Ausbildung und Familie

Teilzeitausbildung für junge Mütter und Väter


Eine Chance für junge Mütter, Väter, pflegende Angehörige und Unternehmen
Junge Menschen in familiärer Verantwortung haben in der Regel wenig Chancen sich beruflich zu qualifizieren, denn oft ist aufgrund ihrer Familienpflichten eine Ausbildung in Vollzeit nicht möglich.
Häufig verfügen diese Ausbildungsplatzsuchenden jedoch über eine gute schulische Qualifikation und hohe Motivationsfähigkeit. Daher ist eine Teilzeitausbildung eine gute Chance sowohl für junge Eltern als auch für Unternehmen.

Vorteile für Auszubildende und Unternehmen
  • Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.
  • Möglichkeit zu finanzieller Unabhängigkeit und Selbstverantwortung.
  • Finanzielle Entlastung durch Verringerung der monatlichen Vergütung.
  • Wenn ein bestehendes Ausbildungsverhältnis wegen Elternzeit unterbrochen werden muss, sind die betrieblichen Investitionen nicht verloren, da es in Teilzeit beendet werden kann.
  • Familienfreundlichkeit ist ein klarer Standortvorteil, ein Zuwachs an gut ausgebildeten Fachkräften stärkt die Wirtschaft und wirkt dem zu erwartenden Fachkräftemangel in Deutschland entgegen.
  • Zeitliche Flexibilität, denn die Auszubildenden können nach individueller Vereinbarung zeitlich passend zur Betriebsstruktur eingesetzt werden (morgens, nachmittags, abends, an Wochenenden, mit Arbeitszeitkonten).
  • Verantwortungsbewusstsein und Motivation der Auszubildenden sind in der Regel stärker ausgeprägt.

Teilzeitausbildung in der Praxis
  • Reduzierung der Ausbildungszeit auf eine wöchentliche Stundenzahl zwischen 20 und 30 Stunden.
  • Verlängerung der Ausbildungsdauer; ggf. individuelle Verkürzungsmöglichkeit.
  • 100%iger Berufsschulbesuch.
  • Zahlung einer angepassten Ausbildungsvergütung.
  • Alle Vertragspartner sprechen ab, zu welchen Zeiten diese Stunden geleistet werden (Vormittag, Nachmittag, Abend, Wochenzeitkonto).
Die Teilzeit-Variante ist grundsätzlich bei allen betrieblichen Ausbildungen möglich.
Variante 1
Teilzeitausbildung ohne Verlängerung der Ausbildungszeit. Die Arbeitszeit einschließlich des Berufsschulunterrichts beträgt mindestens 25 Wochenstunden (oder 75% der wöchentlichen Arbeitszeit).
Variante 2
Teilzeitausbildung mit Verlängerung der Ausbildungszeit um maximal ein Jahr. Die Arbeitszeit beträgt einschließlich des Berufsschulunterrichts mindestens 20 Wochenstunden.

Gesetzliche Rahmenbedingungen
Der Gesetzgeber hat bereits im Jahr 2005 entschieden, Betrieben und Auszubildenden, denen eine Vollzeitausbildung aufgrund ihrer familiären Verpflichtungen verwehrt ist, die Möglichkeit der Ausbildung in Teilzeit zu eröffnen.
§ 8 Berufsbildungsgesetz (BBiG)
(1) Auf gemeinsamen Antrag der Auszubildenden und Aus­bildenden hat die zuständige Stelle 1 die Ausbildungszeit zu kürzen, wenn zu erwarten ist, dass das Ausbildungsziel in der gekürzten Zeit erreicht wird. Bei berechtigtem Interesse kann sich der Antrag auch auf die Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit richten (Teilzeitberufsausbildung).
(2) In Ausnahmefällen kann die zuständige Stelle 1auf Antrag des/der Auszubildenden die Ausbildungszeit verlängern, wenn die Verlängerung erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Vor der Entscheidung nach Satz 1 sind die Ausbildenden zu hören.
(3) Für die Entscheidung über die Verkürzung oder Verlängerung der Ausbildungszeit kann der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung Richtlinien 2erlassen.
1zuständige Stelle ist die jeweilige Kammervertretung
2die Richtlinien wurden am 27. Juni 2008 verabschiedet