Ressourcen länger im Kreislauf halten, weniger abhängig von Rohstoffen sein – das ist die Basis von Kreislaufwirtschaft. Beim großen Circular Economy Forum in der IHK Köln ging es einen ganzen Tag lang darum, wie man Kreislaufwirtschaft in die Praxis umsetzen kann.
„Wir sind uns in der IHK einig, dass Ökonomie und Ökologie zusammen gedacht werden sollten“, sagte IHK-Präsidentin Dr. Nicole Grünewald zur Begrüßung. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Uwe Vetterlein ergänzte: „Ich bin dankbar, dass Ihnen das Thema am Herzen liegt und dass so viele von Ihnen gekommen sind.“
IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Uwe Vetterlein bei der Eröffnung
Ob beim Thema Energie, Ressourcenschonung oder Biodiversität: Im Fokus stehe immer die Frage, wie Unternehmen wirtschaftlich arbeiten und trotzdem die Natur schonen können. Kurz gesagt: Ökonomie und Ökologie gemeinsam leben. „Heute geht es darum, zu lernen, wie man mit Zirkularität auch wirtschaftlichen Erfolg haben kann. Ich wünsche mir, dass Sie alle eine praktische Anregung mit nach Hause nehmen können“, sagte Vetterlein.
Dazu standen am Vormittag verschiedene Exkursionen auf dem Programm. Eine Gruppe war bei der Bayer AG in Leverkusen zu Gast, um dort der Frage nachzugehen, wie sich Materialeinsatz, Abfall und CO₂-Fußabdruck in der Pharmaindustrie konsequent reduzieren lassen. Eine weitere Exkursion führte auf das Gelände des Ville Campus in Erftstadt, wo zirkulär gebaut wird. Die dritte Gruppe besuchte das Umwelt- und Innovationszentrum :metabolon auf der ehemaligen Mülldeponie Leppe in Lindlar.
Den ganzen Tag über gab es Vorträge in der Alten Schalterhalle.
In Workshops in kleinerer Runde wurden die Themen vertieft.
Im Foyer hatten Firmen Infostände aufgebaut.
Am Nachmittag ging es dann in großer Runde in der IHK mit Vorträgen und Fachsessions zum Thema Kreislaufwirtschaft weiter. Im Foyer hatten außerdem verschiedene Unternehmen Infostände aufgebaut.
„Hitze wird das große Thema sein, auch für Sie als Unternehmer"
Wetter- und Klimaexperte Frank Böttcher brachte in seinem Vortrag eindringlich auf den Punkt, wie ernst es mit dem Klimawandel bereits ist. „Hitze wird das große Thema sein, auch für Sie als Unternehmer. Wir geraten langsam in eine andere Klimazone. Das bedeutet: andere Ansprüche an Kühlung von Gebäuden und Lagern, das müssen Unternehmen jetzt schon mitbedenken“, machte er deutlich.
Wetter- und Klimaexperte Frank Böttcher brachte in seinem Vortrag eindringlich auf den Punkt, wie ernst es mit dem Klimawandel bereits ist.
Ebenso müssten Unternehmen sich Gedanken darüber machen, wie bei großer Hitze mit den Mitarbeitenden umgegangen werde. Klimaanpassung sei in Deutschland ein Riesengeschäftsmodell. „Wir unterschätzen Gefahren, für die wir keine Erfahrungswerte haben. Wir haben das, was auf uns zukommt, noch nie erlebt. Es ist schwierig, damit umzugehen, auch unternehmerisch“, machte er deutlich.
„Die zentrale Frage lautet: Wie wollen wir eigentlich in Zukunft leben?"
Den politischen Impuls gab Wibke Brems MdL, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, zur Zukunft von Circular Economy, Industrie und Transformation in NRW. „Die zentrale Frage lautet: Wie wollen wir eigentlich in Zukunft leben? Wie wollen wir eigentlich in Zukunft wirtschaften?“, sagte sie.
Wibke Brems MdL, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, hielt die politische Keynote.
