SIHK-Pressemeldung

Unternehmen sehen Nachwuchsgewinnung als zentrale Herausforderung für Metall- und Elektroberufe

Gemeinsame Befragung der IHKs Arnsberg, Siegen und Hagen zeigt: Ausbildungsbetriebe brauchen moderne Berufsbilder, flexiblere Strukturen und wünschen sich stärkere Unterstützung durch Lernortkooperationen
Die Gewinnung geeigneter Bewerberinnen und Bewerber entwickelt sich für Ausbildungsbetriebe in den Metall- und Elektroberufen zunehmend zur zentralen Herausforderung. Das zeigt eine gemeinsame Unternehmensbefragung der IHK Arnsberg Hellweg-Sauerland, der IHK Siegen und der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK). Insgesamt beteiligten sich 274 Ausbildungsbetriebe aus den drei IHK-Bezirken an der Befragung.
Die Rückmeldungen der Unternehmen zeichnen ein deutliches Bild: „Viele Betriebe wollen weiterhin ausbilden, haben aber immer größere Schwierigkeiten, ausreichend geeignete junge Menschen für eine Ausbildung in den Metall- und Elektroberufen zu gewinnen. Fast alle befragten Unternehmen berichten von einer rückläufigen Zahl geeigneter Bewerberinnen und Bewerber“, konstatiert Dr. Thilo Pahl, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen. „Wenn die Wirtschaft nach der langen Stagnation wieder Fahrt aufnimmt, wird das ein Engpass sein.“ Rund zwei Drittel der befragten Betriebe konnten im vergangenen Jahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen.
Damit steht die Nachwuchssicherung in einer Branche unter Druck, die für die industrielle Stärke der Region von zentraler Bedeutung ist. Die Metall- und Elektroberufe bilden die Grundlage für Produktion, Instandhaltung, Maschinenbau, Automatisierung und moderne industrielle Wertschöpfung. Wenn Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, wirkt sich das langfristig auf die Fachkräftebasis der Unternehmen aus.
Gleichzeitig macht die Befragung deutlich: Die Bewerberentwicklung ist nicht die einzige Herausforderung. Die Betriebe sehen auch einen erheblichen Weiterentwicklungsbedarf bei den Ausbildungsordnungen. „Digitalisierung, Automatisierung, vernetzte Produktionssysteme und Künstliche Intelligenz verändern die Anforderungen an Fachkräfte spürbar“ weiß Dr. Ralf Geruschkat, Hauptgeschäftsführer der SIHK zu Hagen und betont: „Gefragt sind heute neben soliden fachpraktischen Grundlagen zunehmend digitale Kompetenzen, interdisziplinäres Denken sowie Analyse- und Problemlösefähigkeit.“
Die Unternehmen stellen das duale Ausbildungssystem dabei nicht grundsätzlich infrage. Im Gegenteil: Die betriebliche Ausbildung bleibt aus ihrer Sicht der zentrale Weg zur Fachkräftesicherung. Viele Betriebe wünschen sich jedoch modernere und flexiblere Berufsbilder, die technologische Entwicklungen schneller aufnehmen können und zugleich für unterschiedliche betriebliche Realitäten praktikabel bleiben.
Besonders deutlich wird der Wunsch nach mehr Flexibilität. Die Betriebe sprechen sich für Ausbildungsordnungen aus, die gemeinsame Grundlagen sichern, aber anschließend stärkere Spezialisierungen ermöglichen. Wahlqualifikationen, Profilmodule und zertifizierbare Bausteine werden als geeignete Wege gesehen, um neue Inhalte besser in die Ausbildung zu integrieren, ohne die Unternehmen zu überfordern.
Auch die Rolle von Berufsschulen und überbetrieblichen Bildungsstätten gewinnt aus Sicht der Betriebe an Bedeutung. Viele Unternehmen, insbesondere kleinere und mittlere Betriebe, können nicht jede neue Technologie selbst in der Ausbildung abbilden. Moderne Lernlabore, überbetriebliche Angebote und enge Kooperationen der Lernorte werden deshalb als wichtiger Schlüssel gesehen, um Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Automatisierung, Robotik oder KI praxisnah vermitteln zu können.
„Die Ergebnisse zeigen sehr klar: Die Betriebe wollen ausbilden, aber sie brauchen dafür passende Rahmenbedingungen“, erklären die beteiligten IHKs und betonen. „Dazu gehören moderne Ausbildungsordnungen, praxisnahe Prüfungen, starke Berufsschulen und leistungsfähige überbetriebliche Bildungsangebote. Nur wenn diese Bausteine zusammenspielen, bleiben die Metall- und Elektroberufe attraktiv und zukunftsfähig“ betont Jörg Nolte, Hauptgeschäftsführer der IHK Hellweg-Sauerland.
Auch bei den Prüfungen sehen die Unternehmen Weiterentwicklungsbedarf. Bewährte Strukturen wie die gestreckte Abschlussprüfung werden weiterhin breit getragen. Zugleich wünschen sich die Betriebe Prüfungsformate, die berufliche Handlungskompetenz, digitale Anwendungen und reale betriebliche Prozesse stärker abbilden. Projekt- und prozessorientierte Prüfungsanteile sowie digitale Prüfungsformate werden dafür als wichtige Ansätze gesehen.
Die IHKs Arnsberg, Siegen und Hagen sehen in den Ergebnissen einen klaren Auftrag für die weitere Diskussion über die Zukunft der Metall- und Elektroberufe. Die Befragung zeigt, dass Reformen nicht als Bruch mit dem dualen System verstanden werden sollten, sondern als dessen notwendige Weiterentwicklung. Ziel müsse sein, die bewährten Stärken der Ausbildung zu erhalten und zugleich mehr Tempo, Flexibilität und Praxisnähe in die Modernisierung der Berufsbilder zu bringen.
Ohne solche Anpassungen drohen aus Sicht vieler Unternehmen Qualifikationslücken. Die Betriebe machen deutlich, dass der Handlungsbedarf nicht erst langfristig entsteht, sondern bereits heute spürbar ist. Eine zukunftsfähige Ausbildung in den Metall- und Elektroberufen ist damit ein wichtiger Baustein für die Fachkräftesicherung und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrieregion Südwestfalen.
Hintergrund:
Die Befragung wurde gemeinsam von der IHK Arnsberg Hellweg-Sauerland, der IHK Siegen und der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen durchgeführt. Angeschrieben wurden 870 Ausbildungsbetriebe aus den drei Kammerbezirken. 274 Unternehmen beteiligten sich an der Befragung. Im Mittelpunkt stand die Zukunft der Metall- und Elektroberufe, die Passung bestehender Ausbildungsordnungen, neue Kompetenzanforderungen, Prüfungsformate sowie die Rolle überbetrieblicher Ausbildung.