Frauenwirtschaftstage Bruchsal
Wie führt man, wenn sich ständig alles verändert? Rund 60 Gäste holten sich in Bruchsal Antworten aus Theorie und Praxis und erlebten eine Gesprächsrunde, die erfrischend ehrlich ausfiel.
Caroline Hess von Mindful Leadership sprach bei den Frauenwirtschaftstagen in Bruchsal über Führung in stürmischen Zeiten.
Draußen tobte der Sturm, drinnen schwang die Leinwand mit. Eine passendere Kulisse hätte sich Caroline Hess für ihren Vortrag „Segeln in stürmischen Zeiten“ kaum wünschen können. Zuvor hatte Monika Frank, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bruchsal, die Frage beantwortet, ob Männer zur Zielgruppe gehören: selbstverständlich. Oberbürgermeister Sven Weigt, früher selbst Kapitän einer Handballmannschaft, freute sich über die Initiative des Landes. Bei Leistungsdruck und internationaler Konkurrenz komme es im Team eben auf alle an.
Caroline Hess, Coachin und Personalentwicklerin von Mindful Leadership aus Ubstadt-Weiher, stellte klar: Segeln heißt nicht, den Sturm zu besiegen. Zuerst kippe auch nicht das Boot, sondern die Ruhe an Bord. Halt gebe der Kiel, und Selbstführung sei kein Bonus, sondern Stabilität. Widerstand im Team sieht Hess als Energie, die sich nutzen lässt, wenn aus Betroffenen Beteiligte werden.
Schlecht für wen?
Lars Grabenschroer von der städtischen Wirtschaftsförderung stellte die drei Frauen der Gesprächsrunde vor. Astrid Weichner, Executive Coach aus Bruchsal, hält schon den Begriff „schlechte Nachrichten“ für eine fatale Haltung. Wer etwa einen Bereich schließen muss, solle zügig auf den Punkt kommen und bisherige Leistungen würdigen. Entscheidend seien die, die bleiben. Erleben sie einen Abschied mit Würde und Anstand, wüssten sie: Unsere Chefin hat Format. Bei Fehlern gehe es Führungskräften wie Autofahrern, beide hielten sich für überdurchschnittlich gut. Ein Eingeständnis tauge aber nur etwas, wenn man sich ernsthaft bemüht, den Fehler nicht zu wiederholen. „Ich bin halt so“ zählt nicht.
Podiumsdiskussion bei den Frauenwirtschaftstagen in Bruchsal (von links): Hannah Rupalla (RA Consulting), Evi Hummel (Brust und Partner) und Astrid Weichner (Executive Coaching & Consulting) im Gespräch mit Bruchsals Gleichstellungsbeauftragter Monika Frank.
Werte, die man nachts aufsagen kann
Evi Hummel, im Personalbereich von Brust und Partner, wird in ihrem Betrieb Herzlichkeitsbeauftragte genannt. Wer ihr zuhört, weiß, warum. Im Team sorgt sie für die Wohlfühlatmosphäre, unter anderem im Bereich „Herzschlag“ mit Kaffeemaschine, Obst und einer Dartscheibe für Aufgaben, bei denen es gerade hakt. Fünf Werte dienen dem Unternehmen mit 20 Mitarbeitenden als Leitplanken: echt, begeistert, verbindlich, unabhängig und wandelbar. Weckt man das Team nachts, kann es sie aufsagen.
Hannah Rupalla übernimmt als Prokuristin schrittweise die Führung von RA Consulting, das ihre Eltern vor 35 Jahren gegründet haben und das Software für die Automobilindustrie entwickelt. Anfangs wollte sie die Aufgaben des Vaters eins zu eins übernehmen, heute führt sie anders. Sie bewegt sich in zwei Systemen, Familie und Firma. Als Mutter zweier kleiner Kinder hält sie Vereinbarkeit nicht für ein Randthema, sondern für die Voraussetzung, damit Unternehmen zukunftsfähig bleiben.
Veranstaltende waren die Stadt Bruchsal, die regionale und die städtische Wirtschaftsförderung sowie der Arbeitskreis Beruf und Familie im Bruchsaler Bündnis für Familie, zu dem auch die IHK Karlsruhe gehört.