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WIRTSCHAFTSMAGAZIN · 6/2014
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Ausschuss tagte im
Kraftwerk Staudinger
Die Auswirkungen der Energiewende sind sichtbar.
A
ls die Mitglieder des IHK-Technolo-
gieausschusses im Frühjahr das E.ON-
Kraftwerk Staudinger in Großkrot-
zenburg besichtigten, waren sie beeindruckt.
Die Riesenturbinen und imposanten Kohlela-
ger machen die Dimensionen der Strom- und
Wärmeerzeugung erlebbar. Produktionsleiter
Christoph Kreis berichtete seinen Gästen, dass
das Kraftwerk einer der leistungsstärksten
Standorte von E.ON und das größte konven-
tionelle Kraftwerk in Hessen gewesen sei.
1963
wurde der Grundstein gelegt. Es bestand
aus fünf Kraftwerksblöcken, von denen nur
noch der mit Steinkohle befeuerte Block 5 und
der mit Erdgas betriebene Block 4 in Betrieb
sind. Block 6 wurde aufgrund der Ener-
giewende schon gar nicht mehr gebaut.
Mit der Verwertung des kommunalen
Klärschlamms leistet Staudinger einen
zusätzlichen Beitrag zum Umweltschutz und
löst das Problem vieler Kommunen, ihren
Klärschlamm umweltgerecht zu entsorgen.
Im Block 5 wird dieser in kleinen Mengen
der Kohle beigemischt und mitverbrannt.
Seit vielen Jahren schon beschäftigt sich
der IHK-Ausschuss mit Energiethemen,
zumal die Energiepreise für viele Unterneh-
men hart an die Belastungsgrenze gehen.
Hier im Kraftwerk Staudinger ist sichtbar,
welche Auswirkungen das Erneuerbare Ener-
Foto: B. Hammerla
giegesetz (EEG) für herkömmliche Kraftwer-
ke hat: Von den ehemals über 250 Mitarbei-
tern sind nur noch rund 110 übriggeblieben.
Das Energiethema wurde ergänzt durch
einen Vortrag über aktuelle Forschungser-
gebnisse bei der Batteriespeicherung, refe-
riert von Dominik Weber, Physikalisch-Che-
misches Institut der Justus-Liebig-Universi-
tät Gießen. Die bisherigen Lithiumionen-
Batterien funktionieren mit teilflüssigen
Stoffen; daher wird aktuell an Feststoffen
geforscht, die eine wesentlich höhere Ener-
giespeicherung ermöglichen und wesentlich
länger haltbar sind. Auch nähme eine Fest-
stoffbatterie nur ein Fünftel des Volumens
einer Lithiumionen-Batterie ein.
Gütesiegel oder
Länderkennung?
Ein weiteres Thema des Tages war „Made
in Germany – eine Marke in Gefahr“. Eigens
dafür aus Brüssel angereist war Freya Lemk-
ke, die aus Sicht des DIHK schilderte, wie die
EU-Kommission die Kennzeichnungspflicht
zum Herstellerland eines Produktes voran-
treibt. Die Kennzeichnung „Made in Germa-
ny“ war Ende des 19. Jahrhunderts von
Großbritannien eingeführt worden, um vor
Billigimportwaren zu warnen. Diese
ursprünglich als Brandmarkung deutscher
Produkte gedachte Maßnahme entwickelte
sich zu einem Gütesiegel für hochwertige
Produkte. Ginge es nach dem Europaparla-
ment in Straßburg, würde sich das bald
ändern. Laut Lemcke hätten die Abgeordne-
ten im April dafür gestimmt, das Gütesiegel
zur Pflicht zu machen, damit die Verbrau-
cher klar erkennen könnten, aus welchem
Land ein Produkt stamme.
Der DIHK argumentiere dagegen, sagt
sie. Das Herstellungsland sei heute nicht
mehr entscheidend. Wichtig seien die Ideen,
Qualität und Ingenieurleistung, die in einer
Ware steckten. Stammten diese aus Deutsch-
land, sei das Siegel „Made in Germany“
selbst dann gerechtfertigt, wenn ein Produkt
anderswo gefertigt worden wäre.
Das EU-Parlament kann die Regelkenn-
zeichnung allein nicht ändern, die Mitglied-
staaten müssen zustimmen. Von den 28 EU-
Ländern haben sich 16 gegen eine Änderung
ausgesprochen. Auch Wirtschaftsminister
Sigmar Gabriel lehnt sie im Gegensatz zu
den SPD-Europa-Abgeordneten ab.
Der von der Vollversammlung neue
gewählte Ausschussvorsitzende Helmut Zieg-
ler dankte seinem Vorgänger Ernst Lenger für
seine langjährige Tätigkeit. Unter seinem
Vorsitz seien einige erfolgreiche Projekte
durchgeführt worden. Als Beispiel nannte
Ziegler die Arbeitskreise Ökodesign und Elek-
tromobilität, die der Ausschuss unter Lenger
ins Leben gerufen habe. Außerdem habe er in
dieser Zeit auch diverse Positionspapiere ver-
abschiedet. Lenger erklärte sich bereit, wei-
terhin den stellvertretenden Vorsitz des Tech-
nologieausschusses zu übernehmen.
n
Weiß behütet
verschaffen sich die Mitglieder
des Technologieausschusses einen Eindruck vom
Kraftwerk Staudinger.
Beate Hammerla
AuTorin