Auszubildende

Auslandspraktikum

Internationale Erfahrungen werden immer wichtiger - auch für Auszubildende. Seit 2005 ist im Berufsbildungsgesetz verankert, dass Auszubildende bis zu einem Viertel der Ausbildungsdauer ins Ausland gehen können.
Mit einem Auslandspraktikum können Auszubildende
  • ihre Fremdsprachenkenntnisse verbessern
  • neues Fachwissen erwerben
  • andere Arbeitstechniken kennenlernen
  • Souveränität im Umgang mit internationalen Geschäftspartnern gewinnen
  • sich persönlich weiterentwickeln
In Hamburg organisieren die Berufsbildenden Schulen und die Mobilitätsagentur von Arbeit und Leben regelmäßig Auslandspraktika. Dabei fahren die Auszubildenden in der Regel in kleinen Gruppen für mindestens zwei Wochen ins europäische Ausland. Dort absolvieren sie ein Praktikum, das ihrer Ausbildung entspricht. In vielen Fällen organisieren sich die Auszubildenden einen Praktikumsplatz in einer Niederlassung des eigenen Betriebes. Je nach Absprache können die Auszubildenden auch an einem weiterführenden Sprachkurs teilnehmen. Ein interkulturelles Vorbereitungsseminar sowie ein Nachbereitungstreffen in Hamburg gehören ebenso zum Teil des Programms. Untergebracht werden die Auszubildenden in der Regel in Gastfamilien. 

Teilnahmevoraussetzungen

  • Mindestalter: 18 Jahre
  • Ausbildung im 2. oder 3. Ausbildungsjahr
  • hohe Motivation und Durchhaltevermögen
  • Offenheit für fremde Kulturen
  • Englischkenntnisse oder Grundkenntnisse der Sprache im Zielland
  • Freistellung vom Betrieb und / oder der Berufsschule für das Vorbereitungsseminar, das Praktikum im Ausland und das Nachbereitungstreffen.

Fördermöglichkeiten

Erasmus+
Ein Praktikum im europäischen Ausland wird durch das EU-Förderprogramm "Erasmus+" gefördert. Die Auszubildenden erhalten ein Stipendium als Zuschuss zu Unterkunfts- und Verpflegungskosten. Der Auslandsaufenthalt wird durch den international anerkannten Europass Mobilität zertifiziert.
Ausbildung weltweit
Mit dem Projekt "Ausbildung weltweit" fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung Auslandsaufenthalte in der Berufsbildung in Ländern, die nicht von Erasmus+abgedeckt werden.

Mobilitätsstatistiken

Erstmals mehr als 25.000 Auszubildende mit Erasmus+ im Ausland
Noch nie waren Deutschlands Auszubildende so mobil wie 2019. Die Nationale Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) gibt in dieser Woche Förderzusagen für 25.800 Stipendien aus dem EU-Programm Erasmus+ für Auszubildende. Im Vergleich zu 2018 ist dies eine Steigerung von 2.700 Stipendien bzw. zwölf Prozent. Unter Berücksichtigung weiterer Förderprogramme sowie selbstfinanzierter Auslandsaufenthalte dürften damit etwa sieben Prozent aller Jugendlichen, die eine Berufsausbildung in Deutschland absolvieren, einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren. Erasmus+ fördert dabei mehr als zwei Drittel aller Auslandsaufenthalte. Zusammen mit 5.600 Ausbilderinnen und Ausbildern bzw. Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrern sind erstmals mehr als 30.000 Menschen aus Deutschland mit Erasmus+ mobil. Mehr lesen..

Zertifikatsvergabe

Nach bestandener Abschlussprüfung erhalten die Azubis ihr Prüfungszeugnis, das sie in der Regel zusammen mit dem Berufsschulzeugnis für Bewerbungen nutzen. Für ihren Aufenthalt im Ausland haben sie hingegen nicht immer einen Nachweis, auf dem die Details des Praktikums vermerkt sind. HIBB und Handelskammer haben daher ein Zertifikat entwickelt, das den Azubis ein solches Auslandspraktikum bescheinigt. Neben allgemeinen Angaben zum Auszubildenden und seinem Betrieb sind dabei vor allem auch Details zum Praktikumsbetrieb, zur Dauer des Aufenthaltes und zur Arbeitssprache vermerkt.
© HHIB

Erfahrungsbericht

Morgens, halb sieben, in London: Es ist Zeit fürs Frühstück. Toast, Spiegeleier mit Speck, Bohnen, gebratene Würstchen und Porridge stehen auf dem Tisch. Die Auszubildende Vanessa Müller hat sich an diese kulinarischen Herausforderungen gewöhnt. Sie macht in der britischen Hauptstadt seit knapp zwei Wochen ein Praktikum bei einem kleinen Tourismusunternehmen.
Das Praktikum ist Teil ihrer dreijährigen Ausbildung. Für den Auslandsaufenthalt hat sie ihr Hamburger Ausbildungsbetrieb freigestellt. Die Reise hat sie selbst organisiert. Flüge buchen, ein Unternehmen finden, Englisch pauken: Unterstützung hatte sie dabei aber gleich von mehreren Seiten.
Aus ihrer Berufsschulklasse sind einige Mitschüler ebenfalls in London. Im Englischunterricht und bei Seminaren trainierten sie gemeinsam ihre Sprachkenntnisse und interkulturellen Kompetenzen. Den Kontakt zur Gastfamilie vermittelte Arbeit und Leben Hamburg. Und für die Reise und die täglichen Ausgaben bekommt sie finanzielle Unterstützung aus EU-Mitteln. Damit sich der Einsatz auch für ihren Arbeitgeber lohnt, wurden Lernvereinbarungen getroffen, die nach dem Praktikum ausgewertet werden.
Das Team im Praktikumsbetrieb hat Vanessa an ihrem ersten Tag herzlich empfangen. Auf sprachliche Hürden wird Rücksicht genommen. Alle sprechen langsam und wiederholen, wenn nötig, einzelne Aussagen. Da sie hauptsächlich im Assistenzbereich eingesetzt ist, hat Vanessa auch Gelegenheit, den Schriftverkehr zu führen. Zusätzlich darf sie in alle Abteilungen hineinschnuppern. Am spannendsten sind aber die Stadtrundfahrten, die das Unternehmen für Touristen organisiert.
Gestern hat sie angefangen, die Berge von Rechnungen zu sortieren. Verwaltung wurde im Praktikumsbetrieb bisher nicht sehr ernst genommen. Als sie die Einführung eines Ablagesystems vorschlug, waren alle begeistert. Für Vanessa ist die Zeit in London eine schöne Möglichkeit, das bisher in der Ausbildung Gelernte anzuwenden.
Azubis, die die im Berufsbildungsgesetz beschriebenen Möglichkeiten für Auslandspraktika nutzen möchten, gibt es viele. Doch zu wenige bekommen wirklich die Chance dazu. Dabei hat Vanessa schon in kurzer Zeit Fortschritte gemacht. Nicht nur ihre Sprachkenntnisse haben sich verbessert. Sie weiß nun auch, wie die Briten leben und arbeiten und kann das in ihre weitere Ausbildung einfließen lassen. Nicht zuletzt hat sie sich persönlich weiterentwickelt, weil sie ihren Aufenthalt eigenverantwortlich organisierte.