrie: Konjunkturklima und Prognosen

Das Konjunkturklima in der Industrie befindet sich auch zum Frühjahr 2026 weiterhin im Krisenmodus. Alle Konjunkturindikatoren bleiben im negativen, roten Bereich. Die Hoffnung auf eine Trendumkehr aus dem Frühjahr 2025 hat sich über die letzten Erhebungszeiträume nicht bewahrheitet. Die Geschäftslage hat sich zur Vorumfrage nur um knapp 8 Punkte aufgehellt. 33 Prozent der Industrieunternehmen geben weiterhin eine schlechte Geschäftslage an (Vorumfrage: 41 Prozent). Lediglich 14 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Lage als gut bzw. besser (Vorumfrage: 14 Prozent). Die Erwartungen haben sich zur Vorumfrage sogar weiter verschlechtert. Nur 8 Prozent der Industriebetriebe gehen von einer Verbesserung in den nächsten Monaten aus (Vorumfrage: 11 Prozent). 42 Prozent erwarten eine weitere Verschlechterung (Vorumfrage: 36 Prozent). Weiterhin befürchtet mehr als jedes dritte Industrieunternehmen (45 Prozent) in der Folge weniger zu exportieren. Dementsprechend zurückhaltend sind auch weiterhin die Investitions- und Beschäftigungsaussichten in der Industrie.

Industrie: Kapazitätsauslastung

Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung in der Industrie ist zum Frühjahr 2026 wieder leicht angestiegen und liegt aktuell bei 73,1 Prozent (Vorumfrage: 70,4%). Trotz der leichten Erholung liegt sie immer noch deutlich unter dem Durchschnitt von 78 Prozent. Eine Auslastung von über 85 Prozent melden lediglich knapp 25 Prozent der Unternehmen (Vorumfrage: 21 Prozent). Knapp 43 Prozent sehen ihre Kapazitäten zu 71 bis 85 Prozent ausgelastet (Vorumfrage: 42 Prozent), während 25 Prozent eine Auslastung von 50 bis 70 Prozent angeben (Vorumfrage: 27 Prozent). Bei knapp 8 Prozent der Unternehmen liegt die Auslastung unter 50 Prozent (Vorumfrage: 11 Prozent).

Industrie: Auftragseingang

Bei den Auftragseingängen in der Industrie bleibt die Lage ebenfalls angespannt. Lediglich 15 Prozent der Industriebetriebe verzeichnen steigende Auftragseingänge. 35 Prozent geben eine unveränderte Auftragslage an. 50 Prozent – und damit erneut eine Mehrheit– geben hingegen sinkende Auftragseingänge an. Im Ergebnis dominieren weiterhin sinkende Auftragseingänge die Geschäftslage, weshalb von einer Trendumkehr in der Industrie nach wie vor keine Rede sein kann.