Fachkräfte

Adelante! – das IHK Projekt zur Gewinnung von Fachkräften aus dem EU-Ausland

Gewinnung junger Fachkräfte aus Spanien

In Niedersachsen werden in einigen Branchen und Regionen schon jetzt die Fachkräfte knapp und angesichts des demografischen Wandels, wird sich diese Entwicklung noch weiter verschärfen. Neben der Politik kann hier auch jedes Unternehmen gegensteuern. Die Wirtschaft kann Voraussetzungen schaffen und die Initiative ergreifen, wenn es darum geht, bislang unerschlossene Fachkräftepotenziale zu heben. Hierzu gehören auch gut qualifizierte Fachkräfte aus dem EU-Ausland, deren Rekrutierung sich für Unternehmen lohnen kann.
Fachkräfte aus dem EU-Ausland sichern aber nicht nur den Fachkräftebedarf. Internationale Teams sind ein Gewinn für jedes Unternehmen. Qualifizierte Zuwanderinnen und Zuwanderer bringen spezifische Kenntnisse über Märkte, Länder und Sprachen mit und verfügen über interkulturelle Kompetenz.
Seit 2013 sind über das IHK Projekt Adelante! bereits mehr als 500 junge Spanier/-innen zur Ausbildung oder einer betrieblichen Anpassungsqualifizierung und späteren Beschäftigung in die Kammerregion der IHK Hannover gekommen. Alle spanischen Projektteilnehmer verfügen über einen spanischen Berufsabschluss und müssen für die volle Anerkennung ihrer Abschlüsse in Deutschland noch eine zwölf Monate andauernde Anpassungsqualifizierung im Unternehmen absolvieren. Nach diesem Jahr erhalten die Teilnehmer einen Bescheid, der die volle Gleichwertigkeit mit einem deutschen Berufsabschluss dokumentiert und stehen den Unternehmen dann als gleichwertige Fachkraft zur Verfügung.

Prozess der Anpassungsqualifizierung (AQ)

Die Anpassungsqualifizierung dient als Maßnahme zur Integration in den Arbeitsmarkt und zur Erlangung der vollen Gleichwertigkeit der spanischen Berufsabschlüsse nach der Vorgabe des BQFG (Gesetz über die Feststellung der Gleichwertigkeit von Berufsqualifikationen).
Bei einer Anpassungsqualifizierung legt die Anerkennungsstelle der IHK Hannover die Lerninhalte und Laufzeiten (Ø 12 Monate) der betrieblichen Praxisphase auf Grundlage der eingereichten Unterlagen (Berufsabschlüsse und Nachweise über Berufserfahrungen) der Kandidatinnen und Kandidaten fest, die für eine volle Gleichwertigkeit des Berufsabschlusses notwendig sind. Die Inhalte einer AQ resultieren aus der jeweiligen Ausbildungsverordnung der deutschen Ausbildungsberufe. Für diese Art betrieblicher Praktika gilt die Ausnahme vom Mindestlohn.

Projektablauf

Nach dem Auswahlprozess, den wir gemeinsam mit den beteiligten Unternehmen und unseren spanischen Partnern durchführen, beginnen die ausgewählten jungen Leute im Mai einen Deutschsprachkurs in Spanien (Umfang: 600 Unterrichtseinheiten). Daran schließt ein vierwöchiges Vorpraktikum in den niedersächsischen Unternehmen im Oktober an. Es soll den jungen Spaniern und den Betrieben das Kennenlernen vor Beginn der Anpassungsqualifizierung im November ermöglichen.
Durch unsere Partner in den Regionen des Landkreises Diepholz, Südniedersachsen und Hannover-Hildesheim erhalten die Teilnehmer von Beginn an eine intensive Unterstützung bei den notwendigen Behördengängen in Deutschland. Sie  kümmern sich auch um die notwendigen Unterkünfte und stellen von Beginn an eine Begleitung durch spanischsprachiges Personal bereit. Zur Erleichterung der Eingewöhnung der jungen Leute in Deutschland sind mit den Projektpartnern begleitende Maßnahmen wie z.B. gemeinsame Freizeitaktivitäten vorgesehen.
Parallel zur Praxisvermittlung im Unternehmen werden die Teilnehmenden einen weiterführenden fachbezogenen Deutschsprachkurs besuchen, der auf den bereits in Spanien erlernten Deutschkenntnisse (B1 Niveau) aufbaut und von unseren Partnern in den jeweiligen Regionen organisiert wird. Dafür werden Fördermittel durch die Fachkräfteinitiative Niedersachsen von den regionalen Fachkräftebündnissen zur Verfügung gestellt.

