Wirtschaft braucht Fläche
In Hessen wird schon lange intensiv darüber diskutiert, wie viel Fläche für Wohnen, Landwirtschaft, Natur- und Klimaschutz, Verkehr sowie Gewerbe und Industrie genutzt werden soll. Die Debatte ist häufig emotional – insbesondere, wenn es um neue Gewerbe- und Industrieflächen geht. Gleichzeitig sind gut erreichbare, passende Flächen eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Unternehmen investieren, Arbeitsplätze sichern und neue schaffen können.
Zwischen Flächenschutz und Entwicklungschancen
Von rund 2,1 Millionen Hektar Landesfläche in Hessen sind etwa 83 Prozent Freiflächen, vor allem Wald- und Ackerflächen. Gewerbe- und Industrieflächen umfassen lediglich rund 1,6 Prozent der Landesfläche, Wohnflächen etwa 4,3 Prozent. Vor diesem Hintergrund lässt sich eine pauschale „Flächenverschwendung“ durch Gewerbe und Industrie nicht belegen.
Das Ziel, die Inanspruchnahme von Fläche insgesamt zu begrenzen, ist nachvollziehbar. Ein effizienter Umgang mit der Ressource Fläche ist Voraussetzung dafür, Natur zu erhalten, ausreichend Wohnraum zu schaffen und wirtschaftliche Aktivitäten zu ermöglichen. Entscheidend ist dabei eine differenzierte Betrachtung der Qualität und Funktion von Flächen, statt pauschaler Restriktionen.
Aktuelle Daten zur Flächennutzung in unserem Bezirk finden Sie auch unter
Gewerbeflächenanteil im IHK-Bezirk.
Gewerbeflächenanteil im IHK-Bezirk.
Strategische Flächenplanung auf allen Ebenen
Damit Unternehmen Planungssicherheit haben, müssen Flächenplanungen von Land, Region und Kommunen aufeinander abgestimmt sein und einer gemeinsamen Strategie folgen. Wohnbau- und Gewerbeflächen dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Ein wichtiger Ansatz ist die Innenentwicklung: Brachflächen, Konversionsareale und untergenutzte Grundstücke können aktiviert, bestehende Standorte nachverdichtet und effizienter genutzt werden. In vielen Kommunen wird dies jedoch allein nicht ausreichen – zusätzliche, gut angebundene Gewerbe- und Industrieflächen bleiben notwendig, um die wirtschaftliche Basis zu stärken und Wertschöpfung in der Region zu halten.
Wohnen und Arbeiten zusammen denken
Zuwanderung und Wachstum insbesondere in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main verstärken den Druck auf verfügbare Flächen. In der öffentlichen Diskussion steht häufig die Schaffung von Wohnraum im Vordergrund. Für Unternehmen ist eine ausreichende Versorgung mit gut angebundenem und bezahlbarem Wohnraum ein zentraler Faktor der Fachkräftesicherung.
Gleichzeitig darf der Flächenbedarf von Gewerbe und Industrie nicht an den Rand gedrängt werden. Wohnen, Arbeiten, Verkehrsinfrastruktur und soziale Einrichtungen müssen gemeinsam gedacht werden. Nur wenn diese Nutzungen räumlich sinnvoll aufeinander abgestimmt sind, lassen sich wirtschaftliche Entwicklung, Lebensqualität und Umweltziele in Einklang bringen.
Siedlungs- und Verkehrsfläche ist nicht gleich Versiegelung
In der Debatte wird die Kategorie „Siedlungs- und Verkehrsfläche“ häufig mit vollständig versiegelter Fläche gleichgesetzt. Das ist so nicht zutreffend. Nicht jede Siedlungs- oder Verkehrsfläche ist komplett versiegelt, und es gibt vielfältige Möglichkeiten, Versiegelung zu reduzieren oder auszugleichen – etwa durch Entsiegelung, Begrünung, wasserdurchlässige Beläge oder multifunktionale Flächenkonzepte.
Für eine sachliche Diskussion ist es wichtig, genauer hinzuschauen: Welche Nutzungen finden wo statt, wie sind Flächen gestaltet und welche Funktionen erfüllen sie für Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft?
Positionspapier „Wirtschaft braucht Fläche“
Die hessische IHK-Organisation hat ein Positionspapier erarbeitet, das Daten und Fakten zu Gewerbe- und Industrieflächen zusammenstellt, Zielkonflikte beschreibt und Anforderungen der Wirtschaft an eine zukunftsfähige Flächenpolitik formuliert. Es soll eine Grundlage für den Dialog mit Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit sein und die Debatte versachlichen.
Das HIHK-Positionspapier „Wirtschaft braucht Fläche“ finden Sie unter folgendem Link (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 3086 KB)
Stand: 23.06.2026