Südwestfälische Wirtschaft
Nr. 7164514
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Resilienz

Sicherheit braucht eine starke Wirtschaft

Sicherheit und Verteidigung sind längst mehr als staatliche Aufgaben. Sie prägen Märkte, Lieferketten und Standortentscheidungen. Für Unternehmen entstehen Chancen, aber zugleich wächst die Verantwortung, Produktion, Infrastruktur und Versorgung krisenfest aufzustellen. Die SIHK begleitet diesen Wandel seit der Zeitenwende aktiv.
Die veränderte Sicherheitslage in Europa hat die Wirtschaft längst erreicht. Cyberangriffe, Sabotage, fragile Lieferketten sowie Energie- und Rohstoffabhängigkeiten zeigen, dass Sicherheit nicht allein Aufgabe von Staat und Bundeswehr sein kann. Sie entscheidet darüber, ob Unternehmen produzieren und liefern können. Resilienz wird damit zum Standortfaktor und zur unternehmerischen Aufgabe.
Zugleich wächst der Markt. Für 2026 sind in Deutschland Verteidigungsausgaben von rund 108 Milliarden Euro vorgesehen. Die Europäische Union will ihre industrielle Basis stärken und Beschaffungen stärker bündeln. Davon profitieren nicht nur Hersteller von Waffensystemen. Gefragt sind ebenso Werkstoffe, Präzisionsteile, Elektronik, Sensorik, Software, Logistik, Bauleistungen, Energieversorgung und Dienstleistungen.

Hohe Kompetenzen und Erfahrungen

Südwestfälische Zulieferer bringen dafür viel mit. Sie überzeugen mit hoher Fertigungstiefe, Präzision, Erfahrung mit anspruchsvollen Industriekunden und Serienkompetenz. Viele Betriebe verfügen bereits über Technologien, die zivil und militärisch einsetzbar sind, ohne sich als Teil der Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft zu verstehen. Solche Dual-Use-Potenziale können neue Geschäftsfelder eröffnen.
Der Einstieg ist kein Selbstläufer. Der Markt ist stark reguliert, wobei Auftraggeber und Systemhäuser hohe Anforderungen an Qualität, Nachverfolgbarkeit, Informationssicherheit, Zertifizierungen und Lieferfähigkeit stellen. Wer Chancen nutzen will, braucht Orientierung, ein klares Leistungsangebot und vor allem Geduld.

Absicherung im Krisenfall

Das Thema betrifft weit mehr als mögliche Zulieferer. Gesamtverteidigung umfasst auch Versorgung, Verkehrswege, Energie- und Kommunikationsnetze, Gesundheitswirtschaft und Logistik. Deshalb sollte jedes Unternehmen prüfen, wie sich seine kritischen Prozesse, Daten, Beschäftigten, Produktion und Lieferketten im Krisenfall absichern lassen.
Hier übernehmen die IHKs eine wichtige Rolle. Sie sind Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Bundeswehr. Sie informieren über Anforderungen und Vergabewege, bündeln Interessen, benennen Hemmnisse und bringen Betriebe mit Auftraggebern, Systemhäusern, Forschung und Partnern zusammen. Gerade für den Mittelstand schaffen sie Zugang zu oft schwer durchschaubaren Strukturen.
Die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) will diese Aufgabe als zentrale „Go-to-Defence“-Anlaufstelle ausfüllen. Sie macht Kompetenzen sichtbar, unterstützt bei der Einordnung von Defence- und Dual-Use-Potenzialen und schafft mit Fachforen, Informationen und Matchingformaten Zugänge. Zugleich rückt sie die Resilienz von Lieferketten und Infrastruktur in den Mittelpunkt. Denn industrielle Stärke ist Voraussetzung dafür, dass Wirtschaft, Staat und Gesellschaft auch unter Druck handlungsfähig bleiben.
Sich mit Sicherheit und Verteidigung zu befassen, bedeutet keine Verengung auf Rüstung. Es geht um Marktchancen, technologische Souveränität und Verantwortung. Dabei versteht sich die SIHK als Wegbegleiterin: Sie bietet Hilfestellungen, schafft Orientierung und gibt Impulse, damit Unternehmen Chancen eigenständig erschließen und ihre Widerstandsfähigkeit stärken können.
Mitmachen und Themen setzen: Das FachForum ‚Wirtschaft und Gesamtverteidigung‘ der SIHK zu Hagen bringt Unternehmen mit Fachleuten aus Bundeswehr, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Im Mittelpunkt stehen Marktchancen in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, zivil-militärische Zusammenarbeit, krisenfeste Lieferketten und betriebliche Vorsorge. Die Themen der quartalsweisen Treffen richten sich gezielt nach den Bedarfen der Unternehmen. Neben fachlichen Impulsen bietet das Forum Raum für Erfahrungsaustausch. Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Fach- und Führungskräfte sind eingeladen, das Netzwerk mitzugestalten.