SIHK-Pressemeldung
Industrie in Südwestfalen: Geringe Investitionsneigung im Inland – zunehmende Aktivität in Asien
Die Bereitschaft der südwestfälischen Industrieunternehmen, am heimischen Standort zu investieren, bleibt auch 2026 verhalten. Nach der aktuellen Umfrage der drei Industrie- und Handelskammern Arnsberg, Hagen und Siegen unter 539 Industrieunternehmen planen weiterhin nur wenige Betriebe, ihre Investitionen in Deutschland auszuweiten. Gleichzeitig gewinnen ausländische Märkte – allen voran die Länder der Asien-Pazifik-Region und China – für viele Unternehmen spürbar an Bedeutung.
Die Ergebnisse zeigen, dass lediglich 16 Prozent der Unternehmen höhere Inlandsinvestitionen vorsehen. 37 Prozent planen hingegen geringere Investitionen. Hohe Arbeits- und Energiekosten, komplexe Genehmigungsverfahren sowie ein insgesamt hoher bürokratischer Aufwand führen dazu, dass Investitionsvorhaben häufiger aufgeschoben oder Standorte außerhalb Deutschlands bevorzugt werden.
„Die Unternehmen brauchen verlässliche und wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen, damit sie ihr Vertrauen in den Standort zurückgewinnen. Solange hohe Kosten und bürokratische Hürden den Handlungsspielraum einengen, bleiben Investitionen im Inland zurückhaltend“, betont Dr. Ralf Geruschkat, Hauptgeschäftsführer der SIHK zu Hagen. Er verweist darauf, dass betriebliche Entscheidungen zunehmend von der Frage geprägt seien, wo sich Vorhaben mit vertretbarem Aufwand und kalkulierbaren Kosten realisieren lassen.
Parallel zur schwachen Inlandsentwicklung setzen viele südwestfälische Industrieunternehmen ihre Auslandsaktivitäten fort oder bauen sie aus. Dabei zeigt sich eine deutliche Verschiebung der Zielregionen. Das zunehmend schwierige transatlantische Verhältnis schlägt sich auch in den geplanten Auslandsinvestitionen nieder. Während Nordamerika an Attraktivität verliert, gewinnen andere Regionen – insbesondere China sowie die übrige Asien-Pazifik-Region – deutlich an Bedeutung. Der Anteil der Unternehmen mit Investitionsplänen in China steigt von 26 auf 33 Prozent, jener für die Asien-Pazifik-Region ohne China von 17 auf 26 Prozent. Die Eurozone bleibt mit rund 45 Prozent ein stabiler Investitionsschwerpunkt.
„Die globale Ausrichtung bleibt für unsere Industrie ein zentraler Stabilitätsfaktor. Viele Betriebe sehen trotz bestehender Unsicherheiten in Asien weiterhin gute Perspektiven und passen ihre Investitionsstrategien entsprechend an“, erklärt Jörg Nolte, Hauptgeschäftsführer der IHK Arnsberg, Hellweg-Sauerland. Er hebt hervor, dass die wirtschaftlichen Potenziale insbesondere in dynamischen Auslandsmärkten ein wichtiger Baustein für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen seien.
Neben der Markterschließung spielen insbesondere Personal- und Energiekosten eine herausgehobene Rolle. Deutlich zugenommen hat zudem der Anteil der Unternehmen, die im Ausland investieren wollen, um bürokratischen Aufwand zu reduzieren.
Dr. Thilo Pahl, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen: „Unsere Industrieunternehmen müssen genau abwägen, unter welchen Bedingungen Investitionen überhaupt möglich sind. Wenn andere Länder attraktive Rahmenbedingungen bieten und hierzulande zentrale Entscheidungen zu lange dauern, wandern Investitionen zwangsläufig ab. Dabei gehen nicht nur wirtschaftliche Chancen verloren, sondern auch Arbeitsplätze. Damit Investitionen wieder verstärkt in Deutschland stattfinden, brauchen wir spürbare Reformen, die Vertrauen schaffen, Prozesse vereinfachen und Kosten senken. Nur so gelingt es, Investitionen zurückzuholen und die industrielle Zukunft unserer Region zu sichern.“
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