Die Konjunktur im IHK-Bezirk hat sich im 4. Quartal 2025 kaum verändert und bleibt weiter schwach. Die ersten Maßnahmen der neuen Bundesregierung sind noch nicht bei den Unternehmen angekommen. Die Geschäftslage und die Erwartungen bleiben angespannt und verharren auf dem niedrigen Niveau des Vorquartals. Der wichtige Planungsindikator zu den Investitionsplanungen hat sich zwar verbessert, eine Trendwende über alle Indikatoren zeichnet sich jedoch nicht ab. Hoffnung machen aber die gestiegenen Auftragseingänge in der Industrie und bei den Dienstleistern. Der Handel hingegen steht auch weiterhin durch die fehlende Nachfrage unter Druck.
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Geschäftslage und Erwartungen verbleiben auf dem niedrigen Niveau des Vorquartals. Die angekündigten Maßnahmen der Bundesregierung zeigen noch keine konjunkturellen Effekte. Nur knapp jedes fünfte Unternehmen berichtet von einer aktuell guten Geschäftslage, die Erwartungen bleiben ungünstig.
Der Klimaindikator, der als geometrisches Mittel von Geschäftslage und Erwartungen berechnet wird, ist im 4. Quartal 2025 um einen Punkt auf 84 Punkte (Vorquartal: 85 Pkt.) gefallen und verbleibt damit unter dem langjährigen Durchschnitt von 104 Punkten (seit dem Jahr 2000). Die konjunkturelle Lage im IHK-Bezirk Hannover bleibt angespannt.
Die Geschäftslage hat sich im 4. Quartal in den einzelnen Branchen unterschiedlich entwickelt. Die Geschäfte in der Industrie, bei den Dienstleistern und im Einzelhandel sind teilweise deutlich zurückgegangen. Von einer etwas günstigeren Geschäftslage berichten hingegen das Bauhauptgewerbe, das Verkehrsgewerbe und die Kreditinstitute. Mit Ausnahme der Banken bleiben die Erwartungen der Unternehmen über alle Branchen hinweg jedoch ungünstig.
Dienstleistungen, Industrie und Einzelhandel verzeichnen im 4. Quartal keine nennenswerten Änderungen und entwickeln sich im Gleichschritt. Der Einzelhandel bleibt durch die fehlende Nachfrage der privaten Haushalte unter Druck. In der Industrie bestehen die strukturellen Probleme des Industriestandortes fort und dämpfen die konjunkturelle Entwicklung. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den Dienstleistern, die im direkten Vergleich weiterhin den höchsten Indikatorwert aufweisen.
Die Planungsindikatoren zu Investition und Beschäftigung belegen den konjunkturellen Stillstand. Zwar zeigt sich der wichtige Investitionsindikator leicht verbessert, der Indikator zur Beschäftigung ist jedoch gefallen. Die öffentlichen Sondervermögen können zwar kurzfristig die Nachfrage steigern, für einen nachhaltigen Wachstumsschub braucht es aber Investitionen zur Produktionsausweitung der Unternehmen oder Innovationen. Die Unternehmen werden die Investitionen aber nur tätigen, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern. Noch sind die ersten wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung nicht bei den Unternehmen angekommen. Aktuell plant knapp jedes dritte Unternehmen mit abnehmenden Investitionen und Personalabbau.
Die Auftragseingänge in der Industrie haben sich erholt und liegen im 4. Quartal 15 Saldopunkte über dem Wert des Vorquartals. In der Gesamtbetrachtung bleibt die Bewertung der Auftragseingänge durch die Unternehmen jedoch im negativen Bereich. Trotz höherer Nachfrage sowohl aus In- und Ausland halten vier von zehn Industrieunternehmen ihren Auftragsbestand noch für zu klein.
In den Exporterwartungen der Industrie zeigt sich keine Veränderung und bleibt auch im 4. Quartal unter dem langjährigen Durchschnitt. Erneute Zollandrohungen und starker internationaler Wettbewerb in vielen Branchen dämpfen die Exporterwartungen. Nur etwa 20 Prozent der Unternehmen erwarten ein stärkeres Exportgeschäft.
Dem stationären Handel fehlt die Nachfrage. Die Geschäftslage ist seit zwei Jahren im Trend rückläufig. Letztmals wurde die Geschäftslage im 4. Quartal 2023 im Saldo positiv bewertet. Trotz der Lohnsteigerungen bleiben die privaten Haushalte sparsam. Eine Belebung des privaten Konsums ist nicht zu erkennen.
Die Grafik zur Konsumneigung gibt die Ausgabefreude der Kundschaft aus Sicht der Einzelhändler wieder. Die privaten Haushalte bleiben preissensitiv und zurückhaltend. Sie zeigen nur eine niedrige Kaufbereitschaft.
