Kölsche Kultur – ganz modern
Marie & Johann ist ein neues, modernes Brauhaus an der Aachener Straße in Köln. Dahinter stecken unter anderem die Band Kasalla und der Kölner Gastro-Experte Till Riekenbrauk. Hier erzählen sie, wie es ist, ein Lokal in Köln zu eröffnen, und was das neue Brauhaus von anderen unterscheidet.
Seit Juni gibt es an der Aachener Straße in Köln mit dem Marie & Johann ein neues Brauhaus, das ein bisschen anders ist als die traditionellen Brauhäuser der Stadt. Es ist moderner, bietet mehrere vegetarische und vegane Gerichte an und hat einen eigenen Raum für Kulturveranstaltungen. Gleichzeitig ist das Brauhaus so kölsch, wie man nur sein kann, denn es wird geführt von der Band Kasalla und Managerin Kim Gerstenberg sowie dem Gastronomen Till Riekenbrauk, dem unter anderem auch das Brauhaus Johann Schäfer in der Südstadt gehört. Und, so viel sei vorweggenommen, genau so ist auch der Name entstanden, denn bei diesem Lokal handelt es sich quasi um die Vermählung von "Johann Schäfer" und einem Namen, der für die kölsche Band Kasalla steht, der Name aus dem zweiten Video ihres Debütalbums aus 2012, "Marie".
Wie kommt es dazu, dass eine erfolgreiche Band ein Lokal eröffnet? "Corona ist schuld. Als damals alles geschlossen war und wir keine Auftritte hatten, haben wir uns überlegt, ob ein zweites Standbein nicht sinnvoll wäre", erzählt Frontmann Basti Campmann im Gespräch. Es habe schon immer diese romantische Idee vom eigenen Lokal gegeben, ergänzt Bandmanagerin Kim Gerstenberg: "Dann stand ich eines Tages bei einem von Podolskis Dönerläden und dachte mir: Der macht das total schlau. Warum machen wir das nicht auch?" Das Konzept stand schnell fest, erinnert sich Basti Campmann:
Wir wollten etwas machen, was der DNA der Stadt entspricht. Ein klassisches Brauhaus sollte es aber nicht werden, sondern moderner sein. Deshalb steht auch immer etwas Vegetarisches oder Veganes auf der Karte. Und wir wollten einen Raum schaffen, wo etwas Kulturelles stattfinden kann.Basti Campmann, Frontmann Kasalla
Moderne Brauhaus-Qualität
Um diese Ideen in die Tat umsetzen zu können, suchten sie Rat bei jemandem, der sich gut in der Gastronomie auskennt, und wendeten sich schließlich an Till Riekenbrauk, Betreiber des Brauhauses und Laden Ein, Mitgründer des Street Food Festivals und Co-Vorsitzender der IG Gastro. Zunächst berät der Gastro-Experte nur, aber bald beginnen Kim Gerstenberg und Kasalla, ihn davon zu überzeugen, als Partner mit einzusteigen. Denn sie schätzen die qualitative Küche in Riekenbrauks Südstadt-Brauhaus Johann Schäfer und wollten genau diese moderne Qualität auch in ihrem Laden haben. Riekenbrauks Bedingung: "Ich muss mich in ein Objekt verlieben. Das steht und fällt mit der Location. Und da haben wir uns tatsächlich ein paar angeschaut, in die wir uns nicht verliebt haben. Aber als uns dann das ehemalige Antiquitätengeschäft hier angeboten wurde, war das wie ein Sechser im Lotto." Zu siebt gründen sie 2022 schließlich die Kasalla Gastro GmbH mit Gerstenberg und Riekenbrauk als Geschäftsführer und legen los.
Um eine 300 Quadratmeter große leere Halle heimelig zu machen, braucht es zunächst eine Vision. Entstehen sollen verschiedene Ebenen, eine offene Küche mittendrin und ein abtrennbarer Raum für Lesungen und Konzerte nebenan. Bis der Umbau beginnt, dauert es allerdings noch lange, denn zuerst müssen der Bauantrag gestellt und jede Menge Gutachten bei der Stadt eingereicht werden. "Das ist schon ein kleiner Aktenordner, den man dann da abgibt. Dafür haben wir uns viel Zeit genommen, damit es später weniger Nachbesserungen gibt", sagt Till Riekenbrauk.
Geduld muss man haben
Alles in allem lobt er die Zusammenarbeit mit der Stadt, nur geduldig müsse man manchmal sein. Dank der guten Vorbereitung habe es tatsächlich nur eine Nachfrage zur Statik und einen Nachbesserungswunsch bei den Stellplätzen für Autos gegeben. Interessant zu wissen: Jeder, der in Köln ein Lokal aufmacht, muss nach einem bestimmten Flächenschlüssel eine entsprechende Anzahl an Parkplätzen zur Verfügung stellen. Und wenn es dafür keinen Platz gibt, wie an der Aachener Straße, müssen die Parkplätze bei der Stadt gegen Geld abgelöst werden.
Anfang 2025 ging es schließlich los mit den Umbauarbeiten. "Ich bin überrascht, wie teuer das alles geworden ist im Vergleich von vor ein paar Jahren, als ich das in anderen Läden umgesetzt habe", sagt Till Riekenbrauk. Vor allem die Lüftungsanlage sei sehr aufwändig gewesen. Noch immer ist nicht alles zu 100 % fertig, aber das Lokal ist seit Juni 2026 geöffnet und bereits gut besucht. "Ich würde sagen, es ist sehr gut angelaufen", bilanziert Kim Gerstenberg. Bestseller sei das frittierte Hühnchen mit Frankfurter Grüner Soße, wie alles auf der Karte komplett selbst gemacht und wenn möglich aus regionalen Produkten. Bald soll es auch losgehen mit den Lesungen und kleinen Unplugged-Konzerten im Raum nebenan, den man auch für private Feiern mieten kann.
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Tanja Wessendorf
Kommunikation | Multimedia-Redakteurin