#ihk_standpunkte:
Nr. 7072382
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IHK Hannover

#ihk_standpunkte: „Fachkräftesicherung: Kompetenzen stärken, Abschlüsse ermöglichen"

Darum geht es:

Die deutsche Wirtschaft ist nicht nur durch Kriege und Krisen aktuell besonders gefordert, sondern auch durch Digitalisierung, Automatisierung und ökologische Transformation. Produktions- und Dienstleistungsprozesse verändern sich in rasanter Geschwindigkeit – und sie erhöhen das Anforderungsniveau vieler Tätigkeiten. Parallel dazu verfestigt sich ein Strukturproblem, das seit Jahren unterschätzt wird: Ein wachsender Teil der Menschen hierzulande hat keinen Berufsabschluss, während Unternehmen in vielen Sektoren auch
weiterhin dringend qualifizierte Fachkräfte suchen. Es gibt zwar aktuell eine gewisse Entspannung in manchen Bereichen, aber die demografische Entwicklung wird dazu führen, dass allein in Niedersachsen innerhalb der nächsten gut zehn Jahre fast jeder vierte Beschäftigte in den Ruhestand geht (Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung). Dadurch entstehen enorme Lücken bei Fach- und Arbeitskräften. Hinzu kommt ein wachsender Mismatch, wenn der Anteil an Arbeitskräften ohne Abschluss zunimmt bei gleichzeitig höheren Ansprüchen der Unternehmen, was die Qualifikation ihrer Mitarbeitenden betrifft.
Die vorliegenden Zahlen belegen, wie groß der Handlungsbedarf ist. Insbesondere der Anstieg von jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss ist keine zyklische Delle, sondern Ausdruck langfristiger Verschiebungen – unter anderem demografischer Umbrüche, Zuwanderung und fehlender beruflicher Orientierung. Besonders alarmierend ist die Lage in Niedersachsen: Der hohe Anteil von jungen Menschen ohne Berufsabschluss in der Region könnte langfristig den Fachkräftemangel verstärken und ist Indikator unzureichend gelöster Bildungs- und Übergangsfragen.
Aus Sicht der Wirtschaft steht dabei viel auf dem Spiel: Unternehmen sind auf gut qualifizierte Fachkräfte angewiesen, um Innovationsfähigkeit, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Vor diesem Hintergrund hat die Wirtschaft ein starkes Eigeninteresse, die Anzahl von Menschen ohne Berufsabschluss zu reduzieren. Damit dies gelingt, müssen mehr junge Menschen für die duale Berufsausbildung gewonnen und ihr Ausbildungserfolg sichergestellt werden. Zudem geht es um die wirksame Integration von Zugewanderten in unser Berufsbildungssystem. Damit die Gruppe der ungelernten Arbeitskräfte langfristig beschäftigungsfähig bleibt, sind Bildungs- und Karrierechancen erforderlich, zum Beispiel durch den Ausbau anschlussfähiger Qualifizierungsangebote, die flexibel und zielgruppenspezifisch ausgerichtet sind.

Handlungsfelder aus Sicht der IHK Hannover:

1. Schulische Basiskompetenzen festigen
2. Berufliche Orientierung systematisch stärken
3. Stabilität in der Ausbildung sichern
4. Spracherwerb bei Menschen mit Migrationshintergrund unterstützen
5. Neuzugewanderte gezielt fördern und Bildungsbiografien festigen
6. Mit Teilqualifikationen zum Berufsabschluss kommen
7. Mit Validierung Kompetenzen sichtbar machen
8. Übergänge von Arbeit in Arbeit ermöglichen

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