Umfragewerte wie Statistiken zeigen, dass die unternehmensnahen Dienstleistungsunternehmen (z.B. Beratung, Werbung, Medien/IT, Architektur- und Ingenieurbüros, Leasing, Zeitarbeit, Facility-Management) besser abschneiden als andere Branchen. Gleichwohl sind die Dienstleister nicht unabhängig vom Rest der Wirtschaft, vielmehr wirkt sich die konjunkturelle Flaute auch hier aus.
Das größte Geschäftsrisiko im Bezirk der IHK Hannover sind aus Sicht der Unternehmen unverändert die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (70 %, Vorjahr: 69 %). Die ersten Maßnahmen der neuen Bundesregierung sind noch nicht bei den Unternehmen angekommen, der im Vorjahr angekündigte „Herbst der Reformen“ ist ohne nennenswerte konjunkturelle Effekte geblieben. Die schwache Konjunktur zeigt sich in der niedrigen Inlandsnachfrage, die die Unternehmen im 4. Quartal als zweitgrößtes Risiko betrachten (62 %, Vj. 63 %). Die steigenden Tariflöhne, höhere Lohnnebenkosten (Krankenkassenbeiträge) und der angehobene Mindestlohn setzen den Unternehmen zu. In der Risikobewertung stellen die Arbeitskosten mit 56 % das drittgrößte Risiko aus Sicht der Unternehmen dar (Vj. 51 %). Der Fachkräftemangel und die Auslandsnachfrage in der Industrie folgen aus Unternehmenssicht mit jeweils 44 %. In Folge der schwachen Konjunktur ist auch die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften deutlich zurückgegangen. Der Fachkräftemangel hat über die letzten Jahre an Bedeutung verloren (44 %, Vj. 52 %, 2023: 65 %). Die Auslandsnachfrage in der Industrie hingegen hat im Vergleich der Risiken an Bedeutung gewonnen und bleibt besonders in zentralen Branchen wie Automotive, Maschinenbau und Elektrotechnik ein großes Risiko. Vergleichsweise gering bleiben Risiken aus der Finanzierung (12 %) oder aus den Wechselkursen (4 %).
Es wurden Zusatzfragen zu Auslandsinvestitionen gestellt:
Zwei Drittel der Industrieunternehmen (66 %) geben in der IHK-Umfrage an, Auslandsinvestitionen zu haben. Während die Investitionen im Inland zurückgefahren werden (Saldo: -14), wollen die Unternehmen per Saldo ihre Investitionen im Ausland quasi konstant halten (Saldo: +1). Besonders ausgeprägt sind die Auslandspläne bei Investitionsgüterherstellern (Saldo: +28) wie Kfz und Maschinenbau. Das Gegenteil ist bei energieintensiven Industrieunternehmen (Chemie, Papier/Pappe, Glas/Keramik/Baustoffe) der Fall: Die hohen Energiepreise haben den Standort Deutschland ins Hintertreffen gebracht und führen sowohl zu schwachen Investitionen im Inland (Saldo: -32) als auch im Ausland (Saldo: -32).
In den letzten Jahren haben sich die Auslandsziele der Industrieunternehmen verändert. Wichtigster Markt bleibt der Euroraum, der kein Wechselkursrisiko kennt und einen stabilen Rechtsrahmen bietet. Allerdings planen nur noch 49 Prozent der Unternehmen mit Auslandsinvestitionen dort investieren. Zweite Präferenz für Investitionen ist jetzt Asien (46 %; ohne China) vor Nordamerika (41 %). China (24 %) hat an Attraktivität verloren und liegt jetzt mit Süd-/Mittelamerika gleichauf. Die Präferenz der Unternehmen hat sich in den jährlich erhobenen Daten der IHK in Richtung der aufstrebenden Märkte in Asien (ohne China) und Süd-/Mittelamerika verschoben. Diese Märkte haben im Zeitverlauf deutlich gewonnen.
In den aufstrebenden Märkten bilden die Markterschließung und der Vertrieb/Kundendienst die zentralen Investitionsmotive. In früheren Jahren war für Industrieunternehmen die Kostenersparnis das entscheidende Motiv, um zum Beispiel in Polen oder China zu investieren. Diese Optionen haben viele Unternehmen in den vergangenen Jahren bereits genutzt und sind heute im Rahmen der Diversifizierung auf der Suche nach neuen Märkten in Asien, Lateinamerika und Afrika.
719 Unternehmen wurden zum IV. Quartal 2025 vom 11. Dezember bis 12. Januar befragt. 452 gewichtete Unternehmensantworten liegen vor. Der Rücklauf der Befragung lag bei 61 %.