Regionalkonferenz der TRK: Warum Indien gerade jetzt wichtig wird
Auf der Suche nach positiven Nachrichten lieferte die Regionalkonferenz der TechnologieRegion Karlsruhe gestern Beispiele. Der Programmtitel „Indien im Fokus“ hätte auch lauten können: Mögliche Wege aus der deutschen Wirtschaftskrise.
„Keiner kann sagen, wie sich unsere bisherigen verlässlichen Handelspartner USA und China nächste Woche verhalten werden“, eröffnete Volker Hasbargen, Präsident der IHK Karlsruhe, die 53. Sitzung der Regionalkonferenz. Die Suche nach Alternativen für neue Handelswege bekomme durch die geopolitischen Veränderungen einen kräftigen Anschub. Expertinnen und Experten aus der Forschung, von Unternehmen, Verbänden und Verwaltung berichteten über die Möglichkeiten von Handelsbeziehungen zu dem Subkontinent mit über 1,4 Milliarden Menschen und großem Entwicklungspotenzial.
Die Hoffnungen auf niedrige Zölle und den Abbau von Handelsbarrieren wachsen, seitdem die Verhandlungen zwischen der EU und Indien im Januar abgeschlossen wurden. Das Ziel: nach dem Mercosur-Abkommen mit Südamerika der nächste Aufbau einer riesigen neuen Freihandelszone.
Wie sie regionale Unternehmen beim Markteinstieg in Indien unterstützen kann, beschrieb Anne Krieckhaus, Geschäftsführerin der Deutsch-Indischen Handelskammer, die aus Düsseldorf zugeschaltet war. Die Kammer ist mit rund 100 Mitarbeitenden an sechs Niederlassungen vertreten und bietet viele Hilfestellungen: von der Delegationsreise über Standort- und Personalsuche bis zur Firmengründung und durch interkulturelle Trainings. Aktuell, so Krieckhaus, habe eine Umfrage unter 2000 deutschen Unternehmen vor Ort ergeben, dass 80 Prozent in den nächsten fünf Jahren ihre Dependancen ausweiten wollen.
Schließlich schätze man in Indien die deutsche Präzision und Qualität. Deshalb kämen immer mehr Unternehmen in das südasiatische Land und würden mit offenen Armen empfangen. Schon jetzt könne man von der Stärke eines Netzwerkes von rund 3.500 Mitgliedern zwischen Ganges und Indus profitieren. Schließlich bedeute Indien vor allem „Beziehungen und Geduld“, erzählte die Kammervertreterin mit einem Augenzwinkern.
Das perfekte Stichwort für Murad Futehally von Transweigh International / NMIMS India. Der gebürtige Inder, der seit Jahrzehnten zwischen den Kontinenten wandelt und in Ettlingen lebt, verglich Indien mit einem schlafenden Elefanten. „Ein Tiger“, lächelte er, „kann nur für 100 Meter schnell rennen“. Der Elefant, wenn er denn mal wach sei, über 300 Kilometer weit laufen. Wie rasant sich durch Technologien, Investitionen und Umsetzungswille der Alltag in seinem Heimatland verbessere, zeigte Murad Futehally anhand von gigantischen Schnellstraßen auf, die über das Wasser geführt werden und das enge chaotische Verkehrswirrwarr in moderne Bahnen lenke.
Schließlich führten Prof. Dr. Reiner Kriesten von der HKA, Dipl. Ing. Florian Kößler vom KIT und Joerg Ritter von RTE Prüftechnik aus, wie sich Theorie und Praxis zwischen den Kontinenten befruchten können. Alle drei sind insbesondere von der Begeisterungsfähigkeit junger Menschen in Indien beeindruckt. Ritter: „Wir bekommen tolle Impulse von den Studenten. Das sind hungrige junge Menschen, die wollen Karriere machen, die wollen eine Idee verwirklichen.“ Manche machten ein Praktikum in Deutschland, einige seien übernommen worden und arbeiten jetzt entweder in der Region Karlsruhe oder als Vertreter eines deutschen Unternehmens in ihrer Heimat.
Immer wieder fliegen - wie jüngst Bundekanzler Merz - Delegationen nach Indien. Von Karlsruhe aus angeführt von Oberbürgermeister Frank Mentrup, zudem Aufsichtsratsvorsitzender der TRK, der auch das India Board Karlsruhe, eine Plattform für indische Beziehungen fördert. Diese über zehnjährige Institution habe Vertrauen aufgebaut: „Damit sind wir schneller als alle anderen Regionen.“ Sein Mitarbeiter von der Wirtschaftsförderung, Ralf Eichhorn, brachte von der letzten Reise den Rat mit, jetzt sei ein guter Zeitpunkt, in den Indien-Markt einzusteigen. Das bestätigte Jochen Ehlgötz, Geschäftsführer der TechnologieRegion Karlsruhe GmbH: „Bei unserer Delegationsreise im Februar haben wir viele Kontakte aufgebaut. Insbesondere bei Start-ups wird es zu Kooperationen kommen.“
Manuel Bischoff, Past-President der Wirtschaftsjunioren Karlsruhe, schlug in die gleiche Kerbe: Im vergangenen Herbst hatte er eine Delegation mit 27 Teilnehmenden nach Indien geführt und in zehn Tagen vier Städte und 20 Unternehmen besucht. Von Dialog auf Augenhöhe war die Rede und von einer großen Freude über die deutschen Gäste. Bischoff sprach von vielen Wow-Momenten, aber auch von schwierigen Gegensätzen. Auf der einen Seite gigantische Bauten, auf der anderen Seite Elendshütten in den Slums.
Das griff Horst Fritz, Gesellschafter von Fritz Automation in Forbach, auf. Gespannt hatte er den Experten zugehört, Fragen gestellt und mit den ersten Erfahrungen seines Unternehmens mit Indien abgeglichen: „Wir haben auch eine Verantwortung. Für mich bedeutet das, nicht nur die technische Zukunft im Austausch mit Indien zu sehen, sondern auch die soziale Zukunft für die Menschen dort.“
Für den Ettlinger IT-Spezialisten Frank Roth gab die Konferenz den Impuls, über das Recruiting von indischen Softwareentwicklern nachzudenken: „Bis jetzt haben wir den Weg nach Indien gescheut, aber bei der nächsten Delegation werde ich dabei sein.“
Ansprechpartner: Andreas Förderer, andreas.foerderer@karlsruhe.ihk.de, Telefon (07 21) 174-132
Haben Indien im Fokus (v.l.): Jochen Ehlgötz, Dr. Arne Rudolph, Dipl. Ing. Florian Kößler, Manuel Bischoff, Volker Hasbargen, Dr. Frank Mentrup, Murad Futehally, Prof. Dr. Reiner Kriesten, Joerg Ritter"