Interview IHKplus 5.2023

"Ein überregionales Vorbild"

Im Interview mit IHKplus beschreibt Oberbürgermeister Uwe Richrath die Ziele der Stadt Leverkusen unter anderem für den Bereich der Innenstadt in Wiesdorf. Lesen Sie dazu auch den Beitrag “Neue Ideen für Leverkusen”.
Wie schätzen Sie die Fortschritte bei der Neuen Bahnstadt ein, läuft die Entwicklung wie gewünscht?
Die Entwicklung der Infrastrukturmaßnahmen auf der Ostseite der Neuen Bahnstadt sind weitestgehend abgeschlossen. Die letzten Investorenprojekte sind im Bau oder in Planung. Der Campus der Technischen Hochschule ist seit dem Wintersemester 22/23 in Betrieb.
Schon damit ist die neue Bahnstadt Opladen ein Vorzeigeprojekt für gelungene Stadtentwicklung, das nicht nur innerstädtisch, sondern auch überregional Vorbildcharakter hat. Nach der Schließung des Bahn-Ausbesserungswerks ist dort ein komplett neues Stadtviertel, das Wohnen, Bildung, Arbeiten, Einkaufen, Grün und Freizeit, historische und moderne Gebäude verbindet, entstanden.
Die Entwicklung der Infrastrukturmaßnahmen auf der Westseite werden Ende 2024 fertiggestellt und damit das Förderprojekt Neue Bahnstadt abgeschlossen sein. Die Investorenmaßnahmen werden sich noch ins Jahr 2027 ziehen. Derzeit zeichnen sich allerdings erschwerte Bedingungen im Bausektor ab. Das bedeutet, dass ein besonderes Augenmerk auf die Erfüllung der Bauverpflichtungen gelegt werden muss. Gleichzeitig gilt es auch, flexibel auf neue Entwicklungen einzugehen, um Immobilien zukunftssicher entwickeln zu können.
In Wiesdorf gibt es recht viel Leerstand. Wie sehen Sie die Zukunft der City angesichts der neuen Pläne für die City C und der Neuvermietung des Kaufhofgebäudes?
Die Stadt Leverkusen hat ein Integriertes Handlungskonzept (InHK) für die City aufgelegt, bestehend aus mehr als 40 Einzelprojekten mit einem Investitionsvolumen von über 50 Millionen Euro. Dabei wird der Innenstadtbereich vom Rhein bis zum Bahnhof als Ganzes betrachtet und gemeinsam mit Partnern aus z. B. Wirtschaft (Unternehmen, Investoren), Werbegemeinschaften, Vereinen, Kulturorganisationen, sozialen Träger und Bürgerinnen und Bürgern entwickelt.
Die Stoßrichtung des InHK Leverkusen Wiesdorf ist dabei die Neuausrichtung der Innenstadt weg von einer klassischen Einkaufszone hin zu einem Quartier, das durch das Zusammenspiel von Handel, Dienstleistung und Wohnen geprägt ist.
Dabei spielen sowohl die Pläne für die City C als auch die Neuvermietung des Kaufhofgebäudes eine wichtige Rolle, um einerseits die Publikumsfrequenzen abseits der Rathausgalerie zu erhöhen und gleichzeitig die Innenstadt lebendig zu gestalten. Die Vision für die City C denkt urbanes Wohnen für diesen bedeutsamen Standort neu. Charakteristisch für das zentralste Wohnungsneubauprojekt in Leverkusen sind die Themen Wohnen für alle Gesellschaftsgruppen samt Kita, viel Grün, mehr Freiraum und eine hohe Aufenthaltsqualität zum Verweilen. Diese Entwicklung bringt Strahlkraft für die gesamte Innenstadtentwicklung und wird von unserer neuen Stadttochter, der Stadtteilentwicklungsgesellschaft Wiesdorf/Manfort mbH, fokussiert verfolgt.
Welche Ideen zur Belebung in Wiesdorf, beispielsweise auch mit Blick auf das Forum, gibt es vielleicht noch?
So wie der Campus der Technischen Hochschule Opladen mit Blick auf die Bildung das Herzstück der Neuen Bahnstadt Opladen bildet, soll das Forum analog zu einem herausgehobenen Zentrum für lebenslanges Lernen werden. Als Haus der Kultur, wo auch die VHS beheimatet ist, bietet das Forum die Basis, um in Verbindung mit den benachbarten Einrichtungen wie der Stadtbibliothek ein Ort der außerschulischen Bildung und des Austauschs zu sein. Im Zusammenspiel mit der Entwicklung des Postgeländes in Bahnhofsnähe und natürlich dem Bahnhof selbst, der nach den derzeitigen Ausbauten den zukünftigen Mobilitätshub Leverkusen Mitte darstellt, entwickeln wir so ein Quartier mit hoher Aufenthaltsqualität und einem breiten Angebot.
Das Quartier wird als Herz der Leverkusener Mitte in Richtung Chempark durch das zukünftige Montanusquartier abgeschlossen, welches auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei entsteht. Städtebaulich rückt damit die Stadt Leverkusen mit den hier ansässigen Unternehmen zusammen. Forschung und Wissenschaft treffen auf ein hochwertiges städtisches Umfeld.
Der Ausbau der City als Verwaltungsstandort, die zunehmende Verschränkung von Arbeiten, Wohnen, Einzelhandel, Bildung und Freizeit in der Leverkusener Innenstadt wird langfristig zu einem homogenen Stadtgefüge führen. Das zukünftige Kreativquartier an der unteren Hauptstraße schließt sich daher als städtebauliches Projekt mit hoher Bedeutung für die Innenstadt an. Dadurch erhält die Leverkusener Innenstadt wieder einen Zugang zum Rhein und damit eine deutliche Aufwertung. Zudem wird nach der baldigen Fertigstellung des Umbaus der Alten Feuerwache in der Wiesdorfer Altstadt, gemeinsam mit dem Marktplatz und dem Platz um die Kirche vis-à-vis des ehemaligen Kaufhofgebäudes, ein Quartiersmittelpunkt entstehen.