In der Transformation, in der wir stecken, komme es auf Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven, aber mit dem gleichen Ziel an. Brems: „Transformation entsteht nicht allein durch politische Beschlüsse, sondern vor allem durch Menschen, die bereit sind, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.“ Und weiter: „Kreislaufwirtschaft ist moderne Wirtschafts- und Industriepolitik, zunehmend auch Sicherheitspolitik. Denn jedes Material, was wir im Kreislauf halten können, macht uns unabhängiger.“ Kreislaufwirtschaft gehöre zu den Zukunftsbranchen, da sie Wertschöpfung im Land halte und die Wirtschaft widerstandsfähiger mache.
Bundesweiter Wettbewerb Going Circular
Höhepunkt des Tages war die Vorstellung der Projekte aus dem bundesweiten Wettbewerb Going Circular, den die IHK mit VDI und VDE Köln sowie :metabolon seit sechs Jahren durchführt. Hierbei werden Unternehmen ausgezeichnet, die sich mit zukunftsweisenden Ideen für die Kreislaufwirtschaft einsetzen. „Der Wettbewerb macht sichtbar, wie vielseitig die Kreislaufwirtschaft ist“, sagte Dr. Nicole Grünewald dazu.
IHK-Präsidentin Dr. Nicole Grünewald stellt den Wettbewerb Going Circular vor.
Auf der Bühne präsentierten die Mitarbeitenden der Bayer AG, die Bio-Circle Surface Technology GmbH, Detection-X GmbH, Heliantus GmbH, die Polycare Research Technology GmbH und die Redoggo GmbH ihre Ideen für die Kreislaufwirtschaft.
Die Jury – bestehend unter anderem aus Monika Lichtinghagen–Wirths, Geschäftsführerin des Bergischen Abfallwirtschaftsverbandes (von links), IHK-Präsidentin Dr. Nicole Grünewald und Peter Zens, Kopf des IHK-Bündnisses für Biodiversität sowie Zukunftsbauer vom Erlebnisbauernhof Gertrudenhof.
Die Jury – bestehend unter anderem aus IHK-Präsidentin Dr. Nicole Grünewald, Monika Lichtinghagen–Wirths, Geschäftsführerin des Bergischen Abfallwirtschaftsverbandes, und Peter Zens, Kopf des IHK-Bündnisses für Biodiversität sowie Zukunftsbauer vom Erlebnisbauernhof Gertrudenhof – wählte das Projekt „Kreislauffähiges Bauen für den Hochbau aus Zement-freiem Beton“ der Polycare Research Technology GmbH aus Suhl zum Sieger.
Die Jury kürte Andreas Kunsmann und sein Projekt „Kreislauffähiges Bauen für den Hochbau aus Zement-freiem Beton“ der Polycare Research Technology GmbH aus Suhl zum Sieger.
„Unsere Mission ist, die Bauindustrie in die zirkuläre Zukunft zu führen“, erklärte Andreas Kunsmann bei der Vorstellung. Das überzeugte die Jury. Dr. Nicole Grünewald sagte zur Begründung: „Wir wollten ein Projekt auszeichnen, das bereits den Schritt aus der Forschung in die Praxis gemacht hat. Das ist ein sehr innovativer Ansatz. Wir hoffen, dass Sie sich damit durchsetzen werden.“
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Going Circular-Wettbewerbes
Platz 2 belegte die Detection-X GmbH, die mithilfe von KI alte Reifen sortiert. Ziel ist es durch eine präzisere Vorsortierung mehr Reifen im Kreislauf zu halten. Das Projekt zeigt laut Jury, wie Digitalisierung und Circular Economy gemeinsam einen echten Mehrwert für Umwelt und Wirtschaft schaffen. Auf Platz 3 kam die Bio-Circle Surface Technology GmbH, die zirkuläre Reinigungslösungen entwickelt. Die Jury würdigte hier insbesondere den ganzheitlichen Ansatz, Nachhaltigkeit konsequent in bestehende Industrieprozesse zu integrieren. Es gab aber auch noch einen Publikumspreis. Der ging an die Bayer AG für die Entwicklung eines Blisters aus Monomaterial, der einfacher recycelt werden kann.