Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv

Projekt "Kolorierte Landkarten"

In einem Verbundprojekt untersuchten die Stiftung Hanseatisches Wirtschaftsarchiv (SHWA) und die Commerzbibliothek zusammen mit dem Mineralogisch-Petrographischen Institut sowie dem Centre for the Study of Manuscript Cultures (CSMC) der Universität Hamburg, dem Museum am Rothenbaum - Kulturen und Künste der Welt (MARKK) kolorierte Landkarten des 16. bis 19. Jahrhunderts.
Grundlage waren die im historischen Safebestand überlieferten Sammel- und Verlags-Atlanten, die seit dem 18. Jahrhundert von der Commerzdeputation in ihrer Bibliothek gesammelt wurden. Darüber hinaus wurden einige wertvolle Einzelkarten dieses Bestandes untersucht. Insgesamt umfasst die Sammlung rund 4.000 Karten. Vergleichend wurden in dem Projekt asiatische Karten des MARKK hinzugezogen.
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Die Karten der SHWA entstammen größtenteils den Kartenverlagen der Niederlande, Deutschlands, Frankreichs sowie der Skandinavischen Länder. Berücksichtigt werden zudem auch in Hamburg herausgegebene Karten. Landkarten wurden damals als Kupferstich lediglich schwarz-weiß gedruckt, weshalb eine Kolorierung erst im Anschluss und nur durch Hand hinzugefügt werden konnte. Dies macht die Karten als Untersuchungsgegenstand besonders interessant, da jede Karte ein Unikat darstellt. Ziel des Forschungsprojektes ist es, weitreichende Informationen über die Farben zu gewinnen: Wer war für die Kolorierung verantwortlich? Welche Farbmittel wurden genutzt? Welche Rohstoffe wurden für die Herstellung der Farbmittel benötigt? Welche individuellen Kolorierungen weisen die Karten der SHWA auf? Diesen Fragen wurde mittels historischer sowie materialwissenschaftlicher Methoden nachgegangen. Zu den materialwissenschaftlichen Methoden gehört u.a. der Einsatz von Röntgenfluoreszenz, Raman-Spektroskopie sowie Infrarot. Die Untersuchungen sollten zudem langfristige Erkenntnisse über die generelle restauratorische Bestandsbewahrung von alten Kartenbeständen hervorbringen.
  Das Projekt ist im August 2018 gestartet und wurde für drei Jahre durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die SHWA und ihre Forschungspartner kooperieretn mit dem Centrum für Naturkunde der Universität Hamburg sowie der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin. Die Erkenntnisse werden in Form von Publikationen, eines Workshops sowie der am 26. August 2021 eröffneten Ausstellung “ Farbe trifft Landkarte” vermittelt, die noch bis 29. Mai 2022 im Museum am Rothenbaum zu sehen ist.