Weg frei für EU-Mercosur-Abkommen – Parlament muss Gesetz nun noch ratifizieren
Jahrzehntelang wurde verhandelt: Nun ist der Weg frei für das EU-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Bei der heutigen Sitzung gab es die nötige Mehrheit.
„Die Zustimmung zum EU-Mercosur-Freihandelsabkommen ist für die stark exportorientierte südwestfälische Wirtschat von besonderer Bedeutung“, so Frank Herrmann, Außenhandelsexperte bei der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) und fordert: „Jetzt muss es darum gehen, dass die Bundesregierung die Führung in Europa übernimmt, dass das Abkommen nun im EU-Parlament zügig ratifiziert wird.“
„Die Europäische Union darf nach 25 Jahren Verhandlungen die Chance nicht verpassen, sich mit diesen wichtigen Handels- und Rohstoffpartnern mit etwa 270 Millionen Konsumenten enger zu verbinden und bestehende Handelshürden abzubauen, ohne die hohen EU-Verbraucherschutz- und Sicherheitsstandards zu tangieren“, betont Frank Herrmann.
Derzeit sind rund 85 Prozent der europäischen Ausfuhren in die Mercosur-Staaten mit Zöllen belegt. Das verursacht beachtliche Zusatzkosten beim bilateralen Handel von rund vier Milliarden Euro jährlich. Laut Angaben der EU-Kommission können durch das Abkommen die jährlichen EU-Exporte in den Mercosur um bis zu 39 Prozent steigen. Dadurch können 440.000 Jobs in der EU entstehen. Insgesamt exportieren 12.500 deutsche Unternehmen in die Region, davon 72 Prozent kleine und mittlere Betriebe.
„Mit dem neuen Abkommen würden sich auch für mittelständische Betriebe neue lohnende Märkte erschließen, die bisher eher eine geringe Rolle spielen. Das Abkommen ist gerade dafür da, Risiken im Handelsgeschäft mit Südamerika zu minimieren, in dem es den Austausch von Waren und Dienstleistungen klar regelt. Insbesondere Branchen wie Maschinenbau, Automobilzulieferung, Energie und Rohstoffe können langfristig neue Liefer- und Absatzketten entwickeln und damit ihre globale Wettbewerbsfähigkeit stärken. Durch klare Regeln zu Investitionsschutz, IP-Rechten und regulatorischen Standards werden Mittelständler zudem mehr Planungssicherheit für langfristige Engagements in Südamerika gewinnen. Auch Forschung und Entwicklung mit südamerikanischen Partnern werden gefördert, was Innovationen und Wissenstransfer stärkt“, so Herrmann.