Flächennutzung im IHK-Bezirk Gießen-Friedberg

Die Grafik zur Flächennutzung im IHK-Bezirk Gießen-Friedberg zeigt, wie knapp der Raum für wirtschaftliche Nutzungen tatsächlich ist. Grundlage sind die amtlichen Daten zum 31.12.2024. Deutlich wird: Landwirtschaft und Wald prägen das Bild – Gewerbe- und Industrieflächen nehmen nur einen sehr kleinen Teil der Gesamtfläche ein. Für eine vorausschauende Wirtschafts- und Standortpolitik ist diese Perspektive zentral.

Landwirtschaft, Wald, Siedlung: So verteilt sich die Fläche

Fast 49 Prozent der Fläche im IHK-Bezirk werden landwirtschaftlich genutzt. Diese Flächen prägen nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch die regionale Identität und Wertschöpfung – vom Ackerbau bis zur Direktvermarktung. Rund 35 Prozent der Fläche sind Wald. Er ist wichtiger Ökosystemdienstleister, Klimaschützer und zugleich ein bedeutender Faktor für Freizeit, Naherholung und Tourismus.
Der Anteil der Bestandsgebäude liegt bei 3,6 Prozent. Damit wird sichtbar, dass die tatsächlich bebaute Fläche im Verhältnis zur Gesamtfläche deutlich kleiner ist, als es die subjektive Wahrnehmung vieler Menschen vermuten lässt.
Gewerbe- und Industrieflächen machen im gesamten IHK-Bezirk lediglich 1,3 Prozent aus. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung gut erreichbarer, verfügbarer und bezahlbarer Gewerbeflächen ist das ein kritischer Wert: Ohne ausreichend Flächenreserven fehlen Unternehmen Entwicklungsmöglichkeiten, Neuansiedlungen werden erschwert und die kommunale Einnahmebasis bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Weitere Nutzungen: Verkehr, Erholung, Wasser

Neben den dominierenden Nutzungen gibt es weitere Kategorien, die für einen funktionsfähigen Wirtschaftsraum wichtig sind. Flächen für Erholung haben einen Anteil von 1,0 Prozent – sie tragen zur Lebensqualität und zur Attraktivität der Region als Wohn- und Arbeitsstandort bei. Wasserflächen nehmen 1,1 Prozent ein.
Besonders ins Gewicht fallen die Flächen für Verkehrszwecke mit 6,4 Prozent. Eine gute verkehrliche Erreichbarkeit ist ein zentraler Standortfaktor für Unternehmen – sowohl für den Personenverkehr als auch für Logistik und Gütertransport. Gleichzeitig stehen Verkehrsinfrastruktur und Flächenverbrauch zunehmend im Spannungsfeld von Klimaschutz, Lärmschutz und Flächenreduktionszielen.

Unterschiede in den Landkreisen

Ein Blick in die drei Landkreise des IHK-Bezirks zeigt, dass die Ausgangslage bei Gewerbe- und Industrieflächen sehr unterschiedlich ist.
Im Landkreis Gießen liegt der Anteil der Gewerbe- und Industrieflächen bei 2,0 Prozent. Das ist im regionalen Vergleich der höchste Wert, bietet aber mit Blick auf künftige Unternehmensentwicklungen und Neuansiedlungen weiterhin Spielraum nach oben. Im Wetteraukreis beträgt der Anteil 1,5 Prozent und liegt damit unter dem hessischen Durchschnitt von 1,7 Prozent. Hier zeigen sich bereits Engpässe, insbesondere in verkehrlich gut angebundenen Lagen. Den niedrigsten Wert verzeichnet der Vogelsbergkreis mit lediglich 0,8 Prozent. Gerade in den ländlich geprägten Räumen wird damit deutlich, dass die Verfügbarkeit geeigneter Gewerbeflächen ein Engpass für wirtschaftliche Entwicklung sein kann.
Diese Unterschiede machen klar: Es braucht regionale, passgenaue Strategien. Während in einigen Kommunen Aktivierung, Nachverdichtung und Konversion im Vordergrund stehen, geht es andernorts darum, neue Flächen in verträglicher Lage zu erschließen und planungsrechtlich zu sichern.

Handlungsauftrag für eine wirtschaftsfreundliche Flächenpolitik

Insgesamt liegt der IHK-Bezirk Gießen-Friedberg mit einem Gewerbe- und Industrieflächenanteil von 1,7 Prozent knapp unter dem Landesdurchschnitt. In Zeiten von Transformationsdruck, Digitalisierung und Energiewende ist das ein Signal, Flächenpolitik konsequent als Standort- und Wirtschaftspolitik zu denken.
Eine wirtschaftsfreundliche Flächenpolitik bedeutet unter anderem, die strategische Entwicklung von Gewerbeflächen frühzeitig zu planen, interkommunale Kooperationen zu stärken, Innenentwicklungspotenziale zu heben und Flächen effizient zu nutzen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu gefährden. Vertiefend dazu formuliert das hessenweite Positionspapier „Wirtschaft braucht Fläche“ die zentralen Anforderungen der Wirtschaft an eine vorausschauende Flächenentwicklung.

Stand: 17.03.2026