Projektfinanzierung durch die Fachkräfteinitiative Niedersachsen und ZAV

Zur Finanzierung des Anwerbungs- und Auswahlverfahrens, inkl. des Deutschsprachkurses in Spanien stehen Mittel aus dem EU-Programm „Your first Eures Job“ der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) zur Verfügung. Auch die Kosten für die Anreise nach Deutschland werden über das Programm finanziert und sind somit für die Unternehmen kostenlos.
Das Land Niedersachsen übernehmen die Kosten für den weiterführenden Deutschsprachkurs und die pädagogische Betreuung an den Projektstandorten durch Muttersprachler. Dazu wurde das Förderprogramm „Qualifizierung & Arbeit“ im Rahmen der Fachkräfteinitiative des Landes herangezogen. Für die Kosten des Anerkennungsverfahrens wird ein Anerkennungszuschuss der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit herangezogen. 
Für das Praktikum in Deutschland und der ggf. danach anschließenden Anpassungsqualifizierung (AQ) ist vorgesehen, dass die Unternehmen eine monatliche Vergütung in einer Höhe von mindestens 1.350 €/mtl. (Brutto) für den Lebensunterhalt an die Teilnehmer/-innen auszahlen. Hinzu kommt eine Projektpauschale von 100,00 €/mtl.. Das ist der notwendige Eigenanteil, den die Unternehmen im Rahmen des Förderprogramms „Qualifizierung & Arbeit“ des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums an den Projektträger zu entrichten haben. 

Zwischenbilanz

Nach acht Jahren kann die IHK Hannover eine positive Zwischenbilanz des Fachkräfteprojekts Adelante! ziehen. Von den spanischen Jugendlichen, die eine Ausbildung oder Anpassungsqualifizierung in Niedersachsen abgeschlossen haben, sind 86 Prozent als Fachkraft in ihrem Beruf tätig. Davon sind 78 Prozent in Niedersachsen geblieben und 22 Prozent arbeiten oder studieren in Spanien oder einem anderen Land. Somit stimmt die Prognose, dass für ein Großteil aller Beteiligten eine „Win-Win-Situation“ eingetroffen ist. Den ausführlichen Bericht können Sie auf der Webseite der Niedersächsischen Wirtschaft nachlesen.

Interesse geweckt?

Unternehmen, die Interesse an einer Teilnahme am Fachkräfteprojekt Adelante! 2022 haben, können ab sofort ihre Praktikums- und Anpassungsqualifizierungsplätze an die IHK melden. Bitte fügen Sie Ihrer Bedarfsmeldung eine jeweils einseitige Stellen- und Unternehmensbeschreibung bei. 
Senden Sie den Adelante! Antwortbogen (PDF-Datei · 66 KB)  bis spätestens 26. Januar 2022 per E-Mail an Torsten Temmeyer ( temmeyer@hannover.ihk.de).

Projektregionen- und Partner in der Kammerregion der IHK Hannover

Fachkräftebündnis Leine-Weser

IHK Hannover, Hauptsitz
Torsten Temmeyer
Tel. 0511 3107-507
Regionaler Projektpartner
Caritasverband Hannover e, V. 
Kopernikusstraße 3
30167 Hannover
Tel. 0511 1217 334
www.caritas-hannover.de/adelante

Fachkräftebündnis Nordwest

IHK Hannover, Geschäftsstelle für den Landkreis Diepholz
Constantin von Kuczkowski
Tel. 04252 75198-0
Regionaler Projektpartner
PractiGo GmbH 
Ernst-Abbe-Straße 6 
28816 Stuhr
Tel. 0421 40 89 77 50
www.practigo.com/adelante

Fachkräftebündnis Südniedersachsen

IHK Hannover, Geschäftsstelle Göttingen
Nadia Mohseni
Tel. 0551 70710-12
Regionaler Projektpartner
Beschäftigungsförderung Göttingen (kAöR)
Levinstraße 1
37079 Göttingen
Tel. 0551 400 3650
www.bfgoe.de/adelante
Stand: 27.01.2022