Konjunktur Frühsommer 2026

SIHK-Konjunkturumfrage: Südwestfälische Wirtschaft ist alarmiert

Der Substanzverlust der südwestfälischen Wirtschaft setzt sich im Frühjahr 2026 ungebremst fort. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) hervor, an der 419 Unternehmen mit rund 35.000 Beschäftigten aus Industrie, Handel und Dienstleistungen im Märkischen Kreis, dem südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis und der Stadt Hagen vom 13. bis 28. April teilgenommen haben. Der SIHK-Geschäftsklimaindex sinkt von 91 auf 85 Punkte.
„Unaufhaltsam wachsende bürokratische Belastungen, ineffiziente Klima- und Energiepolitik, überzogene Unternehmenssteuern: Die langjährige Wachstumsschwäche der deutschen und regionalen Wirtschaft versetzt viele Betriebe in Alarmbereitschaft“, bekräftigt SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat. „Das aus Sicht der Unternehmen mangelhafte Reformtempo der Bundesregierung sorgt vielerorts für Frustration. Jedes fünfte Industrieunternehmen zieht Standort- und Teilverlagerungen konkret in Erwägung. Dies zeigt: Die Bundesregierung darf keine Zeit mehr verlieren, Maßnahmen zur Rettung des Wirtschaftsstandorts einzuleiten“, fordert er.
Nur 13 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden Monaten mit einer besseren Entwicklung ihrer Geschäfte, während 27 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Das sind acht Prozentpunkte mehr als zu Jahresbeginn.
„In der Industrie sind geopolitische Spannungen längst kein abstraktes Risiko mehr, sondern Teil des Tagesgeschäfts. Kriege, unsichere Handelswege und schwankende Rohstoffverfügbarkeiten schlagen direkt auf Einkauf, Produktion, Liefertermine und Kundenverhandlungen durch. Dies führt zu massivem Druck bei der Preisgestaltung”, so Tim Vogler, Geschäftsführer der Vogler GmbH und Co. KG aus Lüdenscheid.
Mehr als drei Viertel der Unternehmen sehen in den volatilen Energie- und Rohstoffpreisen das größte Risiko für die zukünftige Entwicklung (78 Prozent). Gegenüber der Umfrage zu Jahresbeginn entspricht dies einem deutlichen Anstieg um 24 Prozentpunkte. In diesem Zusammenhang gewinnt auch die Verfügbarkeit von Rohstoffen spürbar an Bedeutung: Der Anteil der Unternehmen, die hier ein Risiko sehen, ist von neun auf 30 Prozent gestiegen.
„Die Kreislaufwirtschaft ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Wir sorgen für Rohstoffresilienz, Versorgungssicherheit und sparen CO2 ein. Für eine schlagkräftige Entfaltung bedarf es eine Schärfung von Rahmenbedingungen. Beschleunigung von Genehmigungsverfahren, Mindesteinsatzquote von Recyclingrohstoffen und einen Einbezug der Kreislaufwirtschaft in den Industriestrompreis”, sagt Gustav Henrik Edelhoff, Geschäftsführer der Lobbe Holding GmbH & Co KG aus Iserlohn.
Nach einem Jahr Regierungsarbeit hat die Bundesregierung aus Sicht der regionalen Wirtschaft nicht ausreichend geliefert.
„Die Unsicherheit ist inzwischen der größte Risikofaktor. Wir sehen zwar politische Ankündigungen wie den Bau-Turbo, Infrastrukturprogramme und Investitionsfonds, aber vor Ort kommt davon wenig Verlässliches an. Gleichzeitig verteuern Energie-, Rohstoff- und Transportkosten jedes Bauvorhaben und betriebliche sowie private Investoren halten ihr Geld zusammen. Wer bauen, modernisieren oder Standorte sichern soll, braucht bezahlbare Kosten sowie das Gefühl von Stabilität und Sicherheit”, erklärt Lucas Gebler, Geschäftsführer der Gebler Immobilien GmbH & Co. KG in Hagen.
Weitere Informationen zu der aktuellen SIHK-Konjunkturumfrage erteilt: Katharina Ingebrand, Referentin für Nachhaltigkeit und Klimaschutz bei der SIHK, per E-Mail an katharina.ingebrand@hagen.ihk.de oder telefonisch unter 02331 390-272.
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