Die IHK Gießen-Friedberg setzt sich für Regionalplanung im Sinne der Wirtschaft ein

Die Vollversammlung (VV) der IHK Gießen-Friedberg hat sich in ihrer jüngsten Sitzung mit zentralen Zukunftsfragen für die regionale Wirtschaft befasst – insbesondere wollen sich die VV-Mitglieder für eine wirtschaftlich zukunftsfähige Regionalplanung einsetzen.
„Regionalplanung darf nicht zur Wachstumsbremse für unseren Wirtschaftsstandort werden. Wir werden uns hier deutlich positionieren“,
betonte Präsident Rainer Schwarz in der jüngsten Sitzung der Vollversammlung (VV) der IHK Gießen-Friedberg. Von der Neuaufstellung des Regionalplans Südhessen und des Regionalen Flächennutzungsplans hatten VV-Mitglied Ottmar Lich und IHK-Mitarbeiter Christian Thiel berichtet. Aus Sicht zahlreicher Unternehmerinnen und Unternehmer führen restriktive Festlegungen bei Gewerbeflächen zu teils massiven Einschränkungen für Ansiedlungen und Betriebserweiterungen. „Ich kenne mehrere Gemeinden, die Mehrflächen beantragt haben, diese aber nicht genehmigt bekamen. Somit können Kommunen dringend notwendige Wirtschaftsförderung nicht umsetzen. Gibt es da im Verfahren noch Möglichkeiten einer Einflussnahme?“, fragte IHK-Vizepräsident Christian Eichenberger nach. „Eine zweite Runde ist vorgesehen“, sagte Lich hierzu. Er schlug aber vor, nochmals in den Dialog mit den maßgeblichen Stellen zu gehen. IHK-Präsident Rainer Schwarz griff dies auf und kündigte an, dass die IHK Gießen-Friedberg den Dialog mit dem Regierungspräsidium Darmstadt und dem Wirtschaftsministerium weiter intensivieren wolle.

Zukunftsfähige Berufsschulen: Qualität sichern, Standorte erhalten

Ein weiterer wichtiger Punkt der Sitzung war das hessische Projekt „Zukunftsfähige Berufsschule“. Hintergrund sind sinkende Ausbildungsvertragszahlen und die damit schwieriger werdende Bildung von Klassen. Ziel des Landes ist es, alle 104 beruflichen Schulen in Hessen zu erhalten, die Unterrichtsqualität zu sichern und den ländlichen Raum zu stärken. Dazu wurde ein Ampelsystem eingeführt: Unterschreitet eine Schule in einem Beruf zwei Jahre in Folge die Mindestklassengröße, tritt ein Neuaufnahmestopp in Kraft; die Beschulung erfolgt dann in Regional- oder Landesfachklassen. Erste Neuaufnahmestopps werden im Herbst 2026 wirksam – hessenweit betrifft dies 915 Auszubildende. Im Bezirk der IHK Gießen-Friedberg bleibt die Versorgung nach aktuellem Stand gut. Die IHK war in die Erarbeitung der Fachklassenverordnung unmittelbar eingebunden. „Wir waren in engem Kontakt mit den Schulleiterinnen und Schulleitern der regionalen Berufsschulen und konnten gemeinsam gute Ergebnisse erzielen“, berichtete Kai Schelberg, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung.

Energiepolitik: Wachstum braucht bezahlbare und sichere Energie

Die Vollversammlung befasste sich zudem mit einem energiepolitischen Positionspapier der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), das von den VV-Mitgliedern mehrheitlich – bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung – verabschiedet wurde. Im Mittelpunkt stehen bei dem Papier die Themen Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz. Präsident Schwarz machte deutlich, dass die ambitionierten Ausbauziele für erneuerbare Energien nur dann tragfähig sind, wenn Netzinfrastruktur, Speicher und Genehmigungsprozesse deutlich beschleunigt werden:
„Wir unterstützen natürlich das Klimaneutralitätsziel, aber wir brauchen einen realistischen Pfad und wettbewerbsfähige Energiepreise. Sonst gefährden wir industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze.“

