IHKplus. Das Magazin
Nr. 7211660
IHKplus 3.2026 | Kommentar

Liebe deine Brücken

Kennen Sie die Hohenzollernbrücke in Köln? Es heißt ja schon seit vielen Jahren im Scherz, dass sie nur noch durch die ca. halbe Million Liebesschlösser zusammengehalten wird. Nun ist die Hohenzollernbrücke eine der wenigen Kölner Rheinbrücken, die noch hält. Von Norden nach Süden zeigt sich in Köln ein Bild, bei dem einem das Lachen vergehen kann.
Dass unsere Brücken so marode sind, hat einen Grund: In Deutschland war es in den letzten Jahrzehnten angesagt, von der Substanz zu leben. Und das, obwohl völlig klar war, dass unsere Infrastruktur für den Verkehr von heute überhaupt nicht ausgelegt war. Die meisten unserer Brücken wurden in den 50er und 60er Jahren geplant und gebaut. Doch seither hat sich der Straßengüterverkehr vervielfacht und der Anteil schwerer Fahrzeuge ist deutlich angestiegen. Früher fuhren einzelne Lkw mit großen Abständen, heute sind es dichte Lkw-Kolonnen. Darüber hinaus steigt die Beanspruchung einer Brücke nicht linear, sondern überproportional. Ein 40-Tonnen- Lkw belastet eine Brücke rund acht- bis zehntausendfach stärker als ein Pkw. Es war also absehbar, dass dies Auswirkungen auf den Zustand unserer Brücken haben muss.

Eigentum verpflichtet

Die Brücke hat gehalten? Kein Riss in Sicht? Wunderbar! Denn in den vergangenen Jahrzehnten war zwar Geld da, aber das wurde nicht für den Erhalt unserer Infrastruktur ausgegeben. Dabei wissen alle, die Eigentum haben: Auf keinen Fall warten, bis die ersten Risse zu sehen sind! Wer sein Eigentum liebt, pflegt es und handelt, bevor es echte Probleme gibt. Das wurde hier flächendeckend versäumt.
Nun ist es nicht nur bei den Kölner Brücken Viertel nach zwölf. Das Bröckeln der Brücken ist mittlerweile so offensichtlich, dass man handeln muss – mit allen Konsequenzen wie großen Umwegen, nervigen Staus und hohen Kosten.
Darauf hat die Bundesregierung mit einem 500 Mrd. Euro "Infrastruktur-Sondervermögen" reagiert, also 500 Mrd. Euro Schulden für unsere Brücken, Straßen und die Bahn. Auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen wurde erst das Budget für Infrastrukturprojekte stark zusammengestrichen und dann mit dem Geld aus den Schulden nur wieder aufgefüllt. Das "Sondervermögen" wird also nicht zusätzlich in unsere Infrastruktur fließen.

Brücken bauen

Hier sind wir als Interessenvertretung der Wirtschaft in der Pflicht. Gemeinsam mit unserem Team aus Ehrenamt und Hauptamt setzen wir uns vor und hinter den Kulissen bei Politik und
Verwaltung dafür ein, dass Stadt, Land und Bund ihrer Verantwortung für unsere Infrastruktur jetzt und in Zukunft besser gerecht werden.
Die Zeiten sind für unsere Unternehmen gerade sehr herausfordernd. Umso wichtiger ist es, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehört eben auch, dass Waren schnell auf direktem Weg von A nach B kommen – ohne kilometerlange Umwege oder Staus. Ein starkes Land braucht eine starke Infrastruktur!
Dass man Brücken auch schnell bauen kann, hat die mittlerweile berühmte Ponte Genova San Giorgio in Genua gezeigt, die in weniger als 18 Monaten neu errichtet wurde. Bei der Rahmedetalbrücke im Sauerland hat es von der Sperrung bis zur Teilwiedereröffnung rund vier Jahre gedauert, bei 26 Monaten reiner Bauzeit für das erste Teilbauwerk. Damit
konnte die Brücke ein halbes Jahr eher als ursprünglich geplant wieder befahren werden.
Wenn der politische Wille da ist und alle effizient zusammenarbeiten, kann man also auch in Deutschland viel schneller als gedacht Brücken bauen. Das ist doch eine gute
Nachricht – und das geht sicher auch in Köln! Mit oder ohne Liebesschlösser…
Dr. Nicole Grünewald
Präsidentin