Konjunktureller Stillstand mit Hoffnungsschimmer
Die Konjunktur verharrt auf niedrigem Niveau. Die ersten Maßnahmen der neuen Bundesregierung zeigen bislang wenig konjunkturelle Effekte. „Wir erwarten allerdings eine allmähliche Belebung der Konjunktur, da die Auftragseingänge zunehmen. Für ein stärkeres Wachstum brauchen die Unternehmen aber spürbare Erleichterungen bei Steuern, Lohnnebenkosten und Bürokratie – und zwar sofort. Die To-Do-Liste der Politik bleibt für 2026 lang“, so Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen. Die Geschäftslage und die Erwartungen haben sich auch im vierten Quartal nicht verbessert. Der IHK-Konjunkturklimaindikator für das vierte Quartal 2025 verbleibt unverändert bei 85 Punkten. Das ergab die Konjunkturumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern bei knapp 2.200 Unternehmen.
Die aktuelle Geschäftslage im Winter hat sich im Vergleich zum Herbst nicht verändert. 18 Prozent der Unternehmen sehen die Lage als gut an (Vorquartal: 19 %), 54 Prozent (Vq. 52 %) sind zufrieden und 28 Prozent (Vq. 29 %) beurteilen ihre Lage als schlecht. Stillstand herrscht auch bei den Erwartungen an die kommenden Monate: 12 Prozent der Unternehmen (Vq. 11 %) rechnen mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung, 58 Prozent (Vq. 59 %) erwarten gleichbleibende Geschäfte und 31 Prozent (Vq. 30 %) rechnen mit einer ungünstigen Entwicklung. Die stagnierende Entwicklung zeigt sich auch in den zurückhaltenden Investitions- und Personalplanungen.
Die Industrie hatte im vierten Quartal eine leichte Belebung des Geschäfts zu verzeichnen. Die Auftragseingänge haben in den meisten Industriezweigen erkennbar zugelegt. Die Investitionsgüterhersteller (Automotive, Maschinenbau, Elektrotechnik) spüren eine Belebung des Auslandsgeschäfts. Die Auftragsbestände sind bei vielen Industriebetrieben allerdings zum Jahresbeginn noch zu gering.
Die Bauwirtschaft zeigt nach wie vor unterschiedliche Entwicklungen. Der Hochbau und hier insbesondere der Wohnungsbau leidet unverändert unter Auftragsmangel. Der Tiefbau (Straßen, Brücken, Leitungen) berichtet dagegen seit längerem von einer guten Geschäftslage. Die Investitionen aus dem Sondervermögen der Öffentlichen Hand kommen erst allmählich in der Bauwirtschaft an, da zunächst Planungen, Ausschreibungen und Genehmigungen abgewickelt werden müssen.
Die Geschäftslage im Einzelhandel hat sich abgeschwächt. Besonders deutlich zeigt sich dies im Lebensmitteleinzelhandel, wo die Kundinnen und Kunden sehr preissensitiv reagieren und hochpreisige Markenprodukte durch billigere Alternativen ersetzen. Ebenfalls schwer unter Druck sind die Bekleidungsgeschäfte durch die internationalen Online-Wettbewerber. Für die kommenden Monate rechnet der Einzelhandel mit anhaltend schwachem Geschäft. Die Geschäfte des Großhandels stagnieren sowohl im Industriegeschäft als auch bei Konsumgütern.
Das Frachtvolumen des Verkehrsgewerbe bleibt aufgrund der schwachen Industriekonjunktur unbefriedigend. Größere Veränderungen sind aus Sicht der Transportwirtschaft aktuell nicht absehbar. Das Hauptproblem der Verkehrsunternehmen liegt gegenwärtig in den gestiegenen Arbeitskosten.
Das Gastgewerbe war mit den Übernachtungszahlen im vierten Quartal zufrieden. Im Gegensatz dazu bleiben die Umsätze im Restaurationsbereich unter Druck. Für Beherbergung wie auch den Restaurationsbereich wird trotz der erfolgten Umsatzsteuersenkung auf Speisen mit einer schwächeren Entwicklung gerechnet.
Gute Geschäfte melden die Finanzdienstleister. Bei den Kreditinstituten bleibt das Kreditgeschäft bei Privat- und Firmenkunden expansiv. Bei den Versicherungen wachsen die Beitragseinnahmen und das Neugeschäft.
Im Dienstleistungsbereich zeigt sich die Geschäftslage im vierten Quartal auf niedrigem Niveau leicht verbessert. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei der Auftragslage und den Umsätzen. Für die kommenden Monate rechnen die Unternehmen nur mit wenigen Veränderungen.
Ausblick
Der leichte Aufwärtstrend ist primär auf steigende Staatsausgaben zurückzuführen. „Schulden-finanzierte Ausgaben können zwar das Wachstum 2026 allmählich ankurbeln, aber keine Reformen ersetzen. Die Unternehmen brauchen Entlastungen und keine neuen Belastungen“, sagte IHKN-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt.
Stand: 16.01.2026