Forschungszulage: Chancen für Unternehmen

Konkrete Unterstützung für Innovationsprojekte bot ein Praxisbericht zur steuerlichen Forschungszulage. Tamer Cansiz, Vorsitzender des Technologieausschusses, zeigte die Chancen für Unternehmen auf. Dietrich Sekels von der Sekels GmbH in Ober-Mörlen schilderte, wie sein Unternehmen im Bereich magnetischer Werkstoffe und Medizintechnik mithilfe der Forschungszulage ein mehrjähriges Entwicklungsprojekt umsetzen konnte.
Die Forschungszulage kann nun auch rückwirkend bis zu vier Jahre gewährt werden. Förderfähig sind grundsätzlich alle Projekte, die durch einen Anfang und ein Ende geprägt sind und technische Risiken beinhalten.
„Im Vergleich zu klassischen Projektförderungen ist der Aufwand für die Forschungszulage sehr überschaubar und die Bewilligung deutlich schneller“, motivierte Sekels die Unternehmer, von diesem Angebot Gebrauch zu machen. Interessierte können sich an die Vertreter des Technologieausschusses wenden.

Vollversammlungsmitglieder stellen sich vor

Mit Claudia Claussen und Markos Gebreselassie stellten in der Sitzung zwei VV-Mitglieder ihre Unternehmen vor. Während Claudia Claussen in Friedberg italienische Spezialitäten in ihrem Geschäft „Selezione - concept store“ und dem Bistro „Piccola Italia“ anbietet, hat sich Markos Gebreselassie mit der “Kaffee Pura GmbH” in Gießen auf den Handel fairen Kaffees aus Äthiopien spezialisiert.

Internationale Perspektiven: Türkei und Korea im Fokus

Im Rahmen des Formats „Ambassadors Talk“ sprach die Generalkonsulin der Republik Türkei, Nagihan İlknur Akdevelioğlu, über die deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen. Sie betonte, dass das gemeinsame Handelsvolumen der beiden Länder im Jahr 2025 über 45 Milliarden Euro betragen habe.
Einen weiteren internationalen Akzent setzte die Generalkonsulin der Demokratischen Republik Korea, Kim Eunjeong, die den Blick auf die Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft (APK) im Oktober in Seoul lenkte. Korea sei ein hochattraktiver Partner in Bereichen wie Halbleiter, Automobilindustrie, Life Sciences, Digitalisierung und berufliche Bildung. Die Generalkonsulin wies zudem auf die Möglichkeit der internationalen Vernetzung auf der B2B-Konferenz „The World meets in Giessen“ vom 8. bis 10. Juni 2026 hin, organisiert von der IHK.

Personelle Veränderungen: Robert Malzacher geht in den Ruhestand

Die Vollversammlung verabschiedete den langjährigen Geschäftsführer d er Bereiche „International“ sowie „Recht und Steuern“, Robert Malzacher, in den Ruhestand. Malzacher war über 34 Jahre für die IHK tätig. Er prägte die Außenwirtschaftsarbeit, baute unter anderem den Nigeria-Schwerpunkt und Berufsbildungspartnerschaften in Afrika mit auf. Auch im eigenen Kammerbezirk war er sehr aktiv, unter anderem betreute er den Regionalausschuss Gießen. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder würdigte ihn als „konstruktiv-kritische Stimme, die die internationale Ausrichtung unserer Kammer entscheidend vorangebracht hat“. Die Nachfolge in der Leitung der Geschäftsbereiche „International“ sowie „Recht und Steuern“ tritt zum 1. April 2026 Tim Müller, der bisherige stellvertretende Leiter des Bereichs „International“, an.
Herausgegeben am 27. März 2026
Pressemeldung Nr. 14
Verantwortlich für den Inhalt: Tobias Bunk, Tel. 06031/609-1100
Pressestelle: Tobias Bunk, Tel. 06031/609-1100
Stand: 27.03.2026