Auswertung

Zukunft der Metall- und Elektroberufe: Unternehmensbefragung zeigt Reformbedarf in der Ausbildung

Eine gemeinsame Befragung der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen, der IHK Arnsberg Hellweg-Sauerland und der IHK Siegen von 274 Ausbildungsbetrieben der Metall- und Elektroberufe in Südwestfalen zeigt deutlich: Die Fachkräftesicherung entwickelt sich zur größten Herausforderung für die Unternehmen. Fast alle Betriebe berichten von einem Rückgang geeigneter Bewerberinnen und Bewerber, und rund zwei Drittel konnten im vergangenen Jahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen.
Gleichzeitig verändert der technologische Wandel die Anforderungen an zukünftige Fachkräfte grundlegend. Digitalisierung, Automatisierung, Künstliche Intelligenz, vernetzte Produktionssysteme und interdisziplinäre Arbeitsprozesse erfordern zunehmend digitale Kompetenzen, Analyse- und Problemlösefähigkeit sowie die Fähigkeit, über Fachgrenzen hinweg zu arbeiten. Klassische technische und handwerkliche Grundlagen bleiben dabei unverzichtbar, müssen jedoch durch neue Kompetenzfelder ergänzt werden.
Vor diesem Hintergrund sehen viele Unternehmen die bestehenden Ausbildungsordnungen und Prüfungsformate nur noch eingeschränkt als zukunftsfähig an. Insbesondere die Berücksichtigung digitaler Inhalte wird als unzureichend bewertet. Die Betriebe fordern daher schnellere Aktualisierungsprozesse, flexiblere Ausbildungsstrukturen sowie modernere Berufsbilder, die technologische Entwicklungen zeitnah aufgreifen können.
Große Zustimmung erfahren Konzepte wie eine gemeinsame Grundbildung mit anschließender Spezialisierung, Wahlqualifikationen, Profilmodule und modular aufgebaute Ausbildungsbausteine. Viele Unternehmen sehen darin nicht nur eine Möglichkeit zur Modernisierung der Ausbildung, sondern auch einen Ansatz, zusätzliche Ausbildungsplätze anbieten zu können.
Zugleich wird deutlich, dass zahlreiche Betriebe die neuen Anforderungen nicht mehr allein bewältigen können. Berufsschulen, überbetriebliche Bildungsstätten mit innovativen Lernlaboren gewinnen daher als Partner der betrieblichen Ausbildung erheblich an Bedeutung. Sie werden zunehmend als Kompetenzzentren für Digitalisierung, Automatisierung und moderne Produktionstechnologien betrachtet.
Auch bei den Prüfungen wünschen sich die Unternehmen mehr Praxisnähe und Kompetenzorientierung. Digitale Prüfungsformate sowie projekt- und prozessorientierte Prüfungsanteile werden deutlich befürwortet.
Insgesamt zeichnet die Befragung das Bild eines Berufsbildungssystems im Wandel. Die Unternehmen stehen vor der Aufgabe, Ausbildung und Fachkräftesicherung an die Anforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt anzupassen. Dabei wird das duale Ausbildungssystem nicht infrage gestellt. Vielmehr sprechen sich die Betriebe für eine gezielte Modernisierung aus, die bewährte Strukturen erhält und gleichzeitig mehr Flexibilität, Aktualität und Durchlässigkeit schafft. Aus Sicht der Unternehmen besteht dabei erheblicher Zeitdruck: Ohne Reformen drohen bereits in den kommenden Jahren spürbare Qualifikations- und Fachkräftelücken.