Wirtschaftliche Lage hinterlässt Spuren auf Ausbildungsmarkt

Karlsruhe, 01.09.2026

IHK Karlsruhe verzeichnet zum Ausbildungsstart 2026 Rückgang bei neuen Ausbildungsverträgen – Chancen für Jugendliche bleiben dennoch gut

Die angespannte wirtschaftliche Lage macht sich zunehmend auch auf dem regionalen Ausbildungsmarkt bemerkbar. Zum Start des neuen Ausbildungsjahres verzeichnet die IHK Karlsruhe aktuell 2.744 neu eingetragene Ausbildungsverträge. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 3.305 Verträge. Das entspricht einem Rückgang von derzeit 17 Prozent.
Besonders deutlich fällt das Minus bei den gewerblich-technischen Berufen mit aktuell 26,1 Prozent aus. Bei den kaufmännischen Berufen beträgt der Rückgang 10,8 Prozent. Auch innerhalb der Berufsgruppen zeigen sich deutliche Unterschiede: In der Elektrotechnik, zu der auch die Fachinformatiker zählen, liegen die Vertragszahlen derzeit 43,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. In der Metalltechnik beträgt das Minus 17,7 Prozent, bei den Kaufleuten für Büromanagement 20,8 Prozent. Gleichzeitig gibt es positive Entwicklungen: Bei den Banken liegen die Neuverträge aktuell 17,6 Prozent über dem Vorjahresniveau, im Hotel- und Gaststättengewerbe beträgt das Plus 5 Prozent. Deutlich zugelegt hat auch der Bereich Bau, Steine und Erden.
„Die Entwicklung in den einzelnen Bereichen und Berufsgruppen ist zwar sehr unterschiedlich, dennoch können wir festhalten: Die wirtschaftliche Situation hinterlässt deutliche Spuren auf dem Ausbildungsmarkt. Das passt auch zu den Ergebnissen unserer aktuellen IHK-Konjunkturumfrage. Die Erwartungen sind deutlich eingetrübt. Investitionen und Personalplanungen werden kritisch überprüft“, sagt Frank Roth, Präsident der IHK Karlsruhe. Viele Unternehmen überprüfen daher auch ihr Ausbildungsangebot, ziehen sich nicht vollständig aus der Ausbildung zurück, reduzieren aber die Zahl der angebotenen Plätze.
Für Roth ist es wichtig, trotz der angespannten Lage den Blick nach vorne zu richten: „Wer heute auf Ausbildung verzichtet, dem können morgen die Fachkräfte fehlen. Deshalb appelliere ich an unsere Unternehmen, ihr Ausbildungsengagement auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten möglichst hochzuhalten.“ Gleichzeitig brauche es wieder Rahmenbedingungen, die Unternehmen Investitionen und Wachstum ermöglichen.
„Ausbildung ist eine Investition in Menschen und in die Zukunft unseres Standorts. Junge Talente zu fördern und ihnen Perspektiven zu bieten, gehört ganz allgemein zu unserer Verantwortung als Unternehmen und Unternehmer“, so Dirk Seitz, geschäftsführender Gesellschafter der aluplast GmbH und Vize-Präsident der IHK Karlsruhe. 13 neue Auszubildende und Studierende starten in diesem Jahr bei aluplast, das seit einigen Jahren ein konstantes Ausbildungsangebot verzeichnen kann.


Weiterhin freie Ausbildungsplätze in der Region

Neben der wirtschaftlichen Lage beeinflusst auch der technologische Wandel den Ausbildungsmarkt. Künstliche Intelligenz verändert Arbeitsabläufe und Geschäftsmodelle und kann sich somit auch auf den Personalbedarf von Unternehmen auswirken. Welchen Anteil diese Entwicklung am aktuellen Rückgang der Ausbildungsverträge hat, lässt sich derzeit nicht beziffern. Klar ist aber: Berufsbilder und Tätigkeiten verändern sich – und damit auch die Kompetenzen, die die Fachkräfte von morgen benötigen.
Trotz rückläufiger Vertragszahlen bietet der Ausbildungsmarkt jungen Menschen weiterhin gute Chancen. Zwar ist die Zahl der bei der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt gemeldeten Ausbildungsstellen gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, nach wie vor gibt es aber mehr gemeldete Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber. Gleichzeitig suchen weiterhin zahlreiche junge Menschen nach einem Ausbildungsplatz. Für die IHK bleibt das Matching deshalb eine zentrale Herausforderung: Freie Ausbildungsplätze und ausbildungssuchende Jugendliche finden nicht immer zusammen. Gründe können unterschiedliche Berufswünsche und Qualifikationen, räumliche Entfernungen oder unterschiedliche Erwartungen von Jugendlichen und Unternehmen sein. Dabei sind immer mehr Betriebe bereit, jungen Menschen eine Chance zu geben, deren Bewerbung auf dem Papier zunächst nicht perfekt erscheint. Formate wie die Azubi-Speed-Datings der IHK setzen deshalb bewusst auf das persönliche Kennenlernen. Grundlegende Kenntnisse, Motivation, Verlässlichkeit sowie angemessenes Arbeits- und Sozialverhalten bleiben zugleich wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Ausbildungsstart.

Azubi-Welcome-Tour startet bei aluplast

Zum Ausbildungsstart setzt die IHK Karlsruhe zugleich ein sichtbares Zeichen für die duale Ausbildung in der Region. Mit der IHK-Pressekonferenz bei der aluplast GmbH startete erstmals die Azubi-Welcome-Tour der IHK Karlsruhe.
Vom 1. bis 11. September besucht die IHK täglich drei Ausbildungsbetriebe im gesamten Kammerbezirk. Knapp 30 Stationen mit voraussichtlich rund 400 neuen Auszubildenden stehen auf dem Tourplan. „Bei allen Herausforderungen dürfen wir eines nicht vergessen: Hinter jedem Ausbildungsvertrag steht ein junger Mensch, der gerade einen neuen Lebensabschnitt beginnt. Mit unserer Azubi-Welcome-Tour wollen wir gemeinsam mit den Unternehmen ein starkes Zeichen der Wertschätzung setzen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arne Rudolph.
Bei den Stopps werden die neuen Auszubildenden persönlich begrüßt. Mit dabei sind Eis, eine Welcome-Postkarte mit Informationen zu Beratungs- und Veranstaltungsangeboten der IHK sowie eine gemeinsame Fotoaktion. Unter dem Hashtag #AzubiWelcomeTour werden die Willkommensmomente auch über Social Media sichtbar.