China-Forum der IHK Karlsruhe

Offen bleiben, voneinander lernen

„China ist das Fitnessstudio für deutsche Unternehmen. Sie trainieren dort ihre Anpassungs- und Innovationsfähigkeit und kommen gestärkt wieder heraus.“ Mit diesem ungewöhnlichen Bild brachte Yan Chen, Leiter der Wirtschafts- und Handelsabteilung des chinesischen Generalkonsulats in Frankfurt, beim ersten China-Forum der IHK Karlsruhe im Palais Biron eine zentrale Botschaft auf den Punkt: Wettbewerb bedeutet nicht zwangsläufig, dass einer gewinnt und der andere verliert. Es geht darum, offen zu bleiben, voneinander zu lernen, um am Ende gemeinsam stärker zu werden.
Seine Thesen stellte Chen in den Kontext des 15. Fünfjahresplans, der die strategische Leitlinie für Chinas wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung biete. Dabei betonte Chen, dass es längst nicht mehr um Planwirtschaft im klassischen Sinn gehe, sondern um ein richtungsweisendes Programm, das Orientierung geben und Entwicklung gezielt fördern solle. Bemerkenswert sei auch der Entstehungsprozess: Neben der politischen Steuerung von oben werde die Bevölkerung einbezogen, zuletzt mit rund 70.000 online eingereichten Vorschlägen. Zu den wichtigsten Zielen zählen technologische und industrielle Modernisierung, mehr Binnennachfrage, weitere Öffnung, die Förderung von Talenten, grüne Transformation und ein höherer Lebensstandard. Deutlich wurde: China setzt auf Innovation, Effizienz und erheblich mehr Eigenständigkeit bei Schlüsseltechnologien.
Volker H. Hasbargen, bis zur gestrigen Vollversammlung noch Präsident der IHK Karlsruhe, hatte die Gäste zuvor mit dem Appell begrüßt, Wissen zu bündeln, Erfahrungen auszutauschen und neue Perspektiven für die Unternehmen in der Region zu entwickeln. Gerade bei einem so wichtigen und zugleich anspruchsvollen Markt wie China sei es wertvoll, unterschiedliche Blickwinkel zusammenzubringen und Netzwerke zu stärken. Genau dafür bot das Forum den passenden Rahmen.
Generalkonsul Yiyang Huang warb in seiner Rede für einen nüchternen und langfristigen Blick auf die deutsch-chinesische Zusammenarbeit. In einer Zeit verschärften globalen Wettbewerbs, veränderter Handelsbeziehungen, protektionistischer Tendenzen und fragiler Lieferketten sei für viele Unternehmen die Frage entscheidend, mit wem sich verlässlich und planbar zusammenarbeiten lasse. Genau hier, so Huang, liege Chinas Stärke in Stabilität, großem Marktpotenzial und hoher Wettbewerbsfähigkeit. China biete klare Rahmenbedingungen, eine starke industrielle Basis und enorme Innovationskraft. Für deutsche Unternehmen sei das Land deshalb nicht nur ein wichtiger Markt, sondern zunehmend auch ein strategischer Partner.
Weitere Impulse lieferten Zhengwei Yang von der Lingang Special Area bei Shanghai sowie Jonathan Schoo von der AHK Greater China. Während Yang für die Chancen einer der dynamischsten chinesischen Pilot-Freihandelszonen warb, schilderte Schoo China als Innovationsstandort mit hoher Geschwindigkeit, wachsendem Wettbewerbsdruck und großem Lernpotenzial für deutsche Unternehmen.
Ab mittags wurde das Forum praxisnah: In Deep Dives und Workshops ging es unter anderem um chinesische Unternehmen in Deutschland, Import- und Exportfragen, Geschäftsaktivitäten vor Ort, Exportkontrollrecht und Vertragsgestaltung. Hinzu kamen Einblicke in neue Vertriebswege und digitale Absatzmuster nach dem Motto „China verkauft anders“.
Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion mit in China tätigen Unternehmen, die mit den Gästen des Forums ihre Erfahrungen und Tipps teilten. Gerade diese Mischung aus strategischer Einordnung, konkretem Know-how und persönlichem Austausch machte den besonderen Wert des Forums aus.
Für Volker Hasbargen war das China-Forum ein besonderer Termin: Es war sein letzter großer öffentlicher Auftritt als Präsident der IHK Karlsruhe, bevor er sein Amt am 15. April an seinen Nachfolger Frank Roth übergab.