Energiesymposium: IHK fordert verlässliche Energiepolitik für Mittelhessen

IHK‑Präsident Rainer Schwarz fordert verlässliche Energiepolitik für Mittelhessen. Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Energiepreise standen im Mittelpunkt des IHK-Energiesymposiums.
Das Gleichgewicht zwischen Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit muss gehalten werden.“
Mit dieser Forderung eröffnete Rainer Schwarz, Präsident der IHK Gießen-Friedberg, das Energiesymposium „Zukunftsfähige Energiepolitik – Perspektiven für Mittelhessen“ in den Räumen der IHK in Gießen. Schwarz verwies auf den steigenden Strombedarf und schloss daraus: „Wir brauchen leistungsfähige Netze, Speicher und Flexibilitäten auf Verbraucherseite, aber wir müssen auch Reservekraftwerke vorhalten.“ Neben der Versorgungssicherheit forderte er wettbewerbsfähige Energiepreise. Denn der Kostendruck wirke sich bereits negativ aus: Bis zu 60 Prozent der großen Industrieunternehmen beschäftigen sich laut DIHK-Energiewendebarometer mit einer Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland.
Im Verlauf des Symposiums brachten Experten aus Netzbetrieb, Wissenschaft und Wirtschaft konkrete Analysen und Handlungsvorschläge ein. Michael Lorsbach, Geschäftsführer der Lynx Holding GmbH und Sprecher des IHK-Arbeitskreises „Zukunftsfähige Energiepolitik“, führte durch den Nachmittag. Mit Blick auf die Energiewende sagte er:
„Die Ziele müssen nicht nur ambitioniert, sondern auch realistisch sein.”
Rüdiger Schwarz, Geschäftsführer von Mittelhessen Netz, stellte den Status und die Pläne für den Netzausbau in der Region vor. Die Netzbetreiber prognostizieren aufgrund des steigenden Strombedarfs eine Verdopplung der Netzkapazität bis 2045 und halten umfangreiche Investitionen in Netzausbau, Schutz‑ und Leittechnik, flächendeckende Smart‑Meter‑Einführung sowie die Prüfung der Wasserstoff‑Tauglichkeit bestehender Gasleitungen für notwendig. Wasserstoff sei ein molekularer Energieträger, der nachhaltig hergestellt werden könne. „Ich bin überzeugt, dass eine Zukunft ohne Moleküle schwierig wird“, sagte Rüdiger Schwarz. Er betonte zudem die Bedeutung einer Priorisierung von Netzanschlüssen und den Einsatz digitaler Werkzeuge, um den Ausbau zielgenau und effizient zu gestalten.
Aus Sicht der Wirtschaft stellte Professor Claus Leggewie von der Justus-Liebig-Universität Gießen die übergeordneten gesellschaftlichen Herausforderungen dar.
„Klimamaßnahmen sind teuer, doch der Klimawandel ist teurer”,
konstatierte er. Als ehemaliges Mitglied des WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung „Globale Umweltveränderungen“) und als Leiter des „Panels on Planetary Thinking“ forscht er seit Jahrzehnten an den Auswirkungen des Klimawandels. „Im Vergleich zu den Reparationen der Klimaschäden sind die Kosten für deren Prävention fast marginal“, führte er aus.
Technologische Optionen zur Energiespeicherung erläuterte Professor André D. Thess von der Universität Stuttgart – von Batterien über thermische Speicher bis hin zu Wasserstoff‑Lösungen. Seine Bilanz: Großtechnische Speicher sind technisch machbar, die Kosten bleiben jedoch eine entscheidende Hürde. Langfristig werde ein Mix aus Technologien nötig sein; die wirtschaftliche Tragfähigkeit müsse bei politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden.
Vertriebsmanager Stefan Bodem von der OVAG legte dar, wie Flexibilisierung des Verbrauchs, dynamische Stromtarife und das Instrument „atypische Netznutzung“ zur Entlastung von Netz und Speicher beitragen können. Praxisbeispiele zeigten Chancen wie Kostensenkung durch Lastverschiebung und Risiken wie beispielsweise starke Spotmarkt‑Preisschwankungen.
Die IHK Gießen-Friedberg wird die Diskussion im neu gegründeten Arbeitskreis „Zukunftsfähige Energiepolitik“ fortsetzen und die Anliegen der regionalen Wirtschaft gegenüber Landes‑ und Bundespolitik bündeln. Mitgliedsunternehmen sind eingeladen, sich einzubringen und gemeinsam praktikable Lösungen zur Sicherung von Versorgung und Tragbarkeit von Energiekosten zu entwickeln.

Weitere Informationen: Arbeitskreis zukunftfähige Energiepolitik
Pressemeldung Nr. 34
Verantwortlich für den Inhalt: Andrea Bette, Tel. 0641/7954-2500
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Stand: 27.08